• vom 02.09.2006, 00:00 Uhr

Kompendium


Astronomie

Plutos jäher Absturz




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Von Christian Pinter

  • Eigentlich sollte der Planetenbestand in Prag aufgestockt werden. Doch es kam ganz anders.

Vor kurzem endete die 26. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) mit einem Knalleffekt. Beinahe hätte die seit 1919 existierende IAU, unter anderem zuständig für Normierungen und Nomenklatur im All, den elitären Planetenklub auch für recht gewöhnliche Himmelskörper geöffnet. Dessen Mitgliederzahl wäre schlagartig auf zwölf gestiegen. Bald hätten wir sogar 20, 30 oder 50 Planeten besitzen können. Müßig, die Schulbücher - sie halten bei neun Planeten - jedes Mal umzuschreiben.


In der Vergangenheit war dies mehrmals nötig. In der Antike eilten neben dem Mond vermeintlich auch Sonne, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn um die Erde. Damals hießen noch alle sieben Wandelgestirne "Planeten" (vom griechischen Wort "planetes", Umherschweifender). Im Kopernikanischen System fielen Sonne und Mond weg, dafür bekam die Erde Planetenstatus. Das neue Sextett währte bis 1781. Dann tauchte unerwartet der Planet Uranus im Fernrohr des Musikers William Herschel auf. Der altgriechische "Himmelsgott" kreiste weit hinter der Saturnbahn.

Der Fund lenkte die Aufmerksamkeit wieder auf die seltsame Lücke, die zwischen Mars und Jupiter klaffte. Giuseppe Piazzi erblickte dort 1801 die Ceres. Sie erhielt den Namen der römischen Göttin des Ackerbaus. In ihrem Umfeld machten Astronomen bald reiche Ernte: Bis 1807 folgten die Pallas, die Juno und die Vesta. Anfangs mit planetaren Ehren ausgestattet, degradierte man die Winzlinge später zu bloßen "Asteroiden" oder "Kleinplaneten". Ein Glück - denn heute kennt man schon zigtausend solcher Himmelskörper. Sie blieben einst zurück, weil der riesige Jupiter die Bildung eines weiteren, richtigen Planeten vor seiner Haustür vereitelte.

Weiter draußen hielt sich Uranus nur widerwillig an die Keplerschen Gesetze. Ursache war die Anziehungskraft eines unentdeckten, achten Planeten: 1846 ging Neptun tatsächlich ins Netz. Doch der römische Gewässergott war vermeintlich nicht ganz allein für die Bahnmanipulationen des Uranus verantwortlich. Abermals blies man zur Planetenjagd. Eine breit angelegte fotografische Himmelsdurchmusterung von Clyde Tombaugh förderte 1930 ein Gestirn jenseits des Neptun zutage. Es ging rasch als neunter Planet in die Literatur ein. Den Namen "Pluto" schlug eine elfjährige Engländerin vor - in Anlehnung an den griechischen Hades oder Plutos, den Gott des Schattenreichs und des Reichtums.

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Dokument erstellt am 2006-09-02 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-09-01 16:07:00


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