• vom 02.01.2019, 16:58 Uhr

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Tschechen trotzen Google




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  • Seznam.cz verbucht die Hälfte aller Suchanfragen bei Desktop-Computern im Nachbarland. Die Plattform profitiert vom geschlossenen Sprachraum und von den konservativen Nutzern.

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Prag/Wien. (apa/red) Suchmaschine, Nachrichten, E-Mail, Karten, Immobilien, ein Wörterbuch, Kleinanzeigen, Firmen, Radio und Videos oder Fahrpläne: In Tschechien braucht man das Portal von Seznam.cz eigentlich kaum zu verlassen, wenn es darum geht, den Online-Alltag zu bewältigen. Gestartet ist es 1996 als Webverzeichnis mit Volltextsuche - daher auch der Name, deutsch "Liste" oder "Verzeichnis".

Der frühe Start als Suchmaschine ist eines der Erfolgsgeheimnisse. Eine Google-Suche in Tschechien war hingegen über lange Zeit eine frustrierende Angelegenheit, zu wenig treffsicher waren die Ergebnisse im Vergleich zu Seznam. Das hat sich zwar in den vergangenen Jahren geändert. Doch nach wie vor schätzt der stellvertretende Vorstandschef Pavel Zima das Verhältnis Googles zu Seznam auf fifty-fifty - "am Desktop", wie er in einem APA-Interview am Rande einer Konferenz des Nachrichtenagenturnetzwerks Minds betont.


"Mobil dominiert Google wegen Android." Und die Nutzung verschiebt sich von Standgeräten zu den Smartphones. Seznam hat zwar einen eigenen Browser für Android-Handys im Angebot, doch bisher seien die Verhandlungen mit den großen Mobiltelefon-Herstellern wie Samsung über eine Integration erfolglos verlaufen. Zima hofft auf Schritte der EU-Kommission, die bereits 2018 eine Strafe über Google verhängte.

Generell aber findet es Zima "nicht so schwierig, Google oder anderen internationalen Giganten die Stirn zu bieten. Wir ignorieren sie einfach. Es geht darum, auf das eigene Produkt und die User zu fokussieren. Wir haben den Fokus nie verloren." Vor bald 20 Jahren habe es "viele lokale Champions wie uns" gegeben. Die meisten hätten sich aber von Telekommunikations-Konzernen aufkaufen lassen und den Blick auf die User verloren. "Das war der Anfang vom Ende als große lokale Player."

Der Erfolg des
Ivo Lukacovic

Seznam hingegen ist auch eine ökonomische Größe geworden: 1,1 Milliarden Kronen (42,3 Millionen Euro) betrug der Gewinn 2017, der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 3,7 Milliarden Kronen (142,3 Millionen Euro), 1350 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, das pro Monat 95 Prozent der tschechischen Online-Nutzer erreicht.

Der Mann hinter dem Erfolg ist Gründer Ivo Lukacovic. Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzt sein Vermögen auf 500 Millionen Dollar (436 Millionen Euro). Der Konzern steht, nach einem zwischenzeitlichen Engagement internationaler Investoren, seit 2016 wieder vollständig im Besitz von Lukacovic. Der 44-Jährige kümmert sich um die strategische Ausrichtung, die Alltagsgeschäfte überlässt er anderen.

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Dokument erstellt am 2019-01-02 17:11:11


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