• vom 24.03.2000, 00:00 Uhr

Kompendium

Update: 01.03.2005, 15:59 Uhr

Theater

Hoffnungsfroher Humor




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Von Ursula Liebl

  • Erinnerung an den Schauspieler Oskar Karlweis

"Verehrt · verfolgt · vergessen" lautet der Titel einer Ausstellung, die noch bis 27. März in der Wiener Staatsoper zu sehen ist. Sie ruft jene Schauspieler in Erinnerung, die den


Nationalsozialismus nicht überlebten und trotz ihrer vorherigen Popularität von ihrem Publikum vergessen wurden. "Verehrt · verfolgt · vergessen" charakterisiert jedoch auch das Schicksal eines

Künstler, der sich zwar durch die Emigration retten konnte · und daher nicht in der Ausstellung gezeigt wird ·, der aber dennoch gänzlich in Vergessenheit geraten ist, obwohl er in der ersten Hälfte

des 20. Jahrhunderts die Theater- und Filmszene wesentlich geprägt hat: Oskar Karlweis.

Geboren 1894 in der Hinterbrühl, wo seine Eltern die Sommerfrischen verbrachten, und aufgewachsen in Wien, war ihm der Künstler bereits in die Wiege gelegt. Der Vater Karl Weiss (1850 bis 1901) ·

"hauptberuflich" leitender Beamter der k. k. priv. Südbahngesellschaft · veröffentlichte unter dem Pseudonym C. Karlweis u. a. zahlreiche Wiener Erzählungen und Volksstücke ("Das grobe Hemd") und war

weit über Österreichs Grenzen hinaus erfolgreich. Die fünf Jahre ältere Schwester Marta · unter ihrem Mädchennamen selbst schriftstellerisch tätig · heiratete in den 20er-Jahren Jakob Wassermann, der

zu jener Zeit zu den bedeutendsten deutschsprachigen Literaten zählte. So war es also kein Wunder, dass Oskar Karlweis das begonnene Jus-Studium bald abbrach und sich ganz der Schauspielerei widmete.

Sein Rollenfach war laut eigener Definition der "Liebhaber mit humoristischem Einschlag", womit er sich von der oft auf ihn angewandten Bezeichnung "jugendlicher Komiker", wie es Chaplin, Buster

Keaton oder Szöke Szakall waren, abgrenzte.

Nach Auftritten an den führenden Bühnen in Wien und München (wo er 1921 in der Uraufführung von Hofmannsthals "Der Schwierige" neben Elisabeth Bergner und Gustav Waldau den Stani Bühl verkörperte)

ging er 1927 nach Berlin und reüssierte am dortigen Deutschen Theater sowie an den Bühnen von Viktor Barnowsky. In der Schiffer-Spoliansky Revue "Es liegt in der Luft" trat Karlweis 1928 als Partner

von Margo Lion und (der damals noch unbekannten) Marlene Dietrich auf. Karlweis verdankt nicht nur seine Existenz Johann Strauß Sohn · seine Eltern lernten sich in dessen Haus kennen · sondern war

auch noch der erste Mann, der die Hosenrolle des Prinzen Orlofsky in der "Fledermaus" 1929 unter Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin innehatte. Auftritte in weiteren Strauß-Operetten wie

"Wiener Blut" oder "1001 Nacht" (erst 1949 in einer Wiener Staatsopernaufführung) folgten. Da er darstellerisch ebenso überzeugte wie als Sänger und Tänzer, war Karlweis für gewisse Rollen Ralph

Benatzkys die Idealbesetzung, so auch · neben Liane Haid · 1930 in der Uraufführung von "Meine Schwester und ich".

Als der Jude Karlweis 1933 gezwungen war Deutschland zu verlassen, kehrte er in seine Heimatstadt Wien zurück, wo sich seine erfolgreiche Bühnenkarriere vor allem an der Josefstadt und den

Kammerspielen fortsetzte. Kritiker und Interviewpartner loben ihn in den höchsten Tönen, bezeichnen ihn als "Schauspieler von seltener Kultur", "Vorbild charmanter Liebenswürdigkeit" und "das

strahlende Licht in der Finsternis der musikalischen Lustspiele". Noch 1937 liest man: "Oskar Karlweis' Sprech-, Spiel-und Charakterisierungskunst, seine unnachahmliche Art, Pointen und Schlager

vorzutragen und zu höchster Wirkung zu bringen, sind zu bekannt, als dass sie an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden müssten."

Seine Filmkarriere jedoch litt unter dem Aufführungsverbot in Deutschland für Produktionen mit jüdischen Emigranten. Stand er in den Jahren 1930 bis 1933 insgesamt 17-mal vor der Kamera, sollten die

anschließenden zwei Filme die letzten für eine lange Zeit bleiben. Der heute bekannteste Tonfilm, in dem Karlweis mitwirkte, war "Die Drei von der Tankstelle" (es gibt tatsächlich noch einen Dritten

neben Fritsch und Rühmann!), der sich zum größten kommerziellen Filmerfolg der Saison 1930/31 entwickelte. 1938 folgt die obligate "Reise" über die Schweiz und Tschechoslowakei nach Paris, wo er

gemeinsame Auftritte mit Karl Farkas absolviert. 1940 setzt er die abenteuerliche Flucht fort und überquert zusammen mit Friedrich Torberg die rettende Brücke nach Irun/Spanien, kurz bevor sie von

den Deutschen gesprengt wird. Jahre später würdigt Torberg in seinem Nachruf Karlweis mit folgenden Worten: "Einen Abend privat mit ihm zu verbringen, wog, wenn er in Form war, zehn

Kabarettbesuche auf. Wenn er nicht in Form war, dann allerdings nur neun . . . Ich weiß nicht, wie ich über diese trost- und hoffnungslose Zeit hinweggekommen wäre ohne den tröstlichen und

hoffnungsfrohen Humor, den Oscar Karlweis ausstrahlte."

Die neue Heimat Amerika stellte zunächst einmal · wie zuvor schon Frankreich · ein Sprachproblem dar. Karlweis, der kein Wort Englisch konnte, musste seine erste Rolle unter der Regie Otto Premingers

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2000-03-24 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 15:59:00

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