• vom 20.06.2008, 14:26 Uhr

Kompendium

Update: 20.06.2008, 14:38 Uhr

Religion

"Sie starb für ihren Glauben"




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Von Evelyn Steinthaler

  • 1943 wurde Schwester Maria Restituta in Wien von den Nazis hingerichtet
  • Vor zehn Jahren, am 21. Juni 1998, ist die mutige Ordensschwester selig gesprochen worden.

Schwester Maria Restituta. Foto: Archivfoto der Franziskanerinnen v. d. christlichen Liebe

Schwester Maria Restituta. Foto: Archivfoto der Franziskanerinnen v. d. christlichen Liebe Schwester Maria Restituta. Foto: Archivfoto der Franziskanerinnen v. d. christlichen Liebe

Der "Anschluss" im März 1938 und die Machtergreifung der Nationalsozialisten bedeuteten für Helene Kafka, so der bürgerliche Name Maria Restitutas, eine inakzeptable Provokation. Für die humorvolle, lebensfrohe und energische Nonne, die nicht ohne Grund den Spitznamen "Resoluta" trug, war Hitler nichts anderes als ein "Narrischer" und sie tat dies auch lauthals kund.

Restituta, wie sie von den meisten genannt wurde, hielt nichts vom allgemein verbreiteten Mundhalten. Wo sie nur konnte, widersetzte sie sich dem braunen Regime, hielt sich mit kritischen Äußerungen und Taten nicht zurück: Sie betete verbotenerweise, aber keineswegs geheim, mit kranken polnischen Zwangsarbeitern und ersetzte 1940 in den Krankenzimmern des Mödlinger Krankenhauses, in dem sie seit 1919 tätig war, die Hakenkreuze durch Kruzifixe. Diese Aktion führte zu einem Konflikt, der ihr beinahe zum Verhängnis werden sollte.


Dennoch trotzte sie der ständig drohenden Gefahr. Am 8. Dezember 1941 kamen zwei Wehrmachtsangehörige ins Krankenhaus, um einen Verband sterilisieren zu lassen. Sie trafen die widerständige Ordensfrau und zeigten ihr den Text eines kritischen Soldatenliedes, dessen Schlussverse lauteten:

" ...Was haben die Völker uns getan?

Wir nehmen die Waffen nur in die Hand

zum Kampf fürs freie Vaterland,

gegen das braune Sklavenreich,

für ein glückliches Österreich!"

Restituta ließ das Lied von einer Angestellten abschreiben, doch eine Blaupause davon gelangte in die Hände des SS-Arztes Stumfohl. Der überzeugte Nationalsozialist, der die Stelle eines vertriebenen jüdischen Arztes übernommen hatte, wurde von Restituta in aller Öffentlichkeit als "Nichtskönner" bezeichnet, und war ihr deshalb feindlich gesonnen. Nun war der Zeitpunkt der Rache für ihn gekommen - er denunzierte die Nonne. Am 18. Februar 1942, kurz nachdem die Blaupause gefunden worden war, stürmte die Gestapo den Operationssaal des Krankenhauses und verhaftete Maria Restituta.

Ein Blick zurück

Helene Kafka ist am 1. Mai 1894 als sechstes von sieben Kindern des Schuhmachergehilfen Anton Kafka und der Blütenmacherin Maria Kafka, geborene Stehlik, in Brünn zur Welt gekommen. Als Helene gerade zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Wien. Die Kafkas hatten im Brünner Stadtteil Husovice in ärmlichen Verhältnissen gelebt; die Hoffnung, es würde in Wien rasch besser werden, erfüllte sich nicht. Die Familie lebte in mehr als bescheidenen Verhältnissen in der Wiener Brigittenau.

Der Wunsch, einem Orden beizutreten, keimte schon früh in Helene, die in den ersten Jahren ihres Lebens stotterte und mit brachialpädagogischen Mitteln "geheilt" wurde. Unter anderem wurde ihr ein dreimonatiges Redeverbot auferlegt, in der damaligen Zeit eine verbreitete Therapie gegen das Stottern.

Nach dem Besuch der Bürgerschule arbeitete die junge Helene zunächst in einer Trafik. Doch bald wurde sie im Krankenhaus Lainz als Hilfskrankenschwester angestellt. Die Freude an dieser Arbeit, möglicherweise auch die Hoffnung, der familiären Armut zu entkommen und anderen aus einer gesicherten Position heraus helfen zu können, führte Helene im Alter von 19 Jahren in den Orden der "Franziskanerinnen von der christlichen Liebe", den sogenannten Hartmannschwestern. Ihre Tätigkeit als Ordenskrankenschwester nahm sie im Mödlinger Spital auf, wo sie Jahre später ihr Schicksal ereilen sollte.

Die Gefangenschaft

Es war am Aschermittwoch des Jahres 1942, als die Denunziation des SS-Arztes Stumfohl schlimme Folgen zeitigte: Schwester Restituta, die Aufrechte, kam nach Wien und durchlief wie viele andere Widerständige die Wiener Stationen der Haft: "Die Liesl" (Elisabethpromenade, heute: Polizeigefängnis Rossauerlände) und "das Einser Landl" (Wiener Landesgericht), wo auch die Hinrichtungen mit der Guillotine durchgeführt wurden.

Auch in der Gefangenschaft ließ sich Schwester Restituta weder einschüchtern noch davon abbringen, anderen zu helfen. Wo sie konnte, stand sie ihren Mitgefangenen bei, mit ihrer Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit und ihrem Glauben, aber auch mit ihrem fundierten medizinischen Wissen. Für die Gefangenen war es von unschätzbarem Wert, für wenigstens ein paar Stunden aus den beengten Zellen ins Inquisitenspital zu können und dort auf andere Häftlinge zu treffen. Restituta verhalf ihnen dazu, indem sie ihnen erklärte, wie man Gallenkoliken oder Magenbeschwerden vortäuschen kann.

Die Festnahme Restitutas wirft, trotz aller späteren Bemühungen um die Seligsprechung der Nonne, kein allzu gutes Licht auf die katholische Kirche. Es dauerte drei lange Monate, bis Kardinal Innitzer ein Gnadengesuch für die kämpferische Nonne an die Nationalsozialisten richtete. Kirchenintern war man der Meinung, dass eine Nonne nicht nur Jesus und Gott anzuerkennen, sondern sich auch demütig dem weltlichen Führer Hitler zu unterwerfen hätte. Das verzögerte Gnadengesuch wurde schließlich von Martin Bormann persönlich abgelehnt.

Nach einem Verhör bei der Gestapo durch den berüchtigten Schläger Franz Punz, bei dem ihre Nonnenkutte zerrissen wurde, brachte eine ihrer leiblichen Schwestern Zivilkleidung ins Gefängnis. Maria Restituta wurde dennoch nicht wieder zu Helene Kafka. Ihrem Prinzip des Widerstandes entsprechend blieb sie bei ihren Mitgefangenen und erledigte mit ihnen zusammen Arbeiten wie das Auftrennen verschmutzter Soldatenbekleidung.

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Dokument erstellt am 2008-06-20 14:26:12
Letzte Änderung am 2008-06-20 14:38:00


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