• vom 14.10.2011, 10:17 Uhr

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Update: 14.10.2011, 11:50 Uhr

Syrien

Syrische Netzüberwachung mit US-Technologie




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Von Karl Stiefel

  • Hacker-Vereinigung Telecomix veröffentlicht 300 Gigabyte an ausgespähten Daten.

Hamburg.

Was diese Hände am heimischen Rechner tippen, liest der syrische Staat mit. Die Hacker von Telecomix liefern den Beweis.

Was diese Hände am heimischen Rechner tippen, liest der syrische Staat mit. Die Hacker von Telecomix liefern den Beweis.© REUTERS/Mohamed al-Sayaghi Was diese Hände am heimischen Rechner tippen, liest der syrische Staat mit. Die Hacker von Telecomix liefern den Beweis.© REUTERS/Mohamed al-Sayaghi

Die Revolution im arabischen Raum ist weit weg von der Hansestadt – das ist der Hacker-Vereinigung Telecomix egal, denn im Internet kennt die Freiheit keine Staatsgrenzen. Die Revolutionäre in den fernen Ländern brauchen auch jede Hilfe, die sie kriegen können. Da sich die protestierenden Gruppen über Blogs, Facebook und Twitter (die sogar ihre Wartungszeiten auf die arabische Zeitzone angepasst haben) organisiert hatten, setzen die autoritären Staaten nun auf verstärkte Netz-Überwachung. Die Hilfe ausländischer Unterstützer wie Telecomix ist daher sehr gefragt.


Spionage mit US-Technologie
Eine Entdeckung der Hacker sorgt nun für Verwunderung: Eine veröffentlichte Datenliste beweist, dass Technologie einer US-Firma für die Überwachung in Syrien verwendet wurde. Dabei hat die USA ein Handelsembargo gegen das Assad-Regime verhängt. Die benutzten Proxy-Server der Firma Blue Coat werden in vielen internationalen Firmen benutzt, um die Sicherheit des Firmen-Netzwerks zu gewährleisten – und um Mitarbeiter vom privaten Surfen abzuhalten. Mit den 15 in Syrien entdeckten Servern wurde dokumentiert, welche Nutzer auf staatsfeindliche Seiten gehen. Texte mit bestimmten Schlagwörtern wurden Kopiert, Internet-Telefonie-Dienste und soziale Netzwerke geblockt. Die von Telecomic veröffentlichten 300 Gigabyte Datensätze wurden von sieben der Server zwischen 22. Juli und 5. August gesammelt. Darin enthalten sind IP-Adressen (von Telecomix zensiert), Account-Namen, besuchte Seiten und auffällige Texte. Aus dieser Liste geht hervor, welche Seiten als staatsfeindlich angesehen werden.

Wie diese Technologie in die Hände des syrischen Regimes gekommen ist, will Blue Coat nicht wissen. Die offizielle Stellungname lautet, dass keine Länder mit einem ausdrücklichen Embargo beliefert werden – nicht durch die USA und nicht von Auslands-Vertretungen der IT-Firma. Die Belieferung mit Spionage-Technologie setzen die Hacker von Telecomix mit Waffenlieferungen gleich. Woher die verwendeten Server stammen, können sie nicht nachweisen – allem Anschein nach werden sie ohnehin nicht mehr verwendet. Der Ursprung, sowie der Verbleib der Netzwerk-Knoten bleiben bislang unklar.




Schlagwörter

Syrien, Hacker

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Dokument erstellt am 2011-10-14 10:18:55
Letzte Änderung am 2011-10-14 11:50:22


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