• vom 08.01.2019, 17:47 Uhr

Digital-News

Update: 08.01.2019, 20:41 Uhr

Datendiebstahl

Einzeltäter hinter Hackerangriff




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  • Ein 20-Jähriger gestand, die Daten von knapp 1000 Politikern in Deutschland ausgespäht und veröffentlicht zu haben.

Die Sicherheitsmaßnahmen waren einigermaßen löchrig. - © Guy Waterval / WZ Online - CC 4.0

Die Sicherheitsmaßnahmen waren einigermaßen löchrig. © Guy Waterval / WZ Online - CC 4.0

Berlin. (reu/dpa/da) Der Skandal um massenweise gestohlene und veröffentlichte Daten in Deutschland ist weitgehend aufgeklärt: Ein 20-Jähriger aus dem Bundesland Hessen gestand, massenweise persönliche Daten von Politikern ausgespäht und über Twitter veröffentlicht zu haben. Der Mann habe die Vorwürfe "umfassend eingeräumt" und über eigene Straftaten hinaus Aufklärungshilfe geleistet, sagte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk am Dienstag.

Zu seiner Motivation habe der Beschuldigte angegeben, aus Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens gehandelt zu haben, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main.

Eine große Anzahl von persönlichen Daten und Dokumenten war in der vergangenen Woche im Internet veröffentlicht worden. Betroffen sind Politiker, Journalisten und Künstler. 994 aktive oder frühere Politiker wurden Opfer, 425 Politikern von CDU/CSU, 318 der SPD, 112 der Linkspartei, 111 der Grünen sowie 28 der FDP. Die AfD blieb verschont.

"Kein Super-Hacker"

Weit überwiegend handelt es sich dem Innenministerium zufolge bei dem gestohlenen Material um reine Kontaktdaten wie Telefonnummern, Anschriften oder E-Mail-Adressen. In etwa 50 bis 60 Fällen seien hingegen deutlich mehr persönliche Daten veröffentlicht worden. Laut Staatsanwalt Ungefuk seien dies neben Telefonnummern und Anschriften auch Kreditkartendaten, Bildaufnahmen und Kommunikation.

Über den Verdächtigen ist bisher wenig bekannt: Er lebe im elterlichen Haushalt und gehe zur Schule. Über eine computerspezifische Ausbildung verfüge er nicht, sondern habe sich die Kenntnisse selbst antrainiert. Die These, ein ausländischer Geheimdienst könnte hinter der Attacke stehen, ist somit widerlegt.

Linus Neumann vom "Chaos Computer Club" sah bereits vor Festnahme des 20-Jährigen darin das Werk eines sogenannten Scriptkiddies - einer jungen Person, die mit viel Aufwand und Energie vorgeht, aber wenig technisches Verständnis und Programmierkenntnisse habe. "Das war kein Super-Hacker, sondern eine ganz normale Person mit viel Zeit und negativer Energie", sagt Markus Beckedahl, Chefredakteur des Portals netzpolitik.org im Gespräch mit t-online.de. "Die Person hat wahrscheinlich die Technik des Social Engineerings verwendet und hat zum Beispiel bei Twitter direkt angerufen, oder Passwörter einfach ausprobiert."

Das Ausspähen von Daten sei ein Massendelikt, warnte der Chef des Bundeskriminalamtes, Holger Münch. Das Hauptproblem seien schlechte Passwörter. Anscheinend hat sich noch immer nicht herumgesprochen, dass Passwörter nicht aus trivialen Zahlen- oder Buchstabenkombinationen bestehen sollten. Dass für jeden Account ein eigenes Passwort verwendet werden sollte. Und dass es für die Wartung der Daten Hilfe in Form von Passwortmanagern gibt.

Die Bürger sollen verstärkt auf die Gefahren im Netz hingewiesen werden, regte der deutsche Innenminister Horst Seehofer an. Die Regierung prüft auch ein Frühwarnsystem für derartige Taten. "Wir wollen alles Mögliche in Bewegung setzen, dass sich solche Fälle möglichst nicht wiederholen können. Wir prüfen deshalb die Schaffung einer Früherkennung zum Schutz vor Datenabfluss - zum Beispiel Sperrung eines Twitter-Accounts, der illegal Daten Dritter verbreitet", meinte Seehofer. Der mutmaßliche Täter aus Hessen hatte über das soziale Netzwerk seine erbeuteten Daten scheibchenweise veröffentlicht.

Fällt ins Jugendstrafrecht

Seehofer will ein Daten-Frühwarnsystem prüfen lassen.

Seehofer will ein Daten-Frühwarnsystem prüfen lassen.© APAweb, dpa, Bernd von Jutrczenka Seehofer will ein Daten-Frühwarnsystem prüfen lassen.© APAweb, dpa, Bernd von Jutrczenka

Mangels Haftgründen ist der 20-Jährige wieder auf freien Fuß gesetzt worden. So habe etwa keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr bestanden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Bei der Vernehmung habe der Mann erklärt, allein gehandelt zu haben, sagte Ungefuk. "Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Anhaltspunkte, dass andere Personen beteiligt waren." Aufgrund der Angaben des Beschuldigten konnte ein Computer, den er zwei Tage vor der Durchsuchung beiseitegeschafft hatte, und ein Daten-Back-up aufgefunden werden.

Das deutsche Jugendstrafrecht betrifft Personen bis 20 Jahre, daher gilt der Verdächtige als Heranwachsender. Unklar ist daher das drohende Strafmaß. Es könne eine Jugendstrafe geben aber auch erzieherische Maßnahmen, Arrestmaßnahmen oder Erziehungshilfen, sagte der Staatsanwalt. Bei Erwachsenen stehen bis zu drei Jahre Haft für Ausspähen, bei Datenhehlerei bis zu drei Jahre und Geldstrafen.





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Dokument erstellt am 2019-01-08 17:59:19
Letzte Änderung am 2019-01-08 20:41:33


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