• vom 20.07.2012, 14:04 Uhr

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Update: 22.10.2018, 12:51 Uhr

1972

Als die Welt zum Ghetto wurde




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War: The World Is A Ghetto

1972 hatten sich War längst vom Image der Begleitband von Eric Burdon, als welche sie zwei Jahre zuvor bekannt geworden waren, freigespielt - und sich einen Platz unter den besten und beliebtesten Vertretern der Black Music erkämpft. Und sie trugen ihre unwiderstehliche Mischung aus Funk, Soul, Jazz und Blues ins Herz der Musikwelt.

"The World Is A Ghetto" schaffte es ganz an die Spitze der amerikanischen Charts, sowohl als Album, als auch als Titelsong. Eine der Stützen des unverwechselbaren War-Sounds war ausgerechnet ein Däne, Lee Oskar, dessen virtuoser Umgang mit der Mundharmonika das tonale Bild der Band wesentlich prägte. Und "War" waren auch eine Antithese zum Rassismus, denn die Band stieß sich nie daran, dass Oskar ein Weißer war. Höhepunkte dieser grandiosen Scheibe sind neben der Titelnummer das funkige "The Cisco Kid" und das spannende "City, Country, City", auf dem alle Bandmitglieder ihr Können, das jenes der meisten anderen Musiker jener Zeit übertraf, vorstellen durften.

Stevie Wonder: Talking Book

Diese Platte überzeugte noch die letzten Zweifler davon, dass Stevie das Zeug zum Superstar hatte. Die Verknüpfung beatlesartiger Melodien mit inoffensivem Funk und vorsichtig angejazzten Akkorden war unwiderstehlich. Wonder erklomm damit, nach 15 Jahren im Business, endlich die letzte Sprosse zum Welterfolg. Neben vielen anderen Hits ist darauf auch das so oft nachgespielte und kopierte "Superstition", ein Song, der noch die müdesten Lenden zu funkiger Aktivität anregt.

Aphrodite’s Child: 666

Diese Platte muss man allein schon deswegen besitzen, um zu hören, wie die Schauspielerin Irene Papas in dem Song "Infinity" immer und immer wieder "I was, I am, I am about to come" schreit, stöhnt, keucht, maunzt und kreischt, als hätte sie gerade den großartigsten Sex im Universum. Mit Satan persönlich vermutlich.

"666" ist die letzte und bei weitem beste Platte der griechischen Combo rund um Vangelis Papathanassiou und Demis Roussos, die hier nichts Geringeres versuchen, als die Offenbarung des Johannes, das vielleicht seltsamste und rätselhafteste religiöse Buch aller Zeiten, zu vertonen. Eine gute Themenauswahl, wenn man beabsichtigt, der Welt zu zeigen, wie richtig ausgeflippter Psychedelic-Prog-Art-Rock zu klingen hat. Es gibt aber neben den LSD-durchtränkten Freak-Outs auch eingängige Songs auf dem Album, etwa das hymnenhafte "The Four Horsemen", das bessere DJs bis heute gerne zu vorgerückter Stunde auflegen.

Jethro Tull: Thick As A Brick

Es sollte ein Scherz werden. Nachdem die Kritiker die Platte "Aqualung" trotz aller Dementis der Band als "Konzeptalbum" bezeichnet hatten, wollte Ian Anderson die Musikpresse einmal so richtig reinlegen - und behauptete, "Thick As A Brick" sei die Vertonung des gleichnamigen Gedichts eines zehnjährigen Wunderkinds names Gerald Bostwick, das bei einem Literaturwettbewerb disqualifiziert worden sei, da sein Poem "obszön" und der Autor "mental instabil" sei.

Zum "Beweis" ließen Jethro Tull auf dem Cover Zeitungsberichte über den angeblichen Skandal nachdrucken. Alles Fake, alles als Parodie auf die "aufgeblasenen, größenwahnsinnigen Konzeptalben von Yes und Konsorten" (Anderson) gemeint. Tatsächlich aber ist die Satire auf die "Gymnasiasten-Teenage-Angst" der Marke Genesis oder Pink Floyd so gelungen, dass Andersons Texte das Thema besser und literarisch hochwertiger abhandeln als die meisten der persiflierten Vorlagen. Auch die Musik, obwohl aus nur zwei jeweils plattenseitenlangen Songs bestehend, überzeugte sowohl künstlerisch, als auch kommerziell. Heuer ist dazu übrigens ein später zweiter Teil erschienen.

Little Feat: Sailin’ Shoes

Kokainbäume, Teenagernervenzusammenbrüche, drogensüchtige Lastwagenfahrer auf großer Fahrt und Politikverweigerer mit Gewichtsproblemen, die nicht einmal dann ans Telefon gehen, wenn Mao persönlich anruft - das alles und noch mehr vermengte diese große Band zum musikalischen Porträt eines Paralleluniversumamerikas, in dem man im Cadillac durch das Land brausen und durch die Windschutzscheibe die wunderlichsten Dinge begutachten kann. Dazu spielen Little Feat, die aus Musikern bestanden, die so gut waren, dass zu ihren Fans vor allem andere Musiker zählten, etwas vom Anspruchsvollsten und Besten, was die 70er Jahre hervorzubringen im Stande waren.

Weitere wichtige Platten aus 1972:

John Lennon: "Some Tine In New York City". Wishbone Ash: "Argus". J.J. Cale: "Naturally". Deep Purple: "Machine Head". Sandy Denny: "Sandy". Manfred Mann’s Earth Band: "Glorified Magnified". Genesis: "Foxtrot". Roxy Music: "Roxy Music". The Allman Brothers: "Eat A Peach". Steely Dan: "Can’t Buy A Thrill". Randy Newman: "Sail Away". Grateful Dead: "Europe ’72". Paul Simon: "Paul Simon". Curtis Mayfield: "Super Fly". Van Morrison: "Saint Dominic’s Preview". Elton John: "Honky Chateau". Joni Mitchell: "For The Roses". Alice Cooper: "School’s Out". Mott The Hoople: "All The Young Dudes". Captain Beefheart: "Clear Spot". Frank Zappa: "Waka/Jawaka". Humble Pie: "Smokin’". Tim Buckley: "Greetings From L.A.". T. Rex: "The Slider". Yes: "Close To The Edge". Pink Floyd: "Obscured By Clouds". Neu: "Neu". Can: "Ege Bamyasi". Miles Davies: "On The Corner". The Band: "Rock Of Ages". Aretha Franklin: "Amazing Grace". John Mayall: "Jazz Blues Fusion". Focus: "Focus III". Jerry Garcia: "Garcia". Ton, Steine, Scherben: "Keine Macht für Niemand". Georg Danzer: "Der Tschik".




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Dokument erstellt am 2012-07-20 14:11:09
Letzte Änderung am 2018-10-22 12:51:45


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