• vom 04.06.2013, 16:20 Uhr

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Update: 18.06.2013, 16:50 Uhr

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Spielen für die Wissenschaft




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Von Andreas Lorenz-Meyer

  • Forscher wollen Probleme, die den Computer überfordern, von Nutzern spielerisch lösen lassen
  • Forscher versuchen, mit Spielen
  • die Schwarmintelligenz zu nutzen.

Ein heißes Match? Purpose Games sind in der Anmutung manchmal etwas langweilig. - © cobis

Ein heißes Match? Purpose Games sind in der Anmutung manchmal etwas langweilig. © cobis

Hamburg. Auf den ersten Blick ist ARTigo ein normales Browser-Spiel. Die Nutzer bekommen Kunstwerke vorgesetzt und müssen sie möglichst treffend beschreiben. Bei der "Friedhofsmauer" von Alfred Kubin etwa fliegt ein geflügeltes Wesen bedrohlich heran. Dort passen Begriffe wie Fledermaus, Symbolismus, Nacht, Schwarz, welche der Spieler eintippt.


Was ihm aber noch keine Punkte einbringt. Denn erst muss ein zweiter Spieler, der dasselbe Kunstwerk auf dem Bildschirm hat, übereinstimmende Schlagworte eingeben. Pro Übereinstimmung erhalten beide Spieler 25 Punkte, in früheren Runden gefundene Schlagworte werden immerhin noch mit fünf Punkten belohnt. Die Monatsbesten erscheinen dann in einer Rangliste. Im Mai lag "Tomatenfisch" vorne, ein sehr fleißiger Spieler, der über 35.000 Punkte gesammelt hat.

Normalerweise dienen Online-Spiele dem Zeitvertreib oder dem Austausch mit anderen. Hinter ARTigo steckt aber ein ganz bestimmtes Ziel: der Aufbau einer Kunstsuchmaschine. Um eine digitale Bilddatenbank zu verschlagworten, muss nämlich jedes Werk einzeln beschrieben und die Beschreibung dann eingegeben werden - eine langsame und teure Prozedur.

Das Institut für Kunstgeschichte in München lässt daher die Rembrandts oder Liebermanns von Nutzern verschlagworten - Schwarm-Arbeit im Rahmen des Spiels. Über zehn Millionen so genannte Annotationen sind dabei schon zusammengekommen. Die von Laien erweiterte Datenbank enthält auch neue Einsichten für die Forschung. Das Spiel verrät viel darüber, wie Kunst überhaupt wahrgenommen wird.

ARTigo ist ein so genanntes "Purpose Game", eine besondere Sorte von Spielen. Das Spielen ist dabei immer an einen bestimmten Zweck gebunden. Denn viele Aufgaben können vom Computer nicht gelöst werden. Er benötigt dazu die Fähigkeiten und das Wissen von Menschen. An sich eine simple Idee, erklärt Rainer Malaka vom Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik an der Universität Bremen: "Wir lassen Menschen das machen, was sie besser können als Computer. Und damit sie das Ganze auch noch freiwillig tun, werden die Aufgaben in ein Spiel verpackt."

Die Forscher in Bremen haben schon eine Reihe von Spielen programmiert. Bei Webpardy - angelehnt an eine US-Quizshow aus den Sechziger Jahren - werden Ausschnitte von Internet-Seiten gezeigt. Die Spieler tippen ein, welche Frage der Ausschnitt beantwortet, zum Beispiel "Wer ist Präsident der USA?", wenn Barack Obama zu sehen ist. Das Ziel: Suchmaschinen mit den gesammelten Daten zu füttern, damit sie dann bessere Ergebnisse ausspucken.

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Dokument erstellt am 2013-06-04 16:23:06
Letzte Änderung am 2013-06-18 16:50:42


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