• vom 13.01.2019, 08:00 Uhr

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Zeitgeschichte

Dreizehn Jahre Trockenheit – Prohibition in den USA




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Von Christian Hütterer

  • Ein Rückblick auf ein Experiment, das vor einhundert Jahren grandios scheiterte.



Alkohol-Vernichtung unter Polizei-Aufsicht: New York, ca. 1921.

Alkohol-Vernichtung unter Polizei-Aufsicht: New York, ca. 1921.© Getty Images/Buyenlarge Alkohol-Vernichtung unter Polizei-Aufsicht: New York, ca. 1921.© Getty Images/Buyenlarge

Lincoln, die Hauptstadt des US-amerikanischen Bundesstaates Nebraska, ist alles andere als eine beeindruckende Metropole. Vor hundert Jahren wurde dort aber eine Entscheidung getroffen, die eines der größten sozialpolitischen Experimente der Geschichte in die Wege leitete. Ein Beschluss des Kongresses von Nebraska am 19. Jänner 1919 machte es nämlich möglich, die Produktion und den Verkauf von Alkohol in den gesamten Vereinigten Staaten zu verbieten. Es war der Startschuss für jene dreizehn Jahre dauernde Ära, die als Prohibition bezeichnet wird.

Wie kam es zu diesem radikalen Vorhaben? Der Umgang mit Alkohol war in den Vereinigten Staaten stets sehr kontrovers und spaltete das Land entlang verschiedener Trennlinien. In geografischer Hinsicht waren es die dünn besiedelten ländlichen Gebiete im Westen und Süden, die sich für ein Verbot aussprachen, während die städtisch geprägten Regionen im Osten des Landes eine entspanntere Haltung gegenüber dem Alkohol einnahmen. Unter den religiösen Gruppierungen machten vor allem evangelikale Kirchen mobil und verteufelten den Alkohol, Lutheraner und Katholiken hielten ihn hingegen für eine Gabe Gottes.

Moderne Kampagnen

Und auch ethnische Bruchlinien machten sich bemerkbar. So war etwa ein Großteil der Bierbrauereien im Eigentum deutschstämmiger Amerikaner. Sie waren natürlich an einem guten Gang ihrer Geschäfte interessiert und überzogen das ganze Land mit Biergärten nach bayerischem Vorbild, um ihre Produkte an den Mann zu bringen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges verloren diese Produzenten und ihr Bier allerdings viele Sympathien in der US-Bevölkerung. Aber nicht nur für die Brauer änderte sich nach dem Eintritt der USA in den Krieg im Jahr 1917 vieles. Um die Lebensmittelvorräte zu sichern, verbot die Regierung, aus Getreide Alkohol zu destillieren, und der Nachschub des beliebten Whiskeys begann zu stocken.

Information

Christian Hütterer, geboren 1974, Studium von Politikwissenschaft und Geschichte, lebt und arbeitet in Brüssel.

Zahlreiche Organisationen führten den Kampf gegen den Teufel Alkohol, allen voran die damals größte Frauenorganisation der Welt, die Woman’s Christian Temperance Union, sowie die Anti-Saloon League, die mit ihren beträchtlichen Finanzen ihr gewogene Politiker unterstützte. Die Anhänger der Prohibition führten ihre Kampagnen mit modernen Mitteln und nutzten die aufkommenden Massenmedien, um Stimmung für ihre Sache zu machen.

Mit Erfolg: Im Dezember 1917 wurde im Kongress in Washington ein Antrag eingebracht, die Verfassung um einen Zusatz zu erweitern, durch den die Produktion und der Verkauf von "berauschenden Getränken" im ganzen Land verboten wurde. Präsident Wilson versuchte noch, dies zu verhindern, wurde aber von den Parlamentariern überstimmt. Damit das Gesetz in Kraft treten konnte, musste es noch von mindestens 36 der damals 48 Bundesstaaten ratifiziert werden. Hier schlug die Stunde von Nebraska. Als 36. Staat wurde dort am 16. Jänner 1919 die Annahme des Alkoholverbots beschlossen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-11 13:26:21
Letzte Änderung am 2019-01-11 14:51:55



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