• vom 11.10.2018, 17:22 Uhr

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Spieletest

Eine schöne Irrfahrt




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Von Daniel Bischof und Alexander U. Mathé

  • Nach einem spektakulären Start geht "Assassin’s Creed Odyssey" nach und nach die Luft aus.

Die größte Stärke des Spiels ist die grafisch beeindruckende Spielwelt. - © Ubisoft/WZ-Screenshots

Die größte Stärke des Spiels ist die grafisch beeindruckende Spielwelt. © Ubisoft/WZ-Screenshots

Im Laufe des Spiels geht es auch nach Athen.

Im Laufe des Spiels geht es auch nach Athen.© Ubisoft/WZ-Screenshots Im Laufe des Spiels geht es auch nach Athen.© Ubisoft/WZ-Screenshots

Wien. "Schreibst Du eine Geschichte über bekannten Stoff, so sollst Du dich nicht sklavisch an die Vorlage halten", rät der römische Dichter Horaz angehenden Autoren. Das Geheimnis einer guten Erzählung sei es, einen neuen Zugang zu finden, der trotz allem im Einklang mit dem alten Stoff steht. Den Tipp nahmen sich die Videospielentwickler von Ubisoft offensichtlich zu Herzen, als sie darangingen, den Spieler ins alte Griechenland zu führen.

"Assassin’s Creed Odyssey" ist gespickt mit Namen und Ereignissen aus dem antiken Griechenland und seiner Mythologie. Nur ist beispielsweise der Zyklop ein einäugiger Bandit oder die Titanin Phoibe ein quirliges Mädchen. Und auch die Geschichte selbst erinnert mit Patrizid, allerlei Verwechslungen und Rachegelüsten an ein Familiendrama à la Ödipus. Durch die wunderhübsche Spielwelt und die schönen Nachzeichnungen der damaligen Gegebenheiten fühlt man sich so ins klassische Altertum versetzt.


Die ersten zehn Spielstunden sind dann auch fesselnd. Los geht’s auf der kleinen Insel Kefalonia um 431 v. Christus. Der Peloponnesische Krieg ist im Gange, Sparta und Athen bekriegen sich bis aufs Blut. Inmitten dieser Wirren kann sich der Spieler aussuchen, ob er als Alexios oder Kassandra beginnt, beide sind Charaktere, die eine dunkle Vergangenheit belastet und verbindet.

Auf der idyllischen Trauminsel wird in das griechische Flair eingetaucht. Dafür sind allein schon die alten Griechen Garanten. Schon Horaz hatte erkannt: "Den Griechen hat die Muse die schöpferische Begabung und den Zauberfluss der Rede gegeben." So geben die Charaktere immer wieder simple griechische Sätzchen zum Besten, etwa: "Der ist nicht gut" oder "Hilfe", wenn sie gerempelt oder angegriffen werden. Schreitet man durch diese Sprachwolke, betrachtet man die detaillierten und hübsch animierten Landschaften und Städte, kommt Stimmung auf.

Monotone Aufgaben
Gemütlich werden zunächst die Spielmechaniken erklärt, langsam entfaltet sich sie Handlung. Man hilft einem alten Freund beim Kampf gegen einen Banditen und wird letztlich mit einem Schiff samt Besatzung belohnt, mit dem man die riesengroße Spielwelt erkunden kann. Vom kleinen Inselstreuner avanciert man zu einem Hauptakteur des Peloponnesischen Kriegs.

Das klingt nach einer vielsprechenden Reise - doch ist sie das nur anfangs. Die Spielwelt ist zwar riesig und schön, aber auch leer und monoton. Nur die ersten Inselreisen überzeugen, danach wird schnell klar: Überall gibt es die gleichen Aufgaben zu absolvieren: "Töte jenes Tier", "Erledige jenen Banditen", "Stehle diese Sache", "Suche jene Person". Das wird schnell fad, kaum eine Aufgabe bleibt in Erinnerung, dem Spiel geht die Luft aus.

Im Kontrast dazu steht die abwechslungsreiche Hauptgeschichte. Sie führt etwa nach Athen. Man wird mitten in Verschwörungen und einen Geheimbund hineingestoßen und trifft auf antike Persönlichkeiten - beispielsweise auf den Athener Staatsmann Perikles, der einen gleich für seine Zwecke einspannt.

Also einfach nur die Hauptgeschichte spielen? Das klappt leider nicht. Denn für jede neue Stufe der Haupthandlung muss der Spieler auch eine höhere Charakterstufe haben, die ihn stärker macht. Wagt er sich mit einer zu niedrigen Stufe an die Hauptmissionen, wird er von den Gegnern gnadenlos niedergemetzelt.

Wenig Erfahrungspunkte
Nun braucht man Erfahrungspunkte, um aufzusteigen. Diese erhält man durch das Absolvieren von Aufgaben und durch das Erkunden von Landschaften. Dafür gibt es aber nur wenige Punkte. Also muss man sich stundenlang durch die bereits erwähnten Missionen quälen, damit man bei der Hauptgeschichte weiterkommt.

Es geht auch schneller: mit schnödem Mammon. Ubisoft hat in das Spiel ein System integriert, über das man mit Echtgeld Erfahrungspunkte-Boosts kaufen kann. Macht man zusätzlich zu den circa 60 Euro für das Spiel noch ein paar Scheine locker, steigt man viel schneller auf.

Man kann das als geschäftstüchtig bezeichnen oder als eine geniale Erzählidee. Denn ohne Geld fühlt man sich wie Odysseus, der nach dem Krieg zehn Jahre braucht, um nach seiner Irrfahrt endlich an sein Ziel zu gelangen (auch wenn’s hier nicht so spannend ist). Alte Saga, kapitalistisch neu erzählt. Vielleicht wollte Ubisoft sich hier ja auch nur an Horaz’ Vorschlag halten.

Das Testmuster wurde der "Wiener Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt.Das Spiel ist am 5. Oktober erschienen.




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Dokument erstellt am 2018-10-11 17:33:41


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