• vom 25.03.2018, 10:00 Uhr

Geschichten


Tiere

Drei Hähne im Korb




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Von Stefanie Holzer

  • Vom Beschützen, Begatten, Konkurrieren und Demütigen: Anschauliche Betrachtungen des täglichen Hahnenkampfes.



Erfolgreicher Wachhahn, charmanter Kavalier, aber auch eifersüchtiger Chef: "Hahnele".

Erfolgreicher Wachhahn, charmanter Kavalier, aber auch eifersüchtiger Chef: "Hahnele".© Klier Erfolgreicher Wachhahn, charmanter Kavalier, aber auch eifersüchtiger Chef: "Hahnele".© Klier

Mehrstimmiges Krähen erklingt derzeit aus unserem Stall. Unser alter, vierjähriger Hahn ist an sich kein Krakeeler. Aber auch er kräht neuerdings viel öfter, seit die beiden jungen Hähne mit Stimmübungen begonnen haben. Der alte war und ist bei guter Stimme. Allerdings ruft er kein klares Kikeriki. Es klingt vielmehr ein bisschen so, als ob er den Dialekt, vielleicht aus der Gegend, wo er herstammt, vermischt mit Einsprengseln aus seiner Tiroler Wahlheimat krähen würde. Das K ist irgendwo zwischen CH und G angesiedelt, und das I ist eher ein Schwa-Laut, also ein unbetontes E. Die Undeutlichkeit macht er durch Lautstärke wett.

Unser "Hahnele" ist vor drei Jahren aus dem Sauwald zu uns gekommen, wo er eine Weile lang unter einem älteren und sehr virilen Chef der erste Thronanwärter war. Die Demütigungen aus dieser Zeit lässt er die beiden kleinen jetzt büßen. Aber die beiden halten deswegen in ihrem Bestreben, den Damen näher zu kommen, nur kurz inne. Der Rote kräht, wenn man so will, ein stotteriges Standard-Deutsch, allerdings stolpert er manchmal über die Silben und wiederholt, was er schon gesagt hat: Er streckt seinen Kragen so kerzengerade hinauf, wie er kann, reißt den Schnabel auf und bringt ein überraschend deutliches "Kikirekiki!" zustande. Sein jüngerer, allerdings etwas größerer schwarzer Bruder dagegen lässt noch die Heiserkeit der frühen Jugend hören. Er ist dennoch der wortdeutlichste von den dreien. "Kikeriki!" kräht er mit belegter Stimme.

Information

Stefanie Holzer, geboren 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck, Autorin u.a. des Katzenbuches "Franz Ferdinand" (Limbus 2014).

Drei Hähne sind zuviel. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die der Hennen und der drei Hähne. Jeder einzelne von ihnen wäre gern der Hahn im Korb (!), sprich ganz allein mit all den wunderschönen Damen. Wenn der Große sieht, wie einer der Kleinen sich in eindeutiger Absicht einer Henne nähert, schwillt ihm der Kamm (!) und er rast in eindrucksvoller Geschwindigkeit auf den Frechling zu. Falls er ihn erwischt, gibt’s kräftige und auch nicht ganz ungefährliche Hiebe mit dem Schnabel.

Meist aber sind die Kleinen schon auf eine der Stangen hinauf geflogen, und der Große dreht ab. Er macht sich nicht die Mühe, die frechen Kerle in die Höhe zu verfolgen. Beim Fliegen sind ihm die Kleinen weit überlegen.

Früher war bei jeder Hühnerschar ein Hahn. Heutzutage verbieten das die Nachbarn, die nicht gern um vier Uhr in der Früh geweckt werden. Wenn allerdings der jugendliche Sohn der Nachbarn um drei mit seinem fürchterlichen Moped nach Hause kommt, ist das der Lauf der Welt. Zum Ausgleich müssen Tiere leise und geruchlos sein. Und man braucht ja keinen Hahn: Die Henne legt ihre Eier auch ohne ihn. Legehühner kauft man als Küken oder als Junghennen. Woher die Legehühner kommen, überlegt sich kein Mensch. Einen Hahn braucht folglich nur der, der selber Hühner nachzüchten will.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-23 14:08:54
Letzte Änderung am 2018-03-23 15:40:38


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