• vom 05.11.1999, 00:00 Uhr

Kompendium

Update: 01.03.2005, 16:46 Uhr

Deutschland

"Ich habe niemanden verraten"




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Von Rebecca Hillauer

  • Die Widerstandskämpferin Käte Niederkirchner und ihre Nichte

In der Abendsonne glänzt die Gedenktafel metallicgrau. Ein paar Schritte weiter, an einem der Tische vor der Café-Bar "Monsun" turtelt ein Pärchen. Hier, Pappelallee


22 im Prenzlauer Berg, ist Käte Niederkirchner aufgewachsen, Hinterhaus 1. Stock. Die Kommunistin und Widerstandskämpferin wurde am 28. September 1944 im KZ Ravensbrück ermordet. In der Gedenktafel

sind die wichtigsten Koordinaten ihres Lebens als Relief abgebildet: Ein Frauenkopf, ein geöffneter Fallschirm, eine Frau zwischen zwei uniformierten Männern · Verhaftung durch die Gestapo.

Nach Käte Niederkirchner waren mehr als 300 Kollektive · Betriebe, Kindergärten, Sportvereine · in der DDR benannt. Auch zwei Straßen in Prenzlauer Berg und in Mitte. An der Niederkirchnerstraße 5 ·

der früheren Prinz-Albrecht-Straße · liegt heute das Abgeordnetenhaus von Berlin. Vergeblich beantragten nach der Wende die CDU-Fraktion und Hanna-Renate Laurien, damalige Präsidentin des

Abgeordnetenhauses, die Straße umzubenennen. Käte Niederkirchner habe durch ihren Einsatz für die Komintern "eindeutig das vorbereitet, was wir später in der DDR erfahren haben".

"Für die Menschen in der DDR hatte Käte ein Stück Heiligenschein. Sie repräsentierte ein Stückchen Herz", sagt ihre Nichte. Die Geschichte der "Katja" Niederkirchner, wie Käte genannt wurde, ist

auch die Geschichte einer politisch bewegten Familie. Auch wenn sich Vater, Schwestern und Brüder in den Dienst des Kommunismus stellten, blieben sie für die Machthaber doch unkalkulierbar, weil sie

sich ihre innere Unabhängigkeit bewahrten. Ein Bruder, Paul, wurde denn von der sowjetischen Staatssicherheit ermordet. Das erzählt die Nichte, die in Friedrichfelde eine Praxis hat.

"Käte Niederkirchner, Kinderärztin" steht draußen auf dem weißen Schild. 23 Jahre lang saß sie als Abgeordnete in der Volkskammer der DDR, als Vizepräsidentin bereitete sie 1990 den

Einheitsvertrag mit vor. Für den Namen ihrer berühmten Tante "bin ich dankbar, weil ich diesen Teil einfach tragen und lernen durfte", sagt sie. Ihre Mutter Mia war im sechsten Monat schwanger,

als sie die ältere Schwester zum letzten Mal sah. Sie war immer ihr großes Vorbild gewesen. Mia versprach ihr: "Wenn es ein Mädchen wird, heißt es Käte." Klein Käte saß später hinter der Tür

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Schlagwörter

Deutschland, DDR

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Dokument erstellt am 1999-11-05 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 16:46:00

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