• vom 09.10.2018, 18:01 Uhr

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Update: 09.10.2018, 18:16 Uhr

Social Media

Der letzte Sargnagel




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Von Anja Stegmaier

  • Das Datenleck war nur Auslöser, nicht Ursache, um das Online-Netzwerk Google+ zu schließen. Social-Media-Experte Henk Van Ess sieht eine Reihe von verpassten Chancen und Irritationen der Plattform.



Google+ wird man bald nicht mehr finden.

Google+ wird man bald nicht mehr finden.© dpa/Tobias Hase Google+ wird man bald nicht mehr finden.© dpa/Tobias Hase

Mountain View/Wien. Einige wenige sahen Google+ als soziales Netzwerk ohne abertausende Hasskommentare, Clickbait-Müll und ausufernder Werbung. Viele andere würden sagen, es war so schön ruhig dort - weil einfach keiner da war.

Nachdem bekannt geworden war, dass zwischen 2015 und März 2018 eine Sicherheitslücke bestand, von der bis zu 500.000 Nutzer betroffen sein sollen, machte Google-Mutter Alphabet Anfang der Woche publik, sein soziales Netzwerk für Privat-Nutzer zu schließen. Nun stellt sich die Frage: Wer kann Marktführer Facebook, der 2,34 Milliarden Nutzer hat, 1,47 Milliarden davon sind jeden Tag auf der Plattform aktiv, eigentlich das Wasser reichen - wenn es die meistbesuchte Website und Suchmaschine der Welt schon nicht schafft?

Genau das sei der Grund für das Scheitern gewesen, sagt Henk Van Ess im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Weil man denkt, man ist so großartig und mächtig, glaubt man, man kann mit Ressourcen und viel Geld ein besseres Facebook auf dem Reißbrett schaffen", sagt der niederländische Social-Media-Trainer. "Man hat eine Lösung angeboten, für ein Problem, das die meisten Leute schlicht nicht haben", erklärt Van Ess. Denn es gibt bereits soziale Medien und viele Möglichkeiten für Menschen, online in Kontakt zu treten. "Google hat den Usern nicht zugehört, nicht geschaut, welches Problem die Leute haben, was sie wollen, wenn sie in einem sozialen Netzwerk aktiv sein wollen."

Dabei muss man Google+ schon lassen, dass es einige Vorteile gab: Cleanes Interface, gute Suchfunktion und weniger Werbung als beim Konkurrenten Facebook.

Die Plattform verschwindet außerdem nicht ganz von der Bildfläche, sondern bleibt für die interne Kommunikation von Unternehmen weiterhin bestehen.

Denn auch das hat gut funktioniert: Google stellt den Server für Betriebs-E-Mails bereit und bietet den Unternehmen im Zuge viele Apps an. Der Internet-Riese verkaufte Unternehmen auch seine Suchtechnik, die im unternehmensinternen Netz dieselbe Aufgabe übernimmt, die Google für das Internet leistet.

Das soziale Netzwerk hatte überdies eigentlich sämtliche Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. So machte Google jeden Nutzer eines Gmail-Accounts automatisch zum Google+-Mitglied - was die Zahl von 2,2 Milliarden Google+-Profilen erklärt. Aber genau diese Art der eher unfreiwilligen Mitgliedschaft hat wohl auch viele Nutzer irritiert. Auf vielen Android-Geräten war die App des Netzwerks ebenso vorinstalliert.

Auch über die Google-Tochter YouTube versuchte man, Nutzer zu gewinnen. Denn ohne einen Google+-Account konnte man sich bei dem Videoportal nicht registrieren. Das soziale Netzwerk sitzt deshalb auf einem Datenschatz von E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Fotos bis hin zum Beziehungsstatus. Deshalb ist die Sicherheitslücke genauso ernst zu nehmen wie bei Facebook - auch wenn die Nutzer auf Google+ kaum aktiv waren.




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Dokument erstellt am 2018-10-09 18:12:36
Letzte Änderung am 2018-10-09 18:16:54


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