• vom 26.08.2018, 10:00 Uhr

Geschichten


Leuchtturm

Maritime Sehnsüchte




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Von Peter Payer

  • Leuchttürme erfüllen eine wichtige nautische und eine starke symbolische Funktion. Wien hegt eine ganz besondere Beziehung zu diesem Licht der Nacht.

Leuchtturm auf dem Freizeitareal "Sunken City" der Wiener Donauinsel. - © Joe Pesl/picturedesk.com

Leuchtturm auf dem Freizeitareal "Sunken City" der Wiener Donauinsel. © Joe Pesl/picturedesk.com

Fast scheint es, als wäre er immer schon da gewesen: der Leuchtturm auf der Wiener Donauinsel, nahe der Reichsbrücke. Der runde weiße Turm mit Außentreppe reckt sich mächtig in die Höhe, rundherum viel Wasser und Himmel, perfekte Ingredienzien für ein weithin sichtbares Bauwerk, das zum Wahrzeichen für das von Einheimischen wie Touristen gerne besuchte Freizeitareal "Sunken City" geworden ist. Palmen, Strand und Liegestühle verbreiten das passende exotische Flair. - Wenngleich: richtiger Leuchtturm ist das natürlich keiner. Von der Spitze zieht kein Scheinwerfer seine Kreise durch die Nacht, einen Leuchtturmwärter wird man auch vergeblich suchen, ja man darf den Turm nicht einmal besteigen.

Information

Peter Payer ist Historiker, Stadtforscher und Kurator im Technischen Museum Wien. Zahlreiche Publikationen, zuletzt u.a. "Der Klang der Großstadt. Eine Geschichte des Hörens. Wien 1850–1914" (Böhlau, 2018).

Und doch erfreut uns diese maritime Illusion, die bereits an ihrem Ursprungsort eine solche war. Denn der Leuchtturm stand einst am Bodensee, wurde für die Saison 1989/90 als Kulisse der Bregenzer Festspielbühne errichtet (Szenenbild für den "Fliegenden Holländer"). Nach der Spielzeit wurde er 1991 in Wien vor dem Technischen Museum anlässlich der Ausstellung "Phantasie und Industrie" neu aufgebaut. Der Umbau des Museums bedingte sechs Jahre später seine erneute Verlegung, diesmal auf die Donauinsel. Eine mitteleuropäische Metropole, fernab jeden Meeres gelegen, erhielt so - für ständig und auf recht kuriose Weise - einen Leuchtturm! Ein Blick in die Geschichte enthüllt, dass dies gar nicht so paradox und in gewisser Weise durchaus stimmig sein kann. Denn für Wien ist es nicht die erste Bekanntschaft mit diesem für die Seefahrt so überlebenswichtigen Nachtzeichen.

Weltausstellung 1873

Wiener Weltausstellung 1873: Österreichische Seeleuchte mit Semaphor und Nebelsignal.

Wiener Weltausstellung 1873: Österreichische Seeleuchte mit Semaphor und Nebelsignal.Michael Frankenstein © Technisches Museum Wien/Bildarchiv Wiener Weltausstellung 1873: Österreichische Seeleuchte mit Semaphor und Nebelsignal.Michael Frankenstein © Technisches Museum Wien/Bildarchiv

Schon 1873, anlässlich der Weltausstellung im Prater, wurden als Novität zwei Leuchttürme gezeigt. Der eine befand sich beim Westeingang, war ganz aus Beton gefertigt und beachtliche 21 Meter hoch. Seine Spitze zierte eine Laterne, welche Teile des Ausstellungsgeländes tageshell erleuchten sollte, mit damals noch neuem elektrischen Licht und vorerst probeweise. Den Besuchern wurde der Zweck solcher Bauwerke ausführlich erklärt. In den Zeitungen wies man auf deren zentrale Orientierungsfunktion hin und ironisierte, dass sie nun in Wien "den spät heimkehrenden Bummlern als Leitstern dienen und in ihrer Art auch eine hohe Mission erfüllen".

Der zweite Leuchtturm war im östlichen Ausstellungsbereich situiert, am Ufer des Heustadelwassers. Hier präsentierte die Triester Seebehörde neben dem Marine-Pavillon ein ganzes Ensemble an für die Schifffahrt überlebenswichtigen Warnzeichen: eine Seeleuchte mit Semaphor (Signalmast) und Nebelhorn. Der von einem achteckigen Unterbau in eine Höhe von 18 Meter emporragende Leuchtturm wies oben eine rotierende Laterne auf. Diese enthielt mehrere Petroleumlampen sowie ein komplexes System an Spiegeln und Reflektoren, die das Licht, wie man stolz vermerkte, "auf eine Entfernung von 17 Seemeilen hinausschleudern". Über eine Wendeltreppe in seinem Inneren konnte man eine rundumlaufende Galerie erreichen, dort technische Details studieren und den Blick von oben auf die Umgebung genießen.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-23 14:50:48
Letzte Änderung am 2018-08-23 16:03:10


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