• vom 14.09.2018, 06:30 Uhr

Spielplatz


Tomb Raider

Die Lara der Apokalypse




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Von Daniel Bischof und Alexander U. Mathé

  • Der neue Tomb-Raider-Titel im Test.

Im Laufe der Geschichte trifft Lara auf indigene Völker . . .

Im Laufe der Geschichte trifft Lara auf indigene Völker . . . Im Laufe der Geschichte trifft Lara auf indigene Völker . . .

Wien. Manchmal lässt man das Messer besser stecken. Auch wenn man eine Heldin ist. Verlockend sieht sie ja aus, die schmucke Klinge, vor der Lara Croft nach einer Reihe waghalsiger Stunts und gelöster Rätsel endlich im Maya-Tempel steht. Die Wandmalereien über eine drohende Apokalypse lassen zwar ahnen, dass Vorsicht geboten ist. Doch Lara lockert das Messer aus der Halterung und zieht es einfach hinaus. Das Unheil ist losgetreten, die erste Katastrophe bricht herein: Das mexikanische Dorf neben dem Tempel wird von einem Tsunami heimgesucht und buchstäblich ausgelöscht.

Für nichts weniger als die Apokalypse ist Lara Croft im heute, Freitag, erscheinenden "Shadow of the Tomb Raider" verantwortlich. Das Spiel bildet den Abschluss der "Origins"-Tomb-Raider-Triologie von "Square Enix", die Lara Croft nicht mehr als Sexsymbol in knappen Hosen wie in den 1990ern darstellt, sondern als nachdenkliche und junge Abenteurerin, die ihren Platz in der Welt sucht.


Wobei: Manchmal erinnert das Verhalten von Lara an eine dissoziale Persönlichkeitsstörung. Das zerstörte Dorf und seine Opfer sind schnell vergessen, muss doch unbedingt das mystische Messer wiederbeschafft werden, das Lara im Zuge der Naturkatastrophe an ihren bösen Widersacher verloren hat. Und kaum erdrosselt sie einen Wachmann brutal mit ihrem Bogen, sitzt sie schon bald mit treuherzigem Blick am Lagerfeuer und sinniert über das Leben.

Jagd nach
der Schatulle

. . . und erkundet Höhlen.

. . . und erkundet Höhlen.© shot/Square Enix . . . und erkundet Höhlen.© shot/Square Enix

Letztlich will Lara aber auch alles wiedergutmachen. Das ist nur möglich, indem ein zweites Artefakt, eine silberne Schatulle, gefunden wird. Nur mit ihr kann die losgetretene Apokalypse noch gestoppt werden. Wo genau das Artefakt sich befindet, ist nicht bekannt, man weiß nur, dass es in Peru ist. Hinzu kommt, dass nicht nur Lara danach sucht, sondern auch ihr Erzrivale, die finstere Geheimorganisation Trinity.

Zunächst geht es also mit dem Flugzeug nach Peru, das mitten im Regenwald abstürzt. Lara muss sich mit ihrem Begleiter Jonah durch den Dschungel kämpfen. Unter anderem muss sie den Zweikampf mit einem Jaguar bestehen. Danach geht es in ein peruanisches Dorf, wo Lara in einer Bar erzählt bekommt, sie solle sich doch einmal in einem nahe gelegenen Tempel umschauen. Solche alten Tempelanlagen und Ruinen wird Lara im Spielverlauf noch öfters erkunden. Dort sind Rätsel zu lösen und waghalsige Mauern und Felswände zu erklimmen.

Daneben stößt Lara bei der Jagd nach der Schatulle auch auf indigene Völker, Sekten und größenwahnsinnige Herrscher. Trotz all der unterschiedlichen Akteure und Wendungen erinnert die Handlung sehr an den Vorgänger-Teil "Rise of the Tomb Raider", der zwar in Sibirien spielt, dramaturgisch aber ähnlich aufgebaut ist.

Filmreife
Zwischensequenzen

Die flotte Inszenierung verhindert, dass Langeweile aufkommt. Durch die zahlreichen Zwischensequenzen fühlt man sich wie in einem Film, denn Laras Augenaufschlag, ihre angenehme Stimme oder ihre geschmeidigen Bewegungen lassen vergessen, dass es sich um ein Computerspiel handelt. Das liegt auch am Motion Capture, einer Technologie, mit der die Bewegungen und die Mimik von Schauspielern erfasst und auf eine digitale Figur übertragen werden. Lara Croft wird von der britischen Schauspielerin Camilla Luddington verkörpert.

Auffällig ist, dass "Shadow of the Tomb Raider" auf mehr Horrorsequenzen als seine Vorgänger setzt. Menschenopfer, Hinrichtungen, blutrünstige Sekten: Auf all das stößt Lara im Laufe des Spieles. Besonders gruselig wird es in einer alten Kirche, wobei nicht allzu viel verraten werden soll. Nur so viel: Zur Lösung der dortigen Rätsel sind Bibelkenntnisse von Vorteil. Die Rätsel und Klettereinlagen sind die großen Stärken des Spiels. Sie erfordern Grips und Fingerfertigkeit, sind abwechslungsreich und spannend zu lösen. Die Kampfszenen wirken manchmal überzeichnet. Einmal nimmt es Lara mit einer Division samt Kampfhubschrauber auf - aber so etwas ist in Spiel und Film nicht unüblich.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt.




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Dokument erstellt am 2018-09-13 18:09:10


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