• vom 06.09.2018, 16:30 Uhr

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Update: 07.09.2018, 09:29 Uhr

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Mit VR gegen sexuelle Belästigung




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  • Trainingsprogramm versetzt Mitarbeiter in Situation, in der Kollegin bedrängt wird.

Wien/San Francisco. (reu/dab) Drei Männer und eine Frau sind in einem Bürozimmer. Die Gruppe spricht über eine geplante Konferenz in Las Vegas. Die Männer scherzen über die After-Work-Partys, Jacuzzis und Wodka. Die Frau will das Thema wieder auf die Firmenpräsentation lenken. Plötzlich greift der Boss nach ihrem Arm und sagt: "Rachel, eine wichtige Sache: Vergiss’ nicht, es wird Partys geben, pack also auch was . . . Passendes . . . ein." Rachel zieht den Arm zurück. Sie fühlt sich unwohl.

Wenn Sie in diesem Arbeitszimmer stehen würden, diese Menschen ihre Arbeitskollegen wären - wie würden Sie reagieren? Mit solchen Fragen werden Mitarbeiter in einem auf Virtual Reality (VR) gestützten Trainingsprogramm konfrontiert, mit dem sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz bekämpft werden sollen. Sie setzen dazu eine VR-Brille auf, die entsprechende Situationen mit echten Menschen simuliert, auf die unterschiedlich reagiert werden kann.


Mehrere Möglichkeiten
Im Fall des Trips nach Las Vegas können die Mitarbeiter in der Simulation zwischen vier Antworten wählen, darunter "Rachel fragen, wie sie damit umgehen will", oder "An die Personalabteilung melden". Je nachdem, wie man antwortet, entwickelt sich das Szenario weiter, es kann etwa eskalieren. Wer unsensibel ist, erhält in der virtuellen Realität einen Anruf, in dem erklärt wird, was man falsch gemacht hat.

"Um jemandem Gefühle zu vermitteln, muss man ihn direkt in eine Situation hineinversetzen. Es gibt keinen besseren Weg", sagt Morgan Mercer. Sie hat 2017 ihr Unternehmen Vantage Point in San Francisco gegründet und das Trainingsprogramm erfunden.

Ihre Motivation: Mercer ist selbst zweimal Opfer von sexueller Gewalt geworden. Sie will nun verhindern, dass das auch anderen passiert. Die Thematik ist von größter Relevanz: 25 Prozent der Frauen in den USA und mehr als 50 Prozent in Großbritannien haben in Umfragen angegeben, dass sie in der Arbeit schon einmal belästigt wurden.

Im heurigen Juli haben die ersten VR-Kurse in zwölf Unternehmen stattgefunden. "Die Mitarbeiter sollen erkennen, wann sich jemand unwohl fühlt, was unangemessen ist und wann und wie einzugreifen ist", so Mercer.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 17:26:56
Letzte Änderung am 2018-09-07 09:29:15


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