• vom 24.08.2018, 07:30 Uhr

Spielplatz


Gamescom

Computerspielen für die Massen




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Von Alexander U. Mathé aus Köln

  • Quer durch alle Altersgruppen und Schichten wird gezockt. Ein Besuch bei der Gamescom.


© Koelnmesse/Harald Fleissner © Koelnmesse/Harald Fleissner

Köln. Wer schon einmal das strukturierte Gewusel eines aufgeregten Ameisenhaufens bewundert hat, wird vor der Gamescom niederknien. Nicht ein Fleckchen Boden war auf den zigtausenden Quadratmetern in der Messe Köln zu sehen. 500.000 Besucher wurden diese Woche zur größten Computerspielschau der Welt erwartet. Wer die Horden sah, wusste, dass die Erwartungen nicht zu hoch gegriffen waren. Alles ohne Mord und Totschlag, alles zielgerichtet und ohne sich über den Haufen zu laufen.

Gaming ist längst ein Massenphänomen. Die Besucher, die sich durch die Hallen schoben, zeigen einen Querschnitt der Bevölkerung. Hier sind Menschen, die als Spielfiguren wie Lara Croft verkleidet sind, Studenten in Ruderleiberl und wichtig wirkende Leute mit Anzug oder Kostüm. Frauen gleichermaßen wie Männer. Hier sind Fünfjährige, dort 60-Jährige, offensichtlich Arbeitslose und Manager. Sogar die Bundeswehr ist da. Unter dem fragwürdigen Motto "Multiplayer at its best", präsentieren die Soldaten in voller Montur im Pulk von Kriegsspielen wie "Battlefield" oder "Operation Black Ops" eine Art Leistungsschau.

Einige Besucher kamen in aufwendigen Verkleidungen.

Einige Besucher kamen in aufwendigen Verkleidungen.© ap/Meissner Einige Besucher kamen in aufwendigen Verkleidungen.© ap/Meissner

Natürlich spricht die halbe Million Messebesucher für sich, wenn es darum geht, einzuschätzen, welchen Stellenwert Computerspielen inzwischen hat. Zum Vergleich: Die andere bekannte deutsche Messe, die Frankfurter Buchmesse, schaffte vergangenes Jahr nicht einmal 300.000 Besucher. Aber auch das Verhalten der Messebesucher spricht Bände: Eine Stunde und mehr anstellen, nur um als einer der Ersten eines der beliebten Top-Spiele für ein paar Minuten ausprobieren zu dürfen. Zur Zeit kommt das Geld hinzu: Über den Daumen 20 Euro für ein Tagesticket. Spielen ist in, Spielen greift weiter um sich.


Spieler werden älter
Die Zocker werden nicht nur immer mehr, sondern auch immer älter. In Deutschland stieg das Durchschnittsalter der Videospieler von zuletzt 35,5 Jahren auf 36,1 Jahre. Stark im Kommen sind die sogenannten Silver Gamer. Generation 50 plus. Menschen, die nicht mit Computerspielen aufgewachsen sind und diese jetzt für sich entdecken.

"Kann ich das auch offline spielen?", fragt Andrea. Den Italiener Mitte 40 interessiert ein Spiel für die Konsole Nintendo Switch. Die ist kleiner als ein Tablet, größer als ein Handy und stark im Aufwind. 20 Millionen Stück wurden davon seit Einführung im März 2017 bereits verkauft. Ob seiner Handlichkeit kann man es wie das Handy bei sich führen. Der kleine Kasten kann aber auch an den Fernseher angeschlossen werden und bietet dort Spiel-Feeling im Großformat.

Switch schließt eine Lücke. Denn am meisten spielen die Menschen auf dem Handy. Wer sich in der Straßenbahn oder in den Büropausen die Zeit vertreiben will, braucht etwas Handliches, das er bei sich tragen kann. So auch Andrea, der sich nach Spielen für seine Geschäftsreisen umsieht. Da aber Switch auch auf dem großen Bildschirm gespielt werden kann, und somit für beide Welten geeignet ist, entwickeln immer mehr Publisher ihre Spiele neben den Standards PC, Playstation und Xbox nun auch für Switch. Das Fußballspiel "Fifa 19" wird es etwa für Switch geben.

Verkaufshit sind aber die millionenfach verkauften Jump-’n’-Run-Klassiker der Mario-Bros-Reihe. Dies letztlich auch, weil man naturgemäß leistungsmäßig der Playstation hinterherhinkt und sich die Entwickler noch nicht über die ganz großen Spiele wagen. Doch Nintendo arbeitet angeblich bereits an einer stärkeren 4K-Version der Switch.

Aufbaufans müssen warten
Mehr Eindruck machen aber auf der Gamescom die aufwendigeren Computerspiele, die kurz vor dem Erscheinen stehen. Zu den verheißungsvollsten Titeln gehören bei den Ego-Shootern "Battlefield V" (ab Oktober erhältlich) und "The Division 2" (März 2019). Ebenfalls bereits im Oktober erscheint "Odyssey" der Action-Adventure-Reihe "Assassin’s Creed". Bei den Sportspielen punkten die ewigen Rivalen Fifa 19 (Ende September) und Pro Evolution Soccer (28. August). Noch bis nächstes Jahr gedulden müssen sich Fans von Aufbau-Strategiespielen. Der Release von "Anno 1800" ist für Ende Februar angesetzt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-23 17:47:49
Letzte Änderung am 2018-08-23 19:53:59


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