• vom 21.11.2003, 00:00 Uhr

Kompendium

Update: 01.03.2005, 12:15 Uhr

USA

"Mr. Austria" in Amerika




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Jürgen Koppensteiner

  • Die ungewöhnliche Karriere des Kurt Steiner (1912 bis 2003)

Der vor kurzem in Stanford verstorbene Politologe Kurt Steiner gehörte zu jener immer kleiner werdenden Gruppe von Österreichern, die ihr Heimatland 1938 verlassen mussten und in Amerika gastfreundlich aufgenommen wurden, dort Karriere machten, aber letzten Endes heimatlos blieben. So pendelte Steiner - geistig - zwischen drei Welten, die sein Leben bestimmten: Österreich, den USA und Japan.


Wie andere seiner Schicksalsgefährten hat sich Steiner im Laufe der Jahre mit Österreich ausgesöhnt, er pflegte Kontakte mit Kollegen und Politikern und verbrachte seine

Urlaube am liebsten in Hofgastein. Allerdings blieb er zeitlebens auf Distanz, ein "Beobachter", der

für sich in Anspruch nahm, "Objektivität" zu haben, was seiner Meinung nach mit dem Begriff "Heimat" nur schwer vereinbar sei und eine neutrale Position ohne emotionale Bindung voraussetze. So lehnte er es ab, in Österreich wieder sesshaft zu werden, und auch die ihm angebotene österreichische Staatsbürgerschaft wollte er nicht annehmen ("Wozu auch?"). Ein Rest von Ressentiment war geblieben.

Die Vergangenheit Österreichs konnte Steiner nie ganz vergessen. Verletzungen, wie er sie erlitten hatte, währen ein Leben lang.

Österreich war, so erinnerte er

sich an seinen ersten Besuch in Wien nach dem Krieg, "eine erledigte Sache", die in ihm, wie er betonte, keinerlei Emotionen ausgelöst habe. Nichts habe er gespürt, eine Art "innerliche Erstarrung" sei in ihm gewesen. "Kein großes Gefühl, keine große Freude, nichts, keine großen Erwartungen. Tot mehr oder weniger. Ich war

tot, und so war der ganze Aufenthalt."

Dennoch blieb der Bezug zur

"Heimat" bestehen, ja er wurde

immer stärker. So ließ es sich Steiner gerne gefallen, in Stanford als "Mr. Austria" bezeichnet zu werden, war er doch so etwas wie

eine Anlaufstelle für Besucher

aus Österreich. Und es war ein Glücksfall, dass die Grazer Journalistin Elisabeth Welzig einmal bei Kurt und Kitty Steiner zu Kaffee und Kuchen eingeladen war. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die viele Jahre halten sollte und woraus ein Buch resultierte, das - so kann man hoffen - dafür sorgen wird, dass Kurt Steiners ungewöhnliche Karriere nicht so schnell in Vergessenheit gerät.

Es ist ein liebevolles, an manchen Stellen geradezu idyllisches Bild, das Welzig von den beiden Steiners zeichnet. Kitty, seine "große Passion", Modistin aus Wien, war ihrem Kurt 1939 in die USA gefolgt. Sechzig Jahre später betreute er die Schwerkranke liebevoll und geduldig bis in den Tod.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

USA

Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2003-11-21 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 12:15:00

Werbung




Werbung