• vom 24.02.2018, 09:00 Uhr

Geschichten


Medizingeschichte

Zauderer aus Gewissenhaftigkeit




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Von Brigitte Biwald

  • Vor 150 Jahren starb der Wiener Primarzt Ludwig Türck. Mit der Erfindung des Kehlkopfspiegels leistete er Vorarbeit für das neue Spezialfach Laryngologie.



Das Ludwig-Türck-Denkmal auf dem AKH-Areal.

Das Ludwig-Türck-Denkmal auf dem AKH-Areal.© Wikimedia commons Das Ludwig-Türck-Denkmal auf dem AKH-Areal.© Wikimedia commons

"Herr Türck kam eben immer zu spät." Diese Feststellung seines Rivalen Johann Nepomuk Czermak (1828-1873) kennzeichnet das ganze Forscherleben Ludwig Türcks. Bei seinen bahnbrechenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Neurologie kam der "Zauderer aus Gewissenhaftigkeit" mit seinen Veröffentlichungen manchmal um einige Tage zu spät. Den wissenschaftlichen Ruhm heimsten andere ein. Im Areal des AKH in Wien im Bereich der sogenannten Neuen Kliniken steht das Denkmal, das an Ludwig Türck erinnert.

Ludwig Türck wurde am 22. Juli des Jahres 1810 in Wien geboren. Er studierte Medizin im vormärzlichen Polizeistaat und schloss sein Studium am 27. Fe-bruar 1837 an der Wiener Universität ab. Anschließend unternahm er eine Studienreise nach Paris, um sein Wissen auf dem Gebiet der Neuropathologie zu erweitern. 1837 trat Türck als Sekundararzt ins Wiener Allgemeine Krankenhaus ein. Dieses entstand durch die Umgestaltung des Wiener Großarmenhauses in ein Groß-spital, das 1784 von Joseph II. als Hauptspital und als Allgemeines Krankenhaus unter der Direktion des Mediziners Joseph Quarin (1733-1814) mit vier medizinischen und zwei chirurgischen Abteilungen eröffnet worden war.

1848 bestanden bereits sieben medizinische und drei chirurgische Abteilungen, eine chirurgische Ambulanz, eine Augenkrankenabteilung, acht Kliniken, die Gebär- und Irrenanstalt, das Findelhaus, das Ammen- und Impfinstitut, die pathologische Anstalt und das pathologisch-chemische Labor.

Das Krankenhauszwischen den Fronten

Dreizehn Primarärzte führten die Stationen, unterstützt von 29Sekundarärzten, die rund 3000 Patienten betreuten. Ludwig Türck wurde als junger Sekundararzt mit allerlei Missständen konfrontiert. Dabei war die Verantwortung groß: Wundärzte, Praktikanten, schlecht bezahlte, mitunter betrügerische Pflegerinnen und Pfleger, "Wärtersleute" genannt, und das subalterne Personal musste der junge Sekundararzt zur genauesten Pflichterfüllung anhalten und eventuelle Verstöße dem Primarius melden. Dazu kamen anstrengende Nachtdienste, Krankenrapporte und Journaldienste im Aufnahmezimmer des Krankenhauses. Überfüllte Krankensäle mit 45 Betten, in denen Patienten in unterschiedlichsten Erkrankungsstadien lagen, bereiteten ständig Probleme.

Information

Literatur:
Kathrine E. Kogler, ". . . die Heilärzte des kranken Staates." Die Beteiligung von Medizinern an der Revolution 1848 in Wien. Verlagshaus der Ärzte, Wien 2012.

Brigitte Biwald, geboren 1951, ist Historikerin und in der Erwachsenenbildung tätig, Schwerpunkt Medizingeschichte. Veröffentlichungen über die Revolution 1848 (1996) und über das Sanitätswesen im Ersten Weltkrieg (2003). Lebt in Perchtoldsdorf.

Als Sekundararzt verdiente Türck täglich 40 Kreuzer, was damals in etwa der Entlohnung eines Hausknechts entsprach und kaum das tägliche Überleben sicherte. Ein weiteres Übel war die schlechte Spitalskost. "Wärtersleute" betrieben illegalen Verkauf von Genuss- und Grundnahrungsmitteln und schafften sich damit einen Zusatzverdienst. So entstanden Abhängigkeiten zwischen "Wärtern" und Patienten. Ludwig Türck konnte aber keine kons-truktive Kritik anbringen, da sogleich die Macht der Krankenhausdirektion zu spüren war.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-23 12:53:31
Letzte Änderung am 2018-02-23 13:07:03


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