• vom 09.05.2018, 10:10 Uhr

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Update: 09.05.2018, 14:10 Uhr

Google I/O

Wenn Sprachassistenten automatisch Termine ausmachen




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Von WZ Online, APA, dpa

  • Google kann Sprachassistenten Anrufe erledigen lassen.

Google CEO Sundar Pichai bei seiner Keynote auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz Google I/O 2018. - © APAweb/AFP/Getty Images, Justin Sullivan

Google CEO Sundar Pichai bei seiner Keynote auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz Google I/O 2018. © APAweb/AFP/Getty Images, Justin Sullivan

Mountain View. Google arbeitet daran, seine sprechende Assistenzsoftware Anrufe für die Nutzer erledigen zu lassen. Google-Chef Sundar Pichai spielte bei der Entwicklerkonferenz Google I/O am Dienstag Aufzeichnungen von zwei Telefongesprächen vor, die vom Google Assistant vollautomatisch mit Menschen geführt wurden. Dabei ging es darum, einen Termin beim Friseur und einen Tisch in einem Restaurant zu reservieren.

Während das Gespräch beim Friseur trotz einer etwas umständlichen Suche nach einem passenden Termin eher reibungslos verlief, musste die Software im Restaurant unerwartete Komplikationen bewältigen. So missverstand die Frau am anderen Ende der Leitung zunächst, um wie viele Personen und welchen Tag es ging - und dann stellte sich auch noch heraus, dass das Restaurant erst Reservierungen ab einer Gästezahl von fünf Personen annimmt. Der Assistant fragte daraufhin nach den üblichen Wartezeiten an einem Mittwoch.

Information

Ankündigungen der Google I/O auf einen Blick

ANDROID: Das meistbenutzte Smartphone-Betriebssystem bekommt eine neue Bedienung. Die drei Tasten am unteren Bildschirmrand weichen in der nächsten Version Android P einer Wischgeste, ähnlich wie bei Apples iPhone X. Künstliche Intelligenz soll vorhersehen, welche Apps und Funktionen Nutzer als nächstes aufrufen werden. Auf dieser Basis soll auch ein cleveres Management der Hardware-Leistung und Display-Helligkeit Strom sparen. Neu sind Funktionen für das "digitale Wohlbefinden" - damit ist gemeint, dass Menschen es mit der Technik-Nutzung nicht übertreiben sollten. Dafür werden sie auf einen Blick sehen, womit sie ihre Zeit auf dem Smartphone verbringen, die Nutzung einzelner Apps zeitlich begrenzen und einfacher in den "Nicht-Stören"-Modus gehen können. In einer Beta-Version steht Android P für Nutzer ausgewählter Smartphones bereits zur Verfügung.

GOOGLE ASSISTANT: Google demonstrierte zwar, wie die Software Nutzern Anrufe im Restaurant oder Friseursalon komplett abnehmen kann, die "experimentelle" Funktion ist aber noch nicht bereit für den Massenmarkt. Schon jetzt gibt es aber sechs neue Stimmen, in der englischsprachigen Version unter anderem von Sänger John Legend. Zudem soll der Assistant neben der Kommunikation per Sprache mehr Informationen im Display einblenden. Damit Kinder sich durch das Herumkommandieren der Software nicht einen rüden Umgangston angewöhnen, wird der Assistant sie loben, wenn sie höflich zu ihm sind und "bitte" sagen.

GOOGLE MAPS: Die Weghinweise können künftig auf dem Smartphone-Bildschirm direkt in das Livebild der Kamera eingeblendeten werden, um die Navigation zu erleichtern. In einer verspielten Version des Programms gibt es einen animierten Fuchs, der den Weg zeigt und dem man einfach folgen muss. In den Karten sollen auch bei anderen Nutzern populäre Geschäfte und Restaurants empfohlen werden - Googles Angriff auf Empfehlungs-Dienste wie Yelp.

 GOOGLE PHOTOS:
Die Software kann nun auf Knopfdruck auch falsch belichtete Bilder retten - und auch alte Schwarz-Weiß-Fotos farbig machen. Die Bilderkennungs-Funktion "Lens" kann künftig Text direkt digitalisieren, wenn man die Kamera darauf hält - und genauso auch nach Objekten wie Anziehsachen shoppen lassen.

GOOGLE NEWS: In einer überarbeiteten Version der Nachrichten-App sollen Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz sortiert werden. Zu einzelnen Themen werden mehr Informationen gebündelt angezeigt. Und Nutzer werden Bezahl-Angebote direkt in der App abonnieren können.

KI und Suchmaschine

Die Funktion sei noch in Entwicklung, betonte Pichai. Er machte keine Angaben dazu, wann sie für Nutzer verfügbar sein wird. Google konkurriert mit seinem Assistant mit ähnlicher Software wie Amazons Alexa und Apples Siri. Der Internet-Konzern will dabei von Stärken bei künstlicher Intelligenz und dem Wissen seiner Suchmaschine über die Welt profitieren.

Schon jetzt soll der Google Assistant verstärkt nicht nur per Sprache kommunizieren, sondern auch zusätzliche Informationen auf dem Bildschirm anzeigen. Google nennt die vernetzten Lautsprecher mit zusätzlichem Bildschirm "Smart Displays". Zum Juli sollen solche Geräte von Marken wie LG, Lenovo oder JBL auf den Markt kommen. Der Vorteil sei zum Beispiel, dass man über die Lautsprecher mit Displays auch direkt Videos etwa bei YouTube ansehen oder Videochats starten könne, sagte Produktmanagerin Lilian Rincon.

Zugleich könnte Google mit einer stärkeren Einbindung der Bildschirme das Problem lösen, dass es bei reinen Sprachassistenten keinen Platz zur Anzeige von Werbung gibt - die nach wie vor den Großteil des Konzerngeschäfts ausmacht. Auch auf dem Smartphone soll der Google Assistant mehr visuelle Informationen anzeigen, hieß es.

Google will Nutzer mit künstlicher Intelligenz vom Smartphone lösen

Google will seinen Nutzern mehr smartphonefreie Zeit verschaffen und setzt dafür immer stärker auf künstliche Intelligenz für die Erledigung von Routineaufgaben. So soll der Google Assistant künftig täuschend echt klingende Anrufe etwa für Reservierungen in einem Restaurant übernehmen können, wie Google-Chef Sundar Pichai am Dienstag ankündigte.

Google habe die Vision, "dabei zu helfen, Dinge zu erledigen", sagte Pichai auf der jährlichen Entwicklerkonferenz des US-Internetriesen im kalifornischen Mountain View. "Viele von uns fühlen sich wie angekettet an unsere Telefone und sorgen sich darum, was sie verpassen könnten, wenn sie nicht verbunden sind", sagte Pichai. "Wir wollen Menschen helfen, die richtige Balance zu finden und ein Gefühl für ihr digitales Wohlbefinden zu gewinnen."

Spontanität und Füllwörter

In den Augen von Google ist die Lösung für viele der zu erledigenden Dinge dabei ein simpler Telefonanruf. Diese Anrufe soll der Google Assistant - das digitale Sprachassistenzsystem des Konzerns - künftig mit einer menschlich klingenden Stimme erledigen, wenn Nutzer ihn dazu auffordern.

Pichai spielte bei der Konferenz eine Aufnahme ab, die einen Anruf des Assistenzsystems bei einem Friseur und in einem Restaurant wiedergab - inklusive "Ähms" und weiterer spontansprachlicher Füllwörter. Die Angerufenen waren sich dabei offenbar nicht bewusst, eine künstliche Intelligenz am Hörer zu haben.

Google zufolge sollen durch Aufgaben wie diese die Nutzer von alltäglichen Pflichten entlastet werden. Technologie könne positive Kräfte entfalten und die Lebensqualität von Milliarden Menschen verbessern, sagte Pichai. Gleichwohl dürfe das Unternehmen auf seine Schöpfungen nicht nur mit "weit aufgerissenen Augen" blicken, sondern müsse Verantwortung übernehmen.

Die großen Internetkonzerne des Silicon Valley sehen sich derzeit nicht zuletzt wegen des Datenmissbrauchskandals bei Facebook sowie der Debatte über die Verbreitung von Gewalt- oder Hassbotschaften über Internetplattformen wachsender Kritik ausgesetzt.

Für sein Nachrichten-Portal Google News stellte Google auch angesichts dessen Neuerungen vor, die ebenfalls auf künstlicher Intelligenz basieren. Die Algorithmen sollen künftig dabei helfen, vertrauenswürdige Quellen für Inhalte aufzuspüren und verschiedene Blickwinkel auf Nachrichtenereignisse zu präsentieren, um dadurch ein ausgewogenes Bild zu schaffen.

Außerdem stellte Google eine Reihe weiterer Neuerungen vor, die Nutzer nach Angaben des Konzerns vom Smartphone-Bildschirm lösen können: So sollen Video-Konsumenten über YouTube künftig via Pop-up-Nachrichten zu Pausen animiert werden und Nutzer des Smartphone-Betriebssystems Android einen neuen "Bitte nicht stören"-Modus bekommen, der aktiv wird, sobald das Handy mit dem Bildschirm nach unten abgelegt wird.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-09 10:12:13
Letzte Änderung am 2018-05-09 14:10:09


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