• vom 10.01.2012, 12:55 Uhr

Digital-News

Update: 11.01.2012, 07:33 Uhr

Studie

Internet macht süchtig, Computerspiele ängstlich




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Von Gregor Kucera

  • Neue Studien orten Gefahrenpotenziale
  • Burschen stärker gefährdet als Mädchen.
  • Problem sind vor allem Online-Rollenspiele.

Zwei neue Studie beschäftigen sich mit den möglichen Gefahrenpotenzialen "neuer" Medien. Es zeigt sich, dass zu viel Computerspielen durchaus seine negativen Auswirkungen hat. - © APAweb/EPA

Zwei neue Studie beschäftigen sich mit den möglichen Gefahrenpotenzialen "neuer" Medien. Es zeigt sich, dass zu viel Computerspielen durchaus seine negativen Auswirkungen hat. © APAweb/EPA

Salzburg/Melbourne. Wie gefährlich sind Internet und Computerspiele wirklich? Welche Bedrohungsszenarien sind gegeben und wie sollen vor allem Kinder und Jugendliche mit den Medien umgehen? Die Antworten auf diese Fragen sind breit gefächert. Computerspiele haben durchaus sehr positive Seiten, aber wo Licht da auch Schatten. Auf die Dauer und die Art der Spiele käme es dabei ebenso an, wie auf die Erziehung im Umgang mit den Medien und deren Nutzung, so die Experten.


Zwei neue Studien - eine aus Salzburg und eine andere aus dem australischen Melbourne haben nun neue Erkenntnisse zum Thema Internetsucht und Computerspiele gebracht.

Zwei von 100 Jugendlichen sind süchtig
Sie haben keine Kontrolle mehr über ihren Internetkonsum, wissen nicht mehr, wann es Zeit ist, den Computer abzuschalten und haben Entzugserscheinungen, wenn sie keinen Zugang zum World Wide Web haben: Für 2,5 Prozent der Salzburger Schülerinnen und Schüler verschwimmt die Grenze zwischen Online und Offline, sie gelten aus abhängig von Internet und PC, 1,6 Prozent als abhängigkeitsgefährdet. Das ergab eine Studie, die am Dienstag in Salzburg vorgestellt wurde.

Für die Untersuchung zur Computer- und Internetnutzung von Salzburgs Schülerinnen und Schülern wurden 434 Fragebögen von Jugendlichen der 5., 9. und 10. Schulstufe ausgewertet, erläuterte Studienleiter Univ.-Prof. Friedrich Wurst vom Salzburger Landesklinikum für Psychiatrie und Psychotherapie, der die Untersuchung in Kooperation mit Univ.-Prof. Anton Kühberger vom Fachbereich Psychologie der Universität Salzburg durchgeführt hat. Befragt wurden die Jugendlichen im Frühsommer 2010. Burschen sind von Internetabhängigkeit doppelt so häufig betroffen wie Mädchen, berichtete Wurst.

Vier Stunden täglich
Immerhin verbringen die befragten Burschen knapp vier Stunden pro Tag vor dem Bildschirm, Mädchen rund drei Stunden. Zum Vergleich: Gelesen wird 19,3 Minuten (Buben) und 34,3 Minuten pro Tag (Mädchen). Auffällig für die Studienautoren war, dass bei den suchtgefährdeten Jugendlichen der Vater häufig arbeitslos oder teilzeitbeschäftigt war. Die Risikogruppen rauchen häufiger, leiden unter Angst und Depressionen, schwänzen öfter die Schule und haben wenig Freunde außerhalb der Schule, sagte Wurst. Während Buben Fußball- und Schießspiele bevorzugen, beschäftigen sich Mädchen häufiger mit Simulations- und Geschicklichkeitsspielen. Die Internetnutzung über Mobiltelefone spielte bei der Untersuchung noch keine Rolle. "Heute sähe das sicher anders aus", meinte Kühberger.

Großes Suchtpotenzial haben die Online-Rollenspiele wie "World of Warcraft". Dabei müsse man eine Rolle übernehmen und ständig präsent sein, um etwas zu erreichen, sonst gehe das Spiel an einem vorbei, erläuterte Kühberger. Die Untersuchung habe ergeben, dass jeder fünfte Jugendliche, der damit spielt, durch seine starke Präsenz in der virtuellen Welt Einbußen in der realen Welt - beispielsweise schlechtere Schulnoten - erleide.

"Ein sehr verantwortungsvoller Umgang"
Die Untersuchung hat aber auch eine gute Nachricht: Für den überwiegenden Teil der jungen Salzburger stellen Internet und Computer kein Problem dar. "Die meisten Menschen haben einen sehr verantwortungsvollen Umgang", meinte Wurst. Nur ein kleiner Teil der jungen Nutzer sei gefährdet. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und Soziallandesrätin Cornelia Schmidjell (beide S) betonten angesichts der Ergebnisse, wie wichtig Prävention sei. Eine große Verantwortung käme Eltern und Schule zu, den Jugendlichen einen vernünftigen Umgang mit dem Internet zu vermitteln. "Bei dieser Form der Sucht kann man ja nicht völlig abstinent sein", meinte Schmidjell.

Spieler haben Ängste
Eine australische Studie kommt wiederum zu dem Ergebnis, dass Spieler, die in der Woche 33 Stunden oder mehr in den virtuellen Welten verbringen, einen deutlichen Anstieg von Stresshormonen aufweisen. Zudem sind vermehrt Angstzustände feststellbar und auch Depressionen sollen häufiger auftreten. Die Studie ist allerdings noch nicht abgeschlossen.




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Dokument erstellt am 2012-01-10 12:56:33
Letzte Änderung am 2012-01-11 07:33:03


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