• vom 04.09.1998, 00:00 Uhr

Kompendium

Update: 01.03.2005, 16:53 Uhr

Kabarett

Miki Malör, die Aktörin




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Von Karl Weidinger

  • Ein Hinweis auf eine nicht zu unterschätzende Kleinkünstlerin

"Eine starke Bühnenpräsenz, tragikomisches Talent, ein einprägsames Gesicht, viel Persönlichkeit und noch immer nicht den verdienten Erfolg", bescheinigte selbst Kultur-Lady Karin


Resetarits der ambitionierten Performance-Künstlerin Miki Malör und brachte keinen Beitrag, sondern lud sie zu einer kontroversiellen Sendung ein. Anlaß genug, um die "Aktörin", die zuletzt in einem

von Funk und Fernsehen gänzlich ignorierten · aber um so sehenswerteren · Liederabend im "Theater des Augenblicks" brillierte, näher in Augenschein zu nehmen.

Miki, vor 40 Jahren als Michaela in Wien geboren, suchte immer schon den geraden Weg · und der ist ja bekanntlich nicht immer der einfachste. Die große Liebe zum Theater stellte sich bereits recht

früh ein und wurde vom "Guru" der unabhängigen Szene, Hubsi Kramar, 1984 mit dem "Ersten Internationalen Wiener Abfallsymphonieorchester" noch verstärkt. Zuletzt übersetzte sie für die Theater-

Musik-Performance "Transit" Franz Schuberts Winterreise ins sommerliche Wien und setzte damit zu neuen Ufern der Darbietung über. Gemeinsam mit Gitarristen Peter Panayi dramatisierte sie die

bekannten Schubert-Lieder und bescherte · nach der Regie von Carlos Trafic · dem Publikum, das sich von der Mundpropaganda nach Wien-Währing leiten ließ, einen völlig neuen Zugang zum Lindenbaum am

Brunnen vor dem Tore.

Daß ihr engagiertes Projekt von den unverzichtbaren Medien nicht in dem Maße aufgenommen wurde, wie es das Werk eigentlich verdient hätte, ist ein (trauriges) Kapitel für sich: "Die Theaterszene ist

überhaupt von Neid zerfressen, und die künstlerischen Seilschaften geben den Ton an." Die Verhaberung der Szene ist für die bekennende Feministin ein immerwährender Stein des Anstosses: "Ich finde

mich als Frau im Theater nicht wieder!" Ihr Weltbild entspricht nicht dem gängigen Frauenmodell. Vom Geschick der Missen, die sich bei Mißwahlen als Vorzeigeweibchen ausstellen lassen, hält sie

herzlich wenig. Da ist ihr ein starker Auftritt, beziehungsweise Abgang, weitaus lieber.

Das bekam der bundeskanzleramtliche Sektionschef Andreas Mailath-Pokorny, der die Chefsache Kunst in der Fernseh-Diskussion beim "Treffpunkt Kultur" zu vertreten hatte, am eigenen Leib zu

verspüren. Der wichtigste Beamte der Sektion II im Bundeskanzleramt wirkte leicht verstört nach den beherzt vorgetragenen Attacken im Fernsehen und verlegte sich darauf, verlegen in die Kamera zu

lächeln. Auch eine Taktik, um den Vorwürfen der unzufriedenen Künstlerschar zu begegnen.

"Aber es ist besser, wenn man ehrlich zu sich selber ist und sich selber treu bleibt, um dann mit dieser Wut zu arbeiten · ohne gänzlich verbittert zu werden. Nur so schafft man es, die gelebte

Authentizität zu erhalten", beschwört die erklärte Gegnerin von Beschwichtigung im Gespräch ihr Credo. Sie vertraut mehr dem "Lösungsmittel" Verschärfung, als daß sie immer wieder auf

Lippenbekenntnisse und Zugeständnisse hereinfallen will. "Lieber kämpferisch auf die harte Tour eine Entscheidung herbeiführen, als sich immer wieder vertrösten zu lassen" zeigt sich die

Mitstreiterin der ersten Stunde für einen eigenen LINK-FrauenRaum von ihrer aggressiven Seite. Das führe bei vielen · männlichen · Entscheidungsträgern zu Verstörung, die sich zwar förderlich aufs

eigene Schaffen auswirke, aber ihrem öffentlichen Schaffen nicht gerade förderlich sei.

Da fühlt sie sich wohler mit Schubert, der auch erklärter Lieblingskomponist von Elfriede Jelinek ist. Und das ist nicht die einzige Parallele zur angefeindeten "Bürgerschreck"-Autorin. Die

ausgebildete und promovierte Klavierlehrerin Miki Malör entstammt einem ähnlichen Umfeld, und das prägt und verbindet. Es scheint, als würde das unausgesprochene Lebensmotto: "Viel Feind · viel Ehr"

beim Interview im Café Ritter im Raum schweben wie der bläuliche Zigarettenqualm, der der Stimme der nichtrauchenden Aktörin zusetzt. Miki Malör erhebt ihre Stimme liebend gern und sieht ihr Organ

als wichtiges Instrument der Artikulation in Frauenangelegenheiten. In den wilden achtziger Jahren, während der Neuen Deutschen Welle, nahm sie das Pseudonym Malör an · den richtigen Nachnamen möchte

sie als einen Rest von Privatsphäre bewahren. Sie spielte sich im Filmversuch "Neonmix" an der Seite von Austropopper Wilfried frei. Der Film kam zwar ins Fernsehen, war aber nicht mehr als

eine Talentprobe. Etwas besser gelang · ein knappes Jahrzehnt später · das bayrische Zelluloidwerk mit dem Kabarettisten Sigi Zimmerschied in der Rolle des "Schartl". Da reichte ihre

Performance immerhin für die weibliche Hauptrolle.

Und wie kam es ausgerechnet zu diesem Unheil verheißenden Pseudonym? Für eine Aktörin des komischen Theaters ist ein Mißgeschick ein Segen · und wird im Französischen als Malheur bezeichnet. Die

Schreibweise wurde austrifiziert. Das war die Zeit des Mitwirkens im Talenteschuppen "Hallucination Company", unter dem umtriebigen Vickerl Adam, der auch schon andere heimische Showgrößen wie

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 1998-09-04 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-03-01 16:53:00

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