• vom 08.02.2012, 17:58 Uhr

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Update: 08.02.2012, 18:02 Uhr

Twitter

Zwitschernde Kicker




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Von Simon Rosner

  • Immer mehr Fußballer nützen Twitter, um mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren
  • Austrias Manuel Ortlechner über Sinn und Unsinn von Social-Media-Diensten.

Manuel Ortlechner kommuniziert mit Fans, Wayne Rooney ist fad und Marc Janko war in Porto unterwegs.

Manuel Ortlechner kommuniziert mit Fans, Wayne Rooney ist fad und Marc Janko war in Porto unterwegs. Manuel Ortlechner kommuniziert mit Fans, Wayne Rooney ist fad und Marc Janko war in Porto unterwegs.

Wien. "Heute ist es extrem fad", schreibt Austrias Florian Klein aus dem Trainingslager in der Türkei. Zwei Tage später ist er eh wieder zurück, genauso wie die Kollegen. "Hallo Wien", schreibt Florian Mader. "Servus Wien", schreibt Manuel Ortlechner, quasi der Pionier Österreichs Kicker beim Social-Media-Dienst Twitter.

Ortlechner war einer der ersten Fußballer in Österreich, der sich nicht nur auf Twitter registrierte, sondern es seither auch regelmäßig verwendet. Und zwar nicht nur für Belanglosigkeiten, vielmehr erweist sich der Kurznachrichtendienst als ideale Kommunikationsplattform für Sportler. Sie können sich direkt und schnell an die Öffentlichkeit werden. So hatte etwa auch Teamkapitän Marc Janko Gerüchte, er würde zu Hoffenheim wechseln, via Twitter dementiert.


Für Ortlechner war die Möglichkeit der direkten Kommunikation auch der Hauptgrund, sich bei Twitter anzumelden. "Ich habe früher immer wieder Probleme mit Medien gehabt. Da sind manche Dinge dann ganz anders in der Zeitung gestanden. Jetzt kann ich quasi meine eigene Zeitung schreiben", sagt der Austria-Verteidiger.

Twitter erlaubt den Fußballern auch, Kontakt zu Fans zu halten. "Es ist sicher interessant, wenn ich beispielsweise ein Foto aus der Kabine poste. So nahe kommt kein Journalist", sagt Ortlechner. Der Aufwand halte sich bei ihm in Grenzen, "es sind eh immer die Gleichen, die mich anschreiben. Das sind nicht so viele".

Was Twitter und vergleichbare Dienste für Sportler auch attraktiv macht, ist die Möglichkeit, mit ehemaligen Mitspielern in Kontakt zu bleiben. Denn Fußballer wechseln heutzutage ihre Vereine alle paar Jahre, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, trotzdem ist die Branche überschaubar und eng miteinander verschränkt.

Also twittert Austrias Florian Klein zu seinem Nationalteamkollegen David Alaba: "Wie läuft’s bei dir in der Vorbereitung?" Und der twittert, für die Öffentlichkeit sichtbar, zurück: "Flooootschi, mei schena Bua. Alles gut danke und bei dir?" Ortlechner, der Social-Media-Profi, verwendet für Kommunikation dieser Art Facebook. Dort hat er sein privates Profil, das er auch privat hält, während er bei Twitter ausschließlich über Fußball schreibt. "Das ist für mich auch der Hauptsinn von Facebook, dass man mit Menschen in Kontakt bleibt, mit denen man sonst nicht Kontakt halten kann." Ortlechner trennt sein privates virtuelles Ich vom beruflichen, was aber nicht alle Fußballer machen.

Gefährliche Wortwahl
"Manche nehmen jede Freundschaftsanfrage an, haben 5000 Freunde, das ist dann gefährlich", sagt er. Denn Fußballer sind öffentliche Personen, Smartphones weitverbreitet und ein Foto ist schnell gemacht und hochgeladen. Kein Problem, wenn das beim Training passiert, wenn das Foto aber am Abend mit einem Glas Bier in der Hand gemacht wird, wird’s problematisch. "Eine Fußballkarriere ist halt wie eine 15 Jahre lange Landschulwoche", sagt Ortlechner. Nicht alles, was da passiert, sollte in die Öffentlichkeit.

Während twitternde Fußballer in Österreichs Bundesliga eine Seltenheit sind, wird in England schon seit Jahren heftig gezwitschert. Doch auch das muss gelernt sein. Der ehemalige Teamspieler Michael Ball wurde vom Verband für ein homophobes Statement bestraft, der Stürmer Lee Steele von Oxford City für ein ähnliches Vergehen gleich entlassen. Ryan Babel hat in seiner Zeit bei Liverpool 10.000 Pfund Strafe zahlen müssen, weil er via Twitter den Schiedsrichter kritisiert hatte.

Beim jüngsten Manchester-Derby hatten sich einige Spieler auf Twitter zur dritten Halbzeit getroffen, ein anderes Mal hatte Wayne Rooney Real Madrids Pepe via Twitter als "Idiot" bezeichnet, weil dieser absichtlich Lionel Messi auf die Hand gestiegen war. Gut für Rooney, dass Twitter noch weitgehend unbekannt war, als er bei der WM 2006 Ricardo Carvalho auf die Hoden gestiegen war.

Einer der notorischsten Twitterer in der Welt des Fußballs ist Rooneys Teamkollege Rio Ferdinand, der fast minütlich sein Leben in ein paar kurzen Sätzen festhält. Auch Manuel Ortlechner hatte sich einst die Erzählungen Ferdinands gegeben, mittlerweile hat er sich wieder ausgeklinkt - zu uninteressant. Das Leben eines millionenschweren Manchester-Spieler muss unfassbar langweilig sein. Nicht nur ein Trainingslager in der Türkei.




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Dokument erstellt am 2012-02-08 17:23:08
Letzte Änderung am 2012-02-08 18:02:51


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