• vom 02.03.2007, 16:56 Uhr

Kompendium

Update: 05.03.2007, 13:21 Uhr

Weltraum

Von Pink bis Aquamarin




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Von Christian Pinter

  • Während der Mondfinsternis in der Nacht vom 3. auf den 4. März läuft der Erdtrabant rot an. Auch sonst strahlt das Sonnensystem in vielerlei Farben.
  • Mit seinen acht Planeten und 162 bisher bekannten Planetenmonden böte unser Sonnensystem fremden Besuchern ein abwechslungsreiches Bild. Wahrscheinlich besäßen die Außerirdischen andere Farbrezeptoren als wir. Sie würden die Welten in anderen Tönen erleben, vielleicht sogar wesentlich bunter. Für unsere Augen jedoch bekennt der Mars am deutlichsten Farbe. Sein leicht rötlicher Glanz erinnerte einst an Blut, Feuer und Rost. Griechen und Römer erhoben ihn deshalb zum Sinnbild ihres Kriegsgottes. Alchemisten brachten ihn mit dem Eisen in Verbindung. Gut geraten - denn tatsächlich sorgen oxidierte eisenhaltige Verbindungen im Marsboden für die charakteristische Tönung. Sie schlucken blaues und grünes Sonnenlicht, reflektieren rötliches.

Frühe Beobachter der Mondfinsternis glaubten, dem Mond wäre eine Wunde gerissen worden. Foto: Pinter

Frühe Beobachter der Mondfinsternis glaubten, dem Mond wäre eine Wunde gerissen worden. Foto: Pinter Frühe Beobachter der Mondfinsternis glaubten, dem Mond wäre eine Wunde gerissen worden. Foto: Pinter

#Verzerrte Wahrnehmung


Im Teleskop erscheint der "rote Planet" ocker, gelbbraun, orange-, lachs- oder rosafarben. Die eingebetteten dunkelgrauen Flecke muten mitunter grünlich an. Auch dies nährte einst die Vorstellung einer von Pflanzen bedeckten Welt, ja einer "zweiten Erde". Doch das Grün ist Illusion: In der Umgebung einer dominierenden Farbe gaukelt uns die Wahrnehmung nämlich deren Komplementärfarbe vor. In Wirklichkeit sind die dunklen Gebiete nicht von Vegetation, sondern von Staubteilchen bis hin zur Sandkorngröße bedeckt; auf den hellen liegt Feinstaub. Der wird vom Wind in die dünne Atmosphäre gewirbelt: Der Himmel über der Marswüste ist deshalb nicht blau, sondern rosarot. Selbst die eisigen Polkappen strahlen des Staubs wegen in sanftem Rosa, wie mehrere Marssonden zeigten. Dehnen sich Staubstürme über den gesamten Planeten aus, erscheint er uns am Nachthimmel eine Spur gelblicher als sonst.

Genau besehen, bilden die Planeten eine bunte Reihe. Foto: NASA/JPL

Genau besehen, bilden die Planeten eine bunte Reihe. Foto: NASA/JPL Genau besehen, bilden die Planeten eine bunte Reihe. Foto: NASA/JPL

Stets in ruhigem, klaren Gelb strahlt Saturn - derzeit spätabends hoch droben im Löwen. Wohl auch deshalb verwoben die Römer diesen Planeten ausgerechnet mit jenem Gott, der ihnen einst das legendäre goldene Zeitalter bescherte: Damals soll die Erde all ihre Schätze von selbst her gegeben haben; Anstrengungen waren unnötig. Ebenfalls ohne Mühen erkennt man im kleinen Fernrohr Schattierungen von Cremegelb und Beige auf dem Saturnscheibchen. Die polnahen Gebiete ziehen schlichteres Grau vor, wenngleich geübte Beobachter von leicht olivefarbigem Einschlag berichten. Saturns prächtige Ringe bestehen primär aus Wassereisteilchen und sind im Farbton neutraler. Die NASA-Sonde Cassini erforscht sie gerade.

Die Alten statteten die Wandelsterne mit astrologischen "Eigenschaften" aus. Den farbigen Planeten Saturn und Mars wurde recht übler, den weißlich gleißenden Gestirnen Venus und Jupiter guter Einfluss unterstellt. Am schwarzen Nachthimmel erscheint Jupiter dem freien Auge so farblos, dass man ihn mit dem silberweiß glänzenden Metall Zinn verwob. Seine Atmosphäre besteht fast zur Gänze aus Wasserstoff und Helium. Hinzu kommen etwa Spuren von Sauerstoff, Kohlenstoff oder Schwefel. Wolkenbänder, streng parallel zum Äquator ausgerichtet, schmücken den Riesen. Sie formen sich unter anderem aus Wassereis- und Ammoniakeiskristallen.

Teleskopisches Farbsehen bedarf der Übung. Viele Amateure sehen ein weißes, vielleicht eierschalengelbes Jupiterscheibchen, geteilt von grauen Bändern. Die beiden Voyager-Sonden stellten uns 1979 hingegen einen atemberaubend bunten Planeten vor, umkränzt von intensiv leuchtenden, farbenfrohen Wolkengirlanden. Allerdings war der Ton sämtlicher Aufnahmen aus technischen Gründen gegen Rot hin verschoben. Die Farbsättigung wurde anfangs zudem überhöht. Mit diesem Kunstgriff wollte die NASA möglichst viele Einzelheiten sichtbar machen.



Rotbraun und Orange
Wie die Jupitersonde Galileo bewies, leuchten die Wolkenbänder nur in gedecktem Rotbraun. Mäanderähnliche Strukturen muten an, als hätte jemand Eiscreme eingerührt. Sogar bläuliche Details tauchen auf. Offensichtlich bestimmen unterschiedliche Flughöhen die Kolorierung der Wolken mit. Selbst der berühmte Große Rote Fleck, ein mehr als erdgroßer Wirbelsturm, ist bloß orangerosa. Phosphor könnte seine Tönung erklären - doch darüber wird noch gestritten.

Ganz anders als Jupiter oder Saturn präsentieren sich Uranus und Neptun im Teleskop: Ihrer enormen Distanz wegen schrumpfen sie zu winzigsten Scheibchen zusammen. Uranus, benannt nach dem griechischen Himmelsgott, kleidet sich in schönes Aquamarin. Neptun, dem römischen Gewässergott gewidmet, zieht in etwas größeren Optiken ein stimmiges Meeresblau vor.

Der Grund dafür ist ein Schuss Methan, der den Atmosphären beider Welten beigemengt ist. Das Gas absorbiert den Rotanteil des Sonnenlichts. 1986 und 1989 schoss Voyager-2 an den planetaren Außenposten vorbei und bestätigte den teleskopischen Farbeindruck.

Die Monde der äußeren Planeten sind meist mit vergleichsweise farbneutralem Eis bedeckt. Nicht so die Io. Beim raschen Umlauf um Jupiter wird ihr Körper von Gezeitenkräften "durchgeknetet" und erhitzt. Die Folge ist heftiger Vulkanismus. Ständig erbricht sie heiße silikatische Lava auf ihre Oberfläche. Der darin enthaltene Schwefel zaubert Io fröhliche Farben ins Gesicht. Voyager-1 stellte sie noch in kräftigem Rot und Orange vor, was ihr den Spitznamen "Pizzamond" einbrachte. In Wirklichkeit gesellen sich aber Gelb, Gelbgrün und Olivgrün zu den Orangetönen. Schon im Amateurteleskop erscheint Io einen Schuss "wärmer" oder gelblicher als die drei anderen großen Jupitertrabanten.

Saturns Riesentrabant Titan ist der einzige Planetenmond mit dichter Atmosphäre: Dem reichlich vorhandenen Stickstoff hat die Natur Methan, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid beigemengt. Kosmische Strahlung und solares UV-Licht lassen daraus einfache Kohlenwasserstoffe entstehen. Diese wiederum bilden 170 km über Grund Aerosole, die das Sonnenlicht stärker streuen als der schlimmste irdische Smog. Titans Oberfläche liegt deshalb in orangefarbigem Dämmerlicht, wie die ESA-Landesonde Huygens im Jänner 2005 bewies.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2007-03-02 16:56:10
Letzte Änderung am 2007-03-05 13:21:00


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