• vom 22.07.2011, 16:30 Uhr

Digital-News

Update: 22.07.2011, 16:50 Uhr

Facebook

Der Kampf um die Nummer 1 der sozialen Netzwerke




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Von Bettina Figl

  • Google heftet sich an Facebooks Fersen.
  • Wer das Rennen gewinnt, zeigt sich in zwei bis drei Jahren.

Wien. Es kommt zwar nicht darauf an, welche Schuhe man trägt und ob man auf der Gästeliste steht. Doch beim knapp drei Wochen alten sozialen Netzwerk Google Plus kommt man nur mit Einladung rein. Wie lange der "geschlossene Feldtest" beibehalten wird, verrät Google auf Anfrage der "Wiener Zeitung" nicht. Feststeht: Die Einladepolitik war ein geschickter PR-Zug - denn die Einladungen gehen weg wie die warmen Semmeln.


Google Deutschland sagt zwar, sein soziales Netzwerk stehe nicht in Konkurrenz zu Facebook. Doch User wollen nicht in zu vielen sozialen Netzwerken sein, wie es die quasi toten Social-Media-Veteranen MySpace oder StudiVZ veranschaulichen. Daher geht es darum, welcher der beiden Dauerkonkurrenten sich durchsetzen kann. Branchen-Insider trauen es Google Plus durchaus zu, Facebook mit seinen immerhin 750 Millionen Nutzern von Platz 1 zu verdrängen.

Entscheidend wird sein, ob genügend "Freunde" zu Plus wechseln. Nur dann entsteht das Bedürfnis, auch dabei zu sein: "Wir sind Herdentiere", so Social Media-Expertin Judith Denkmayr von Digital Affairs. Ein weiterer Knackpunkt sei, welche Neuerungen Google noch aus dem Ärmel schüttle. Jetzt befindet sich das Netzwerk zwar noch im Beta-Stadium, wird also noch weiterentwickelt.

Es wird gemunkelt, dass dieser Modus auf Dauer beibehalten werden könnte. Schon jetzt gibt es einige Verbesserungen zu Facebook: Die Kontaktaufnahme funktioniert nicht via Anfrage, sondern ähnlich wie bei Twitter: Usern kann man folgen, ohne dass diese zuerst ihre Erlaubnis erteilen müssen.

Die Web-Community lobt die durchsichtigeren Datenschutz- und Sicherheitsregeln - wobei man sich auch hier zuerst durchklicken muss. Die "Circles", also Kreise, sind wohl das markanteste Feature: Jedes Foto, jede Statusmeldung kann zielgruppengerecht veröffentlicht werden: Schmutzige Witze werden exklusiv dem Freundeskreis erzählt, Strandfotos sieht künftig nur noch die Familie. Das konnte man zwar auch bei Facebook, war aber komplizierter. Auf Plus sind die Kreise mit ein paar Klicks erstellt, ebenso flott funktioniert deren Bearbeitung.

Optisch lässt Plus Facebook buchstäblich alt aussehen. Die klar strukturierte Oberfläche wirkt ruhiger, aufgeräumter und passt zu dem selbst gewählten "erwachseneren" Image. Spiele wie "Farmville" sucht man bei Plus vergebens, und diese machen immerhin die Hälfte des gesamten Facebook-Traffics aus. Zu den Innovationen zählen die intuitive Bedienung und die Benutzerfreundlichkeit: Musste man bei Facebook eine Statusmeldung noch löschen und neu erstellen, kann man diese bei Google simpel nachbearbeiten.

Rund 193 Millionen nutzten laut BBC Googles E-Mail-Programm Gmail pro Monat, und zu Plus ist es dann nur noch ein Klick. Bei Google hat man dann alles unter einem Dach: Routenplaner, Chat, Mail und seit knapp drei Wochen eben auch ein soziales Netzwerk, andere Dienste wie Skype werden obsolet.

Google macht ein Geheimnis daraus, wie viele User Plus derzeit hat, zehn Millionen sollen es bereits sein. "Einige Tausend in Österreich", schätzt Denkmayr, und derzeit seien es vor allem "Early Adopter", also jene, die bei einer technischen Neuerung von Anfang an dabei sind. Es zeigt sich auch das ungleiche Geschlechterverhältnis in der internetaffinen Community: 74 Prozent sind männlich, jeder Vierte gibt an, Ingenieur zu sein, so das Unternehmen "Find People" (eine Million ausgewertete Plus-Profile).

Schneller Plus-Zuwachs
Ob Plus den Sprung vom Nischenpublikum zur Allgemeinheit schafft, wird sich in den nächsten zwei, drei Jahren zeigen. So lange dauerte es auch, bis Facebook Fuß fassen konnte. Vielleicht geht es sogar schneller: Inzwischen folgen einigen Usern mehr Menschen auf Plus als auf ihren Twitter- und Facebook-Accounts - nach gerade einmal drei Wochen Testlauf.

Was viele auf Plus noch vermissen, ist die Möglichkeit, Veranstaltungen zu erstellen, und auch Apps für’s iPhone gibt es bislang keine. Doch der geschlossene Beta-Modus soll auch als Entschuldigung für Schwachstellen dienen, und die Nutzer sind aufgefordert, Feedback zu senden. Mark Zuckerbergs Reaktion zeigt, dass er mit dem Rücken zur Wand steht: Der Facebook-Gründer konterte mit der Einbindung von Skype und ist sofort mit Video- und Gruppenchats nachgezogen.

Auch der Facebook-Chef ist mit einem eigenen Profil auf Google Plus vertreten und mit fast 339.467 (Stand Donnerstag) folgen ihm mehr als jedem anderen User. Doch mittlerweile hat ausgerechnet er, der einst Privatsphäre für veraltet erklärt hat, ebendiese für sich entdeckt: Er hat sein Google Plus-Konto auf maximale Privatsphäre gestellt und teilt nun nicht mehr alles mit der Öffentlichkeit.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-07-22 16:39:08
Letzte Änderung am 2011-07-22 16:50:34


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