• vom 04.01.2019, 09:08 Uhr

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Update: 04.01.2019, 15:10 Uhr

Datenleck

Hackerangriff auf Hunderte Politiker in Deutschland




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Von WZ Online, APA/Reuters

  • Erbeutete Daten wurden teils zum Download angeboten, auch Prominente und Journalisten wurden ausgespäht.

Von dem Hacker-Angriff sind nach Angaben der deutschen Bundesregierung keine sensiblen Daten betroffen. Man nehme den Fall aber "sehr ernst". - © APAweb, afp, Odd Anderson

Von dem Hacker-Angriff sind nach Angaben der deutschen Bundesregierung keine sensiblen Daten betroffen. Man nehme den Fall aber "sehr ernst". © APAweb, afp, Odd Anderson

Berlin. Deutsche Medien sprechen bereits von einem "Mega-Hack", einem der größten Hackerangriffe in der deutschen Geschichte. Unbekannte haben laut einem Bericht des Fernsehsenders "Rundfunk Berlin-Brandenburg" (RBB) persönliche Daten und Dokumente von mehreren hundert deutschen Politikern im Internet veröffentlicht. Mit Ausnahme der rechtspopulistischen AfD seien alle im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien betroffen.

Die Informationen sind teils hochbrisant: Handynummern, Adressen, Chats, Briefe, Rechnungen und Kreditkarteninformationen wurden ausgespäht. Vorläufig gibt es keine Hinweise darauf, dass auch geheime Dokumente darunter sind.

Information

Fachbegriffe

Phishing:

Ein Kunstwort, das aus dem englischen Wort "fishing" (Angeln) abgeleitet ist. Beim Phishing versuchen Angreifer, mit manipulierten E-Mails, Webseiten oder Kurznachrichten ihre Opfer dazu zu bewegen, selbst ihre Daten preiszugeben, etwa die Login-Informationen zu ihrem E-Mail-Konto. Beim sogenannten Spear-Phishig wird der Angriff auf die Zielperson mit großem Aufwand persönlich angepasst. Allgemeine Phishing-Angriffe werden oft von gewöhnlichen Online-Kriminellen durchgeführt, um beispielsweise ein Online-Bankkonto plündern zu können. Hinter den gezielten Spear-Phishing-Angriffen stecken oft von Regierungen bezahlte Hacker.

Hacker-Angriff:

Bei einem Hackerangriffs geht es in der Regel darum, ein System oder Netzwerk in Knie zu zwingen, zu manipulieren oder Daten zu stehlen. Dabei wird häufig die Tatsache ausgenutzt, dass die Betreiber ihre Systeme nicht auf dem Laufenden gehalten haben und deshalb Sicherheitslücken klaffen. Manchmal werden auch sogenannte Zero-Day-Attacken ausgeführt. Dabei werden Schwachstellen ausgenutzt, noch bevor sie vom Softwarehersteller durch eine Update geschlossen werden konnte.

Leak:

Von einem Leak spricht man, wenn vertrauliche Daten von einem Insider enthüllt werden. So hat beispielsweise die amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning die Aufzeichnung des Angriffs eines amerikanischen Kampfhubschraubers in Bagdad, bei dem irakische Zivilisten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters getötet wurden, weitergegeben. Bei dem aktuellen Online-Angriff handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um einen Leak, da die Daten aus erkennbar unterschiedlichen Quellen stammen.

Doxxing:

Beim Doxxing geht es um die Veröffentlichung von persönlichen Daten im Netz. Die Betroffenen sollen online vorgeführt werden. Außerdem wollen die Täter einen Missbrauch der Daten ermöglichen. Der Begriff leitet sich vom englischen Wort "docs" (Dokumente) ab. Beim Doxxing werden möglichst viele private Informationen wie Kreditkartennummern, Scans von Ausweisdokumenten, vertrauliche Privatadressen oder Handynummern illegal abgefischt und dann online gestellt.

Auch der Bundespräsident wurde ausgespäht

Unter den Opfern ist nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung auch Bundespräsident Steinmeier. Auch E-Mail-Adressen und eine Faxnummer von Bundeskanzlerin Angela Merkel wurden veröffentlicht. Am stärksten sind CDU und CSU betroffen: Insgesamt 405 Abgeordnete aus dem Bundestag, dem EU-Parlament und Landtagen wurden ausspioniert. Bisher wurde bekannt, dass bei der SPD 294, bei den Grünen 105, bei der Linkspartei 82 und bei der FDP 28 Politiker betroffen sind. Focus Online meldete, dass beim Grünen-Chef Robert Habeck ein großer Teil der Mitteilungen an die eigenen Familie gestohlen wurde. Auch private Nachrichten von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Ex-Parteichef Sigmar Gabriel seien erbeutet worden. Mehrere  Prominente wurden ebenfalls gehackt: Jan Böhmermann etwa oder der deutsche Rapper Materia. Auch die Daten von Journalisten wurden gestohlen.

Die unbekannten Hacker nutzten vermutlich ein Mailprogramm als Einfallstor. 

Die unbekannten Hacker nutzten vermutlich ein Mailprogramm als Einfallstor. © dpa/Felix Kästle Die unbekannten Hacker nutzten vermutlich ein Mailprogramm als Einfallstor. © dpa/Felix Kästle

Vor Weihnachten gingen die "Türchen" auf Twitter auf: Jeder Link führte auf geleakte Daten.

Vor Weihnachten gingen die "Türchen" auf Twitter auf: Jeder Link führte auf geleakte Daten.© WZ Online Vor Weihnachten gingen die "Türchen" auf Twitter auf: Jeder Link führte auf geleakte Daten.© WZ Online

Die unbekannten Datendiebe veröffentlichten Links zu ihrer Beute über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Account war am Freitag zunächst noch zu erreichen, ab dem Vormittag erschien dann der Hinweis "Account gesperrt". Der oder die Inhaber beschrieben sich selbst mit Begriffen wie "Security Researching", "Künstler" oder "Satire". Die Lecks seien Donnerstagabend bemerkt worden, berichtete RBB. Auf Twitter seien die Informationen aber wohl schon seit den Tagen vor Weihnachten zugänglich gewesen.

Verfassungsschutz ermittelt

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist laut "Bild" mit der Prüfung des Falls befasst und tauscht sich mit ausländischen Nachrichtendiensten zur Herkunft der Angreifer aus. Als Urheber oder Unterstützer kämen Staaten wie Russland und China infrage. Ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erklärte, seine Behörde prüfe den Vorgang in Zusammenarbeit mit weiteren Bundesbehörden "intensiv". Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum, das die Maßnahmen der deutschen Bundesbehörden in so einem Fall koordiniert, übernahm die zentrale Koordination zu dem Fall.

Erste Untersuchungen bei den betroffenen Parteien hätten ergeben, dass sich die Hacker möglicherweise Zugang über das E-Mail-Programm Outlook verschafften, schrieb die "Bild"-Zeitung. Das BSI teilte auf Twitter mit, das Regierungsnetz sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen.

Abgeordnete kritisieren Behörden

Die "Heilbronner Stimme" berichtete, dass Bundestagsabgeordnete wegen des Datendiebstahls Anzeige erstattet hätten. Es gebe großen Unmut, dass die Informationen über den Angriff nicht vom BSI oder vom Bundesamt für Verfassungsschutz an die Fraktionen herangetragen worden sei, sondern sie zuerst von Bürgern und dem Chaos Computer Club darauf aufmerksam gemacht worden seien. Einige Abgeordnete hätten intern bereits in den vergangenen Wochen über Hackerangriffe berichtet, unter anderem auf Facebook-Konten.

In der Vergangenheit hatte es bereits mehrmals Hackerangriffe auf deutsche Politiker gegeben. Auch das besonders geschützte Regierungsnetz wurde erfolgreich angegriffen.





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Dokument erstellt am 2019-01-04 09:09:50
Letzte Änderung am 2019-01-04 15:10:43


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