• vom 20.06.2008, 14:26 Uhr

Kompendium

Update: 20.06.2008, 14:38 Uhr

Religion

"Sie starb für ihren Glauben"




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Schwester Maria Restituta. Foto: Archivfoto der Franziskanerinnen v. d. christlichen Liebe

Schwester Maria Restituta. Foto: Archivfoto der Franziskanerinnen v. d. christlichen Liebe Schwester Maria Restituta. Foto: Archivfoto der Franziskanerinnen v. d. christlichen Liebe

Vom 5. Strafsenat wurde Schwester Maria Restituta am 29. Oktober 1942 wegen "Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat" zum Tode verurteilt, und am 30. März 1943 als eine von 18 Verurteilten - darunter fünf Straßenbahner aus Wien und zwei weitere Frauen - im Wiener Landesgericht hingerichtet.

Entgegen der nationalsozialistischen Propaganda waren nicht alle im Wiener Landesgericht Hingerichteten Kommunisten, sondern auch Schutzbündler, Monarchisten, Katholiken - kurz, Menschen unterschiedlicher Herkunft, die alle gegen das unmenschliche Regime auftraten.

Trotz kirchlichem Verlangen wurden die sterblichen Überreste der hingerichteten Ordensfrau nicht ihrem Orden übergeben. Maria Restitua wurde in der Nacht auf dem Wiener Zentralfriedhof verscharrt, wohl deshalb, weil man eine rasch aufkeimende Märtyrer-Verehrung fürchtete.

Mythenbildungen

In der Tat bildeten sich um die aufrechte Ordensfrau bald Mythen. Nach dem Krieg erzählte die Kommunistin und Zellengenossin Anna Haider, dass Restituta in der Todeszelle gestrickt habe. Dieses Bild von der strickenden Nonne wurde auch in das Restituta-Musical übernommen, das 2003 im Brigittenauer Gymnasium aufgeführt wurde, doch es entspricht nicht den Tatsachen: Die Nationalsozialisten haben nachweislich niemandem erlaubt, in der Todeszelle Stricknadeln oder Ähnliches zu verwenden. Die Häftlinge durften sich durch keinerlei Beschäftigung ablenken, sie wurden gezwungen, tatenlos und demütig auf ihre Hinrichtung zu warten.

In der sogenannten 40er Gruppe am Wiener Zentralfriedhof wurde nicht nur die Leiche der seligen Maria Restituta verscharrt, sondern auch die sterblichen Überreste von etwa 2700 Widerstandskämpfern, die für ihren Glauben an ein demokratisches, antifaschistisches Österreich in Wien hingerichtet wurden.

Die wechselvolle Geschichte der 40er Gruppe illustriert den Umgang der Zweiten Republik mit diesen Helden, ohne deren Kampf für ein freies Österreich die Durchsetzung des Staatsvertrages weitaus schwieriger gewesen wäre. Denn die Moskauer Deklaration war nicht die einzige Begründung für die Alliierten Mächte, das befreite Österreich schon 1955 wieder souverän werden zu lassen. Nach ersten Bemühungen durch ehemalige Mithäftlinge und die Sowjetischen Alliierten scheiterte der Versuch, die 40er Gruppe zu einer würdevollen Stätte des Gedenkens zu machen, jahrzehntelang an der bürokratischen Haltung Österreichs. Die Zuständigkeiten zwischen der Stadt Wien und dem Innenministerium sind zwar klar verteilt, aber ein wirkliches Engagement für eine ehrenvolle Erinnerung an die Hingerichteten zeigt sich bis heute weder da noch dort.

Restituta-Gedenkstätten

Auf dem kleinen Grabstein der Seliggesprochenen steht zu lesen: "Sie starb für ihren Glauben und ein freies Österreich" . Im Wiener Hartmannspital gibt es eine Dauerausstellung zu Leben und Wirken der Seligen Maria Restituta. In Mödling wurde ihr zum Gedenken die westliche Hälfte der Weyprechtgasse (vor dem Krankenhaus) in "Schwester-Maria-Restituta-Gasse" umbenannt. 2006 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig dort einen jener "Stolpersteine", die er auch in Wien und an vielen anderen Orten Europas als kleine Mahnmale für die Opfer des Nationalsozialismus installiert. Im 20. Wiener Bezirk gibt es seit dem Jahr 2000 den Maria-Resituta-Platz. An verschiedenen Schauplätzen ihres Lebens wird also ihrer gedacht.

Die Seligsprechung am 21. Juni 1998 durch Papst Johannes Paul II. am Wiener Heldenplatz, die vom Wiener Restituta-Forum jahrelang auf den unterschiedlichsten Ebenen vorangetrieben wurde, war ein wichtiger Schritt für die Anerkennung ihres antifaschistischen Engagements seitens der Kirche. Eine weitere, höchst notwendige Anerkennung wäre nun die Umwandlung der Grabstellen der 40er Gruppe in Ehrengräber - für Restituta und für tausende andere Männer und Frauen, die als Widerstandskämpfer hingerichtet worden sind. Eine Verpflichtung für das offizielle Österreich, das nur den Entschluss dazu fassen müsste.

Evelyn Steinthaler lebt als Journalistin und Autorin in Wien. Sie ist die Herausgeberin des Buches "Frauen 1938. Verfolgte - Widerständige - Mitläuferinnen", das vor kurzem im Wiener Milena Verlag erschienen ist.

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Dokument erstellt am 2008-06-20 14:26:12
Letzte Änderung am 2008-06-20 14:38:00


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