• vom 15.04.2018, 08:30 Uhr

Geschichten

Update: 15.04.2018, 09:32 Uhr

Theater

Beifallsdonner und Lorbeerkränze




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Von Oliver vom Hove

  • Er war der Inbegriff des Volksschauspielers und fand seine Paraderollen in Nestroy- und Raimundstücken: Alexander Girardi, "der Komödiant von Wien".



Alexander Girardi, hier 1917, ein Jahr vor seinem Tod.

Alexander Girardi, hier 1917, ein Jahr vor seinem Tod. Alexander Girardi, hier 1917, ein Jahr vor seinem Tod.

Er war zu seiner Zeit der bedeutendste Wiener Volksschauspieler. Vor allem auch der beliebteste. Seine Zeit: das war das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert. Der Ruhm des Alexander Girardi sprengte damals alle Grenzen. In der gesamten Donaumonarchie war der Name des Theaterstars in aller Munde. Die Zeitungen breiteten landesweit die Berichte, Anekdoten und Sottisen über den Schauspieler aus. Wenn je das Bühnengeschehen seine Breitenwirkung am unbegrenztesten entfaltet hat, dann war es zu jener Zeit, die Alexander Girardi maßgeblich mitgeprägt hat.

Die starke persönliche Wirkung dieses schmächtigen Mannes auf der Bühne muss so herausragend gewesen, sein, dass die Bereitwilligkeit des Wiener Publikums zur grenzenlosen Mimenhuldigung groteske Ausmaße annahm.

Der "Girardi-Hut"

Im Jahr 1900, zum 50. Geburtstag des am 5. Dezember 1850 in Graz geborenen Bühnenkünstlers, schrieb Hermann Bahr über Girardis Ruhm, "der weit über die Grenzen des Theaters gegangen ist. Man höre heute irgendeinen Soldaten an, der seiner Köchin hofiert, oder man beobachte einen jungen Herrn der sogenannten Gesellschaft: sie intonieren alle wie Girardi, und sie haben alle seine Art, den Kopf vorzustrecken und die Finger zu bewegen. Dass seit zwanzig Jahren jeder Schauspieler, bis in die letzte Provinz, wenn er unwiderstehlich sein will, sogleich, vielleicht ohne es selbst recht zu wissen, die vulgäre und doch geheimnisvoll erregt zitternde Stimme des Girardi und seine unschuldig zynischen Gebärden annimmt, wäre noch das wenigste. Aber es gibt wirklich unter uns, oben oder unten, kaum einen jungen Menschen mehr, der mit einem Mädel anbandeln könnte, ohne ihn unwillkürlich zu kopieren."

Ein Modeschlager wurde der "Girardi-Hut" aus Stroh, den der Darsteller 1893 bei der Uraufführung der Strauss-Operette "Fürstin Ninetta" getragen hatte. In der Spätzeit von Girardis Karriere trugen auch noch seine zahlreichen Schellackplatten zum Ruhm im gesamten deutschen Sprachraum bei.

Information

Oliver vom Hove lebt als Dramaturg, Literaturwissenschafter und Publizist in Wien.

Als ihn auf dem Höhepunkt seiner Erfolge eine Zeitung fragte, wie man als Schauspieler Karriere machen könne, antwortete Girardi schelmisch: "Das Rezept ist sehr einfach. Man erlerne vorher sieben Jahre das Schlosserhandwerk, werde dessen überdrüssig, gehe nach Rohitsch-Sauerbrunn, nicht zur Kur, sondern der Bühne wegen, ziehe über Krems, Karlsbad, Bad Ischl, Salzburg, Linz direkt nach Wien und wirke dort erfolgreich weiter, wie ihr sehr ergebener Girardi".

Die Karrierebeschreibung entspricht den Tatsachen. Der Sohn eines aus Cortina d‘Ampezzo nach Graz eingewanderten Schlossermeisters sollte zunächst, auf Wunsch der Mutter, das Handwerk des früh verstorbenen Vaters erlernen. Der junge Girardi brachte es unter der Aufsicht des Stiefvaters bis zur Gesellenprüfung. Erste Ausbruchsversuche als Darsteller einer Grazer Laienspielgruppe indes bekräftigten ihn in seinem Entschluss, den Weg zum Theater einzuschlagen.




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Dokument erstellt am 2018-04-13 11:30:13
Letzte Änderung am 2018-04-15 09:32:34


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