• vom 19.05.2016, 21:37 Uhr

Digital-News

Update: 20.05.2016, 12:44 Uhr

Facebook

Die Plattmacher aus Menlo Park




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Von Adrian Lobe

  • "Kuratoren" sind bei Facebook die Blattmacher der größten personalisierten Zeitung der Welt.

Facebook-Chef Zuckerberg auf einer Entwicklerkonferenz: Sein Konstrukt ist unter Beschuss. - © corbis

Facebook-Chef Zuckerberg auf einer Entwicklerkonferenz: Sein Konstrukt ist unter Beschuss. © corbis

Wien. Rund 600 Millionen Menschen konsumieren jede Woche News auf Facebook. Der Online-Konzern wird damit, ohne dass er selbst Inhalte produziert, sondern nur auf diese verlinkt, zu einem der mächtigsten Medienakteure der Welt. Facebook-Chef Mark Zuckerberg gab schon vor Jahren die Maxime aus, Facebook zur "besten personalisierten Zeitung der Welt" zu machen. Für Verlage ist Facebook ein zweischneidiges Schwert: Einerseits können sie durch Kooperationsmodelle wie Instant Articles ihre Reichweite und Anzeigenerlöse steigern. Andererseits begeben sie sich in Abhängigkeit und drohen zu namenlosen Zulieferern des Nachrichtengeschäfts zu werden. Denn die eigentlichen Blattmacher sitzen in Menlo Park.

Wenn Facebook an seinen Newsfeed-Algorithmen dreht, kann das massive Auswirkungen auf den Traffic von Nachrichtenseiten haben. So brach der Traffic der "Huffington Post" laut der Analytics-Firma Similar Web im Zeitraum zwischen Januar und September 2015 um 60 Prozent ein. Dass der Leserzustrom versiegte, lag offensichtlich an einer Modifikation des Algorithmus.


Facebook kanalisiert aber nicht nur den Nachrichtenstrom, sondern filtert auch Inhalte. Im Sommer 2015 verfolgte die Soziologin und Bloggerin Zeynep Tufekci die Unruhen in Ferguson. Während ihre Twitter-Feeds vor Berichten überquollen, las sie auf ihrer Facebook-Timeline nichts von den Protesten - obwohl sie mehrere Nachrichtenseiten geliked hatte. Stattdessen zeigte ihr Facebook Einladungen zur Ice Bucket Challenge. Erst am nächsten Tag erfuhr sie auf Facebook von den Ereignissen. Facebooks Algorithmen bestimmten autoritativ, was Tufekci zu interessieren hatte. Der Hüter dieses Algorithmus ist Greg Marra, ein jugendhaft wirkender Nerd mit Bubi-Haarschnitt und Schlabberpulli, der sich auf der Karriereplattform LinkedIn mit den Worten präsentiert: "Ich bastele gerne Apps und Roboter." Doch der Produktmanager ist mächtiger als jeder Chefredakteur. Greg Marra und sein Team bestimmen mit ihren Codes, welche Inhalte relevant sind.

Trump benachteiligt
Jede Änderung des Newsfeed-Algorithmus ist im Grunde wie eine Redaktionskonferenz einer Zeitung: Was interessiert die Leser? Was kommt ins Blatt? Der entscheidende Unterschied ist, dass Facebook faktisch eine Millionenauflage hat und Informationen nicht nach Relevanz, sondern nach ökonomischer Verwertbarkeit selektiert. Der Algorithmus ist eine Black Box, ein wohlgehütetes Betriebsgeheimnis. Auf mehrfache Anfragen hat Marra nicht geantwortet.

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Schlagwörter

Facebook, Medien, Digital

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Dokument erstellt am 2016-05-19 21:41:04
Letzte Änderung am 2016-05-20 12:44:05


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