• vom 26.07.2013, 14:20 Uhr

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Update: 26.07.2013, 14:24 Uhr

Motorsport

Qualvoller Tod in den Flammen




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Von Thomas Karny

  • Vor 40 Jahren verbrannte der Formel-1-Fahrer Roger Williamson im Grand Prix von Holland in Zandvoort. Vor den TV-Geräten erlebten Millionen von Zuschauern die erschütternde Hilflosigkeit der Rettungskräfte.

David Purley, der einzige Fahrer, der Williamson zu retten versuchte.

David Purley, der einzige Fahrer, der Williamson zu retten versuchte.© Foto: Archiv David Purley, der einzige Fahrer, der Williamson zu retten versuchte.© Foto: Archiv

Wohl kaum einem Zuschauer war aufgefallen, dass Roger Williamson in seinem March nicht rechtzeitig an den Start gerollt war und deswegen den holländischen Grand Prix in Zandvoort am 29. Juli 1973 aus der letzten Reihe aufnehmen musste. Doch wie durch Blitz und Donner zugleich wird der Brite wenige Runden später in den Fokus der Aufmerksamkeit geschmettert: Sein Wagen hatte sich überschlagen und schlittert brennend mit dem Heck voran die rechte Leitschiene entlang. Der Feuerball, dem ein gewaltiger glühender Schweif hintennach züngelt, kommt erst nach einer halben Ewigkeit zum Stehen.

Millionen Formel-1-Fans vor ihren TV-Geräten sehen nun, wie ein Rennfahrerkollege, der seinen Wagen am linken Streckenrand abgestellt hat, quer über die Piste zur Unfallstelle spurtet. Er versucht, den brennenden Wagen auf die Räder zu kippen, um dadurch die Rettung des darin festsitzenden Kameraden zu ermöglichen. Der jedoch, so wird man später sagen, hatte zu jenem Zeitpunkt so gut wie keine Chance mehr, diesen Unfall zu überleben.


Angst vor dem Feuer
Es war das Feuer, das die Rennfahrer lange Zeit am meisten fürchteten. Benzin, das aus hauchdünnen Alutanks, die zuweilen schon ein zu harter Drift über die Randsteine leck schlug, austrat und sich am heißen Motor entzündete. Die Angst, bei einem Unfall im Wagen eingeklemmt hilflos zu verbrennen, saß den Fahrern permanent im Nacken.

Da half auch nicht, dass nach dem Feuertod des Italieners Lorenzo Bandini in Monte Carlo 1967 fortan gut ausgerüstete Feuerwehrleute entlang der Strecke für die rasche Eindämmung von Autobränden sorgen sollten. Denn die Serie der Feuerunfälle ging weiter. Jo Schlesser verbrannte 1968 in Rouen, Piers Courage 1970 in Zandvoort. Dieser britische Fahrer, ein Brauereierbe, wurde von einem wahren Flammeninferno, das der hohe Magnesiumanteil in der Konstruktion seines Boliden ausgelöst hatte, geradezu heißhungrig verschlungen. Der Brand hatte sogar auf umstehende Bäume übergegriffen, die Feuerwehr benötigte Stunden, ihn zu löschen.

Der Flammentod von Jo Siffert beim World Championship Victory Race in Brands Hatch 1971 führte zu einer Diskussion über die Sinnhaftigkeit der seit jener Saison vorgeschriebenen Sicherheitsgurte. Noch immer fürchteten viele Fahrer, das Cockpit könne bei einem defekten Verschluss zur Feuerfalle werden.

Im südafrikanischen Kyalami 1973 wurde der Schweizer Clay Regazzoni von seinem Fahrerkollegen Mike Hailwood gerade noch rechtzeitig aus seinem lichterloh brennenden BRM gehievt. In Silverstone wird nach einem Massenunfall erstmals in der WM-Geschichte ein Rennen unterbrochen, im kanadischen GP von Mosport erstmals das Pace-Car eingesetzt. Sportlich geriet jene Saison zum Duell zwischen dem regierenden Champion Emerson Fittipaldi aus Brasilien und dem schottischen Doppelweltmeister Jackie Stewart. Am Ende hatte Stewart seinen dritten Titel in der Tasche und trat mit der beachtlichen Erfolgsquote, 27 von 99 Grand Prix gewonnen zu haben, vom Rennsport zurück. Der Brite James Hunt fuhr im neu gegründeten Rennstall von Lord Alexander Hesketh gleich 14 WM-Punkte ein, und Niki Lauda hatte in Monte Carlo mit einem Höllenritt in seinem BRM das Ticket für Ferrari gelöst.

Ein junges Talent
Auch für den 25-jährigen Roger Williamson hätte 1973 der Start für eine aussichtsreiche Formel-1-Karriere werden können. Der sympathische Brite hatte sich in niedrigen Rennklassen einen Namen gemacht und war vom englischen Renn-Scout Tom Wheatcroft zu March gelotst worden. Der 1970 von Max Mosley, Graham Coaker und Robin Herd gegründete Rennstall galt als Einsteigerteam, wo Talente wie Ronnie Peterson, François Cevert und auch Niki Lauda ihren ersten Schliff bekommen hatten. Williamson feierte in Silverstone sein Formel-1-Debüt - und beendete es noch in der ersten Runde in einer Massenkarambolage.

Zandvoort, sein zweiter Grand Prix, wird sein letzter. Es heißt, dass aus dem brennenden Wagen noch seine Schreie zu hören waren. Streckensicherungsfunktionäre kommen hinzu, weichen aber mangels entsprechender Kleidung und Ausrüstung vor dem Feuer zurück. Den Boliden auf die Räder zu drehen, war nicht geglückt. Der Rennfahrerkollege, mit feuerfestem Overall und Helm als Einziger entsprechend adjustiert, hat mittlerweile einem Streckenposten den Feuerlöscher entrissen, ihn nach mehreren hastigen Versuchen in Betrieb gesetzt und hält den Schaumstrahl nun auf die Flammen zu. Doch ihrer ist nicht Herr zu werden.

Mittlerweile stehen vier Streckenposten neben dem brennenden Boliden - und bieten ein Bild erschütternder Hilflosigkeit. Einer wirbelt mit dem Fuß Sand in das Feuer, als würde er einen Hund verscheuchen. Ein anderer deutet den Piloten in den vorbeifahrenden Wagen mit sparsamen Handbewegungen, sie mögen ihr Tempo reduzieren. Ein weiterer dreht sich rat- und tatlos zur Seite, der vierte ist es wohl, der einen Notruf an die Rennleitung absetzt.

Dort erhält man in Ermangelung eines Fernsehapparats keine Bilder von dem Drama, das sich im Streckenabschnitt Tunnel Oost abspielt. Die Qualmwolken, die von der Unfallstelle aufsteigen, werden als Rauch eines Lagerfeuers, das Zuschauer entfacht haben, missinterpretiert. Da die Fahrer ihre Geschwindigkeit kaum ändern und die Rundenzeiten mehr oder weniger konstant bleiben, sieht man sich auch nicht veranlasst, das Rennen zu unterbrechen. Offenbar hat der Notruf die Rennleitung nie erreicht.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-07-25 16:23:09
Letzte Änderung am 2013-07-26 14:24:53


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