• vom 08.09.2014, 11:27 Uhr

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Update: 08.09.2014, 12:57 Uhr

Funkausstellung

Die IFA der Vernetzung




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  • Internet-Dienste prägen Elektronik-Neuheiten und große Konzerne nutzen die Funkausstellung als Bühne für große Produktankündigungen.

Berlin. Der Europachef des japanischen Elektronikriesen Panasonic griff zum IFA-Start zu drastischen Worten: "Für mich ist das TV, so wie wir es aus dem letzten Jahrhundert kennen, tot." Natürlich brachte die Firma von Laurent Abadie auch heuer zur Funkausstellung jede Menge neuer Fernseher mit, aber was er meint, ist ein fundamentaler Wandel, der sich durch alle Bereiche des Elektronik-Geschäfts zieht.

Ob im Wohnzimmer oder auf dem Smartphone: Internet-Dienste übernehmen die Hauptrolle. Früher reichte es für die Hersteller von Unterhaltungselektronik, einfach nur gute Geräte auf den Markt zu bringen. Es gab technische Innovationen, mal hatte der eine die Nase vorn, mal der andere - aber insgesamt war es ein gut behütetes Geschäft, in dem man in der Branche unter sich war. Dann kamen die Fernseher und andere Geräte mit Internet-Anschluss.



Information

Stichwort: 90 Jahre IFA - Vom Detektor zum Smartphone
Die IFA wird in diesem Jahr 90 Jahre alt und ist damit eine der ältesten deutschen Industriemessen. Die 54. Auflage startete am 5. September an den Start. Erstmals öffnete die Funkausstellung am 4. Dezember 1924 ihre Pforten, damals im Haus der Funkindustrie auf dem heutigen Berliner Messegelände.

Damals zeigten die 268 Aussteller Röhrenempfänger und Detektoren, das waren einfache Empfangsgeräte für Radiosendungen. Es kamen mehr als 170.000 Besucher. Im Jahr 2013 wurden 240.000 gezählt.

Die IFA ist einer der größten Branchentreffs der Unterhaltungs-und Kommunikationselektronik. Seit 2008 sind auch Elektrohausgeräte wie Geschirrspüler und Staubsauger zu sehen. Auf der seit 2005 wieder jährlichen Messe ordert der Handel vor allem für das Weihnachtsgeschäft.

Die Geschichte der IFA spiegelt die Entwicklung der Unterhaltungselektronik wider. 1926 gab es die erste Live-Rundfunksendung vom Messegelände. 1928 wurden die ersten Fernsehgeräte vorgestellt. Von 1933 bis 1939 propagierten die Nazis auf der IFA ihre Volksempfänger. Bis zum Zweiten Weltkrieg fand die IFA jährlich statt, ab 1950 alle zwei Jahre an verschiedenen Orten, seit 1971 ist sie wieder in Berlin.

Anfang der 60er-Jahre begann der Kassettenrekorder seinen Siegeszug. 1967 startete der damalige Vizekanzler und spätere Bundeskanzler Willy Brandt auf der Funkausstellung das Farbfernsehen in Deutschland. Mitte der 70er-Jahre wurden kabellose Fernbedienungen zum Renner.

Weitere Höhepunkte waren der Videotext 1977, die Compact Disc (CD) ab 1981, digitale Kameras 1997, die ersten Flachbildschirme 2001 und Navigationsgeräte 2007. Seit zehn Jahren erobern mobile Computer, vom Laptop bis zum Smartphone, die Welt. Die Bildschirme werden größer, ihr Bild schärfer. Fernsehen und Internet wachsen zusammen.

"Smart" ohne Internet
Erst wussten die Verbraucher noch nicht so recht etwas damit anzufangen. Die Branche beklagte regelmäßig, dass ein Großteil der "smarten" TV-Geräte gar nicht ans Netz angeschlossen sei. Die Kunden beschwerten sich über eine zu komplexe und träge Bedienung, die den angeblich nahtlosen Wechsel zwischen klassischem TV und Internet-Diensten in der Realität hakelig machte. Doch inzwischen geht das Fernsehen den Weg des Smartphones: Apps kommen in den Mittelpunkt, die Bedienungs-Hoheit wandert von der Menüführung des Hardware-Herstellers zu den Online-Diensten.


"Streaming wird den gesamten Medienmarkt revolutionieren", sagt Medienexperte Klaus Böhm von der Beratungsfirma Deloitte. Ein Beispiel ist das Tempo, mit dem Online-Dienste wie Spotify den Musikmarkt aufrollen und auch auf das Geschäft der HiFi-Hersteller durchschlagen. Für immer mehr Verbraucher wird es wichtiger, über das Netz auf ihre Song-Listen zuzugreifen, als die bestmögliche Qualität von einer CD zu bekommen.

Netflix und die Diskussionen
Kurz nach der IFA wird der US-Videodienst Netflix nach Deutschland kommen - und trifft hier bereits auf einen hart umkämpften Markt. Nach Schätzungen von Deloitte werden Medienanbieter ihre Umsätze mit Video-Inhalten auf Abruf bis 2020 fast vervierfachen. Panasonic-Mann Abadie bereitet sich auf diese Zukunft vor. Der japanische Konzern kooperiere verstärkt mit Internet-Unternehmen und halte ein Auge stets auf mögliche Übernahmen.

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Dokument erstellt am 2014-09-08 11:29:40
Letzte Änderung am 2014-09-08 12:57:56


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