• vom 13.08.1999, 11:40 Uhr

Kompendium

Update: 01.03.2005, 16:48 Uhr

Fliegen

Tore zur Welt




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Von Matthias Marschik

  • Von Aspern bis Schwechat: Eine kurze Geschichte der Wiener Flughäfen

London hat Heathrow und Gatwick, Paris hat Orly und Charles de Gaulle, Rom hat Fiumicino, Zürich hat Kloten · und Wien hat eben Schwechat. Die Vorstadt im Süden Wiens ist (abgesehen von der Brauerei) vor allem durch seine Bedeutung als Standort des


Wiener internationalen Flughafens bekannt geworden. Schwechat ist so sehr zum Synonym je nachdem für Fernweh oder Lärmbelästigung, für Urlaub oder Verkehrsinfarkt geworden, dass sich kaum noch jemand

daran erinnert, dass Schwechat erst seit dem Ende der vierziger Jahre der Hauptflughafen Wiens ist. Ältere Jahrgänge werden noch den Asperner Flughafen in Erinnerung haben, doch wer denkt noch an die

anderen Standorte der frühen Wiener Tore zur Welt, an Kaisermühlen und Jedlesee, an Mauer oder Schönbrunn?

In zwei Metern Höhe

Das ganze 19. Jahrhundert hindurch waren die Praterauen die bevorzugten Startplätze der Ballonaufstiege in Wien gewesen: Die Wiesenflächen zeigten sich für die Aufstellung der Startvorrichtungen

ausgezeichnet geeignet, die umliegenden Bierschenken und Gasthäuser boten sich geradezu an, die Publikumsmassen vor Beginn der Veranstaltungen und auch nach deren Ende zu verköstigen. Doch die

Erfindung des Flugzeugs nach dem Prinzip "schwerer als Luft" stellte an den Startort gänzlich andere Voraussetzungen. Da nicht vorherzusehen war, ob und wann ein Flugzeug sich in die Lüfte erheben

und wo es wieder herunterkommen würde, benötigte man ausgedehnte baumlose Wiesenflächen. Der erste Flugversuch in Wien wurde daher im Mai 1909 auf dem Überschwemmungsgebiet der Donau "nahe den

Kaisermühlen" gestartet. Es war nicht nur das widrige Wetter, sondern vor allem die holprige Startbahn, die fast zum Scheitern des Fluges geführt hätten. Der französische Pilot Legagneux weigerte

sich vorerst zu starten, und erst als die schaulustige Menge eine drohende Haltung einnahm, absolvierte er einen kurzen Flug von zweihundert Metern Länge und zwei Metern Höhe.

Als im Herbst des gleichen Jahres ein Schauflug des berühmten Louis Blériot angekündigt wurde, musste man sich also nach einem geeigneteren Terrain umsehen, das man schließlich in Gestalt der

Simmeringer Heide fand. Sie bot ausreichend Platz für Start und Landung, für die von Blériot eigens errichteten Hangars und auch für die 300.000 Personen, die dem Spektakel beiwohnten. Für die

nächsten beiden Jahre blieb also die Simmeringer Haide der bevorzugte Startplatz für Flugvorführungen. Inzwischen hatte jedoch Niederösterreich der Metropole Wien ernste Konkurrenz gemacht: Die

k. u. k. Luftschifferabteilung war in Fischamend stationiert worden und bald wurde in Wiener Neustadt das erste permanente Flugfeld Österreichs errichtet. Flugpioniere wie Igo Etrich und auch

Motorenbauer wie Ferdinand Porsche übersiedelten nach Wiener Neustadt, das zum Zentrum der Fliegerei wurde.

Diese Abwanderung konnte sich Wien freilich nicht gefallen lassen: Die inzwischen überall in Europa abgehaltenen Flugmeetings erwiesen sich als erfolgreich und auch Wiener Neustadt partizipierte mit

seinen mehrmals im Jahr veranstalteten Flugtagen an der Flugeuphorie. Also beschloss die Gemeinde Wien, ebenfalls ein Flugfeld zu errichten. Auf Grund der überzogenen Grundstückspreise in Simmering

fiel die Wahl schließlich auf Aspern, das billig, wenn auch verkehrsmäßig kaum erschlossen war. Binnen zweier Jahre entstand so ein Flughafen mit allen damals notwendigen Einrichtungen. Die erste

Bewährungsprobe als Zielflughafen des Fernfluges Berlin· Wien ging zwar gründlich daneben, weil das "Kotmeer" in Aspern etliche Unfälle verursachte, doch zwei Wochen später feierte Aspern anläßlich

des ersten "Wiener Flugmeetings" eine glanzvolle Premiere. Eine festgewalzte Rollbahn, zahlreiche Hangars, ausgedehnte Tribünen, ein eigener Pavillon für die kaiserliche Familie, Bars, Restaurants

und Buschenschenken ließen selbst den Sieger der Flugwoche, Roland Garros, vom Wiener Flugfeld nur in höchsten Tönen sprechen. Trotz der oft stundenlangen Anreise dürfte an fünf Tagen über eine

Million Wiener die Asperner Flugwoche besucht haben.

Aspern wurde sukzessive weiter ausgebaut und gewann allmählich auch die Stellung als Zentrum der österreichischen Zivilfliegerei von Wiener Neustadt zurück, dessen Flugfeld 1913 der Heeresverwaltung

verpachtet und für den zivilen Luftverkehr gesperrt wurde. Auch 1913 und 1914 wurden in Aspern große Meetings, etliche Langstreckenflüge und manche sensationelle Veranstaltung, so etwa der erste

Fallschirmsprung in Österreich, durchgeführt, ehe zu Beginn des Ersten Weltkrieges Aspern "mobilisiert" und in ein Zentrum der militärischen Pilotenausbildung umgewandelt wurde. Im Frühjahr 1918

wurde Aspern zum Ausgangspunkt der ersten regelmäßig verkehrenden Luftlinie der Welt, einer Kurier-und Post-Verbindung von Wien über Krakau nach Kiew. Nach 1918 hingegen wurde es still in Aspern. Die

Friedensverträge von St- Germain verlangten von Österreich die Ablieferung des gesamten militärischen Luftfahrtmaterials · und andere Flugzeuge waren fast nicht vorhanden.

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Dokument erstellt am 1999-08-13 11:40:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 16:48:00

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