• vom 16.12.2011, 14:00 Uhr

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Update: 16.12.2011, 14:33 Uhr

Kapitalismus

Profite in der Schlossallee




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Von Jeannette Villachica

  • "Monopoly" ist das erfolgreichste Gesellschaftsspiel weltweit. Ein neues Buch beschreibt, wie das Spiel widersprüchliche ökonomische Denkansätze zu einem künstlichen Wirtschaftssystem verbindet.

Global Players: Szene aus der "Monopoly"-Weltmeisterschaft 2004 in Tokyo.

Global Players: Szene aus der "Monopoly"-Weltmeisterschaft 2004 in Tokyo.© Foto: epa/ Toshiki Sawaguchi Global Players: Szene aus der "Monopoly"-Weltmeisterschaft 2004 in Tokyo.© Foto: epa/ Toshiki Sawaguchi

Wer kennt es nicht, das Spiel mit dem quadratischen, blassgrünen Spielfeld, bei dem man seine Geldgier so richtig ausleben kann? Monopoly gibt es seit 76 Jahren, 275 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft - mehr als von jedem anderen Gesellschaftsspiel. Von den USA aus zog das Spiel nach Europa und dann in die ganze Welt; heute werden 43 länderspezifische Ausgaben angeboten. Im Laufe der Jahre erschienen immer neue Ableger wie Monopoly World, Monopoly Disney, Monopoly Banking, eine Ausgabe für Blinde, zahlreiche regionale Editionen wie die bayerische Version, exklusive Firmen- und Jubiläumsausgaben. Zum 75. Geburtstag des Spieleklassikers erschien im letzten Jahr "Monopoly Revolution" mit einem runden Spielbrett in Schwarzweiß, bargeldlosem Zahlungsverkehr und futuristisch anmutenden Spielfiguren. Und natürlich kann man Monopoly auch längst auf dem Computer und online spielen.


Dass Monopoly jedoch mehr ist als ein Gesellschaftsspiel und vor allem mehr als ein "erzkapitalistisches Grundbesitzerspiel", wie es Vertreter der politischen Linken insbesondere der 68er-Generation immer wieder bezeichneten, zeigt Andreas Tönnesmann in seinem Buch "Monopoly. Die Stadt, das Kapital und das Glück", das kürzlich in der "Kleinen Kulturwissenschaftlichen Bibliothek" des Wagenbach Verlags erschienen ist.

Regelveränderungen

Information

Andreas Tönnesmann: Monopoly: Das Spiel, die Stadt und das Glück.Wagenbach Verlag, 144 Seiten mit vielen, teils farbigen Abbildungen. 23,60 Euro.

Tönnesmann studierte Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft an deutschen und italienischen Universitäten und lehrt Kunst- und Architekturgeschichte in Zürich und Basel. Dieses Buch beginnt er mit eigenen Kindheitserinnerungen: "Rücke vor bis zur Schlossallee. Fünf Worte, ich erinnere mich genau, haben über mein Schicksal entschieden", schreibt der Autor, Jahrgang 1953, und meint damit, dass er nach dem Ziehen der Ereigniskarte mit diesen fünf Worten und nachdem er die Wuchermiete an den Besitzer der Schlossallee gezahlt hatte - wenn er sie überhaupt bezahlen konnte - oft pleite war. Das Spiel war damit für ihn beendet - es sei denn, sein Bruder, der fast jedes Spiel gewann, bot ihm ein Darlehen an. Die Regeln sähen das zwar nicht vor, schreibt Tönnesmann, aber durch die Verbreitung des Spiels hätten sich so viele Varianten eingebürgert, dass kaum jemand Monopoly exakt nach den Regeln spiele.

Spielprinzip und Gestaltung der klassischen Edition haben sich durch die Jahrzehnte hindurch kaum verändert. Es geht darum, möglichst schnell strategisch klug Straßen, Plätze, Bahnhöfe sowie Elektrizitäts- und Wasserwerk (in manchen Länderausgaben auch ganze Städte) zu kaufen, darauf Häuser und Hotels zu errichten und so durch die teilweise extrem hohe Miete, die Mitspieler zahlen müssen, die durchs Würfeln auf diese Felder kommen, ein Monopol zu errichten. Die zwei bis acht Spieler ziehen im Kreis und überwinden dabei Hindernisse, die ihnen unter anderem durch Ereignis- und Gesellschaftskarten gestellt werden. Wer zahlungsunfähig wird, fällt aus dem Spiel. Wer zuletzt übrig bleibt, hat gewonnen. Über Gewinner und Verlierer entscheidet zum Großteil die Augenzahl der Würfel, also der Zufall.

Besonders Jugendliche genießen es bis heute, dass das Spiel ohne intellektuellen oder pädagogischen Anspruch daherkommt und man, um zu gewinnen, wie Tönnesmann meint, "ein gehöriges Maß an Rücksichtslosigkeit, ja Niedertracht mitbringen sollte". Erwachsene fragen sich dagegen oft, ob ihre Kinder durch die schier unerschöpflichen Möglichkeiten der Geldvermehrung bei Monopoly nicht zu Zockern und skrupellosen Kapitalisten erzogen werden; sie wollen ihren Kindern nicht den Spaß verderben, viele Eltern finden jedoch, das Spiel gebe vor, es sei möglich und erstrebenswert, mit ein bisschen Glück und Taktieren und auf Kosten seiner Mitmenschen schnell reich zu werden.

Politische Gegenspieler
Zwischen 1968 und 1980 entstanden diverse Anti-Monopoly-Varianten, bei denen Monopole zerschlagen werden oder Arbeiter und das "Kapital" gegeneinander kämpfen sollten. In der DDR und den Ostblockstaaten war Monopoly verboten, was das Spiel als Schmuggelware umso begehrter machte. Ob gewollt oder nicht, Monopoly ist immer politisch. Duch das materialistische Ziel des Spiels und die Auswahl der Straßen- beziehungsweise Städtenamen entspricht der Spielplan dem jeweiligen Ideal einer Stadt oder eines Staates. Ein Beispiel ist die israelische Version, wo es nur Straßennamen und Städte gibt, die vorwiegend jüdisch besiedelt oder zionistische Neugründungen sind. Arabisch besiedelte Städte wie Bethlehem kommen nicht vor. Wie verbreitet das Spiel schon im Europa der Vierziger Jahre war, zeigt die Tatsache, dass es sogar eine Ausgabe namens Ghetto gab, deren Spielplan dem Konzentrationslager Theresienstadt nachempfunden und dort per Hand hergestellt wurde. Die erste deutsche Ausgabe war bereits 1937 erschienen, verkaufte sich jedoch schlecht. Eine deutsche Neuausgabe erschien 1953 und wurde sofort erfolgreich. Dieses Mal war der Spielplan nicht Berlin nachempfunden, sondern zeigte eine fiktive westdeutsche Stadt. In Österreich gab es vor der Einführung einer österreichischen Monopoly-Version sehr ähnliche Spiele wie Business, Spekulation und DKT - Das kaufmännische Talent. Der Wiener Spielehersteller Piatnik lizensierte Monopoly für Österreich; seit 1991 werden österreichische Ausgaben (unter anderem die Standardversion und Monopoly Banking) von Hasbro unter dem Label Parker Brothers vertrieben.

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Schlagwörter

Kapitalismus, Spiele, Extra

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-12-16 14:29:10
Letzte Änderung am 2011-12-16 14:33:44


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