• vom 06.12.2013, 15:50 Uhr

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Update: 06.12.2013, 16:22 Uhr

Hugo Sperber

Ein geistvoller Advokat




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Von Robert Sedlaczek

  • Dr. Hugo Sperber (1885-1938) war ein Zitatenlieferant für Friedrich Torberg und prägte das Rechtsdenken seiner Zeit - wir baten ihn zu einem fiktiven Gespräch mit Spitzenjuristen.

Franz Elbogen, Egon Dietrichstein und Hugo Sperber (von links nach rechts), Wien, ca. 1912.

Franz Elbogen, Egon Dietrichstein und Hugo Sperber (von links nach rechts), Wien, ca. 1912.© Hanni Forester Franz Elbogen, Egon Dietrichstein und Hugo Sperber (von links nach rechts), Wien, ca. 1912.© Hanni Forester

Der folgende Text ist eine Montage aus den Redebeiträgen einer öffentlichen Podiumsveranstaltung zu Hugo Sperber im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts, sowie aus Auszügen aus dem Buch "Die Tante Jolesch und ihre Zeit."

Wiener Zeitung: Herr Dr. Hugo Sperber! Die meisten kennen Sie ja nur aus Friedrich Torbergs "Tante Jolesch". Dort lesen wir, dass Sie mit dem Slogan "Räuber, Mörder, Kindsverderber gehen nur zu Doktor Sperber" für ihre Kanzlei werben wollten.


Hugo Sperber (mit röhrender Stimme): Torberg? Wer ist das?

Er hat 1975 ein äußerst erfolgreiches Buch herausgebracht. Dort findet sich nicht nur Ihre Lebensgeschichte. Torberg zitiert Sie auch mit einigen Sprüchen, die inzwischen unter Juristen zur Legende geworden sind.

Sperber: Ach, ja. Ich habe häufig im Café Herrenhof Karten gespielt, zum Beispiel mit dem Journalisten Egon Dietrichstein und mit Franz Elbogen - seiner Familie gehörte ein Talkumbergwerk in der Steiermark. Bei unseren Kartenrunden hat immer wieder ein junger Mann gekiebitzt. Das wird er wohl gewesen sein. Ich glaube, er war rund zwanzig Jahre jünger als ich. Manchmal hat er mich auf dem Heimweg in die Landesgerichtsstraße 20 begleitet, dort habe ich gewohnt und dort war meine Kanzlei.

Ernst Schillhammer: Diesem jungen Mann ist es zu verdanken, dass Sie unsterblich geworden sind, lieber Herr Kollege. Viele Sprüche, die Sie geprägt haben, sind Allgemeingut geworden. Zum Beispiel "Hohes Gericht, mein Mandant verblödet mir unter der Hand!"

Sperber: Wahrscheinlich hängt das mit meiner volksbildnerischen Tätigkeit zusammen. Ich war seit 1918 Leiter der Sektion 2 des Bezirks Leopoldstadt und habe dieses Amt bis zur Auflösung der Sozialdemokratischen Partei im Jahr 1934 bekleidet. Ich habe nicht nur Vorträge über Rechtsfragen des täglichen Lebens gehalten, sondern auch über Heiteres aus dem Gerichtssaal . . .

. . . aha, das hat dann wahrscheinlich in Wien die Runde gemacht. Ihre Anekdoten haben sogar den Weg nach Amerika gefunden. In einer Ausgabe der "New York Post" im Mai 1948 konnte man über Sie lesen: "The Viennese criminal laywer Dr. Hugo Sperber once defended a man accused of stealing a chicken from Vienna’s Schrebergardens. Sperber’s summation to the jury, which won an acquittal, consisted of only three words. He shrugged his shoulders and said: Gentlemen, ONE chicken?"

Sperber(leicht verärgert): Bin ich eigentlich nur durch Anekdoten in Erinnerung geblieben? Erinnert sich niemand, dass ich 1934 einen dummen Burschen, der einen Anschlag auf die Donauuferbahn verübt hatte, vor dem Tod durch den Strang bewahren konnte? Dass ich "Die Lüge im Strafrecht" geschrieben habe?

Friedrich Forsthuber: Diese Broschüre galt lange Zeit als verschollen. Der Rechtsanwalt Dr. Peter Wrabetz hat sie erst vor kurzem aufgetrieben. Im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts haben wir in einer Podiumsdiskussion über Ihre Kritik am Strafrecht diskutiert und uns mit der Frage befasst, was wir als erledigt betrachten können und was noch zu tun ist. Sie erinnern sich noch, was Sie 1927 veröffentlicht haben?

Sperber: Freilich. Ich habe mich beispielsweise für die Abschaffung der Todesstrafe eingesetzt. Wie sieht es heute damit aus?

Gerhard Jarosch: Heute herrscht in Europa ein breiter Konsens, dass die Todesstrafe undenkbar ist - und nicht nur in Europa, sondern mittlerweile auch darüber hinaus.

Sperber: Außerdem habe ich die Institution der Zwangsarbeitsanstalt und den schweren verschärften Kerker kritisiert.

Forsthuber: Beides gibt es nicht mehr. Wahrscheinlich hätten Sie in den Zwanzigerjahren nicht im Traum daran gedacht, dass es einmal elektronische Fußfesseln geben wird.

Sperber: Was soll das sein?

Forsthuber: Der Verurteilte steht unter Hausarrest. Die elektronische Fußfessel ist ein Instrument zu seiner Überwachung.

Sperber (erstmals etwas leiser): Ein großer Fortschritt. Ob jemals ein Verurteilter durch eine Gefängnisstrafe gebessert wurde, sei ja dahingestellt. Aber zumindest sollte man versuchen, die Strafe so einzurichten, dass der Betroffene nicht in einer Weise psychisch beeinflusst wird, die jede Änderung zum Guten im Keim erstickt.

Beate Matschnig: Jene Themen, die Sie angerissen haben, beschäftigen uns auch heute noch. Was erwarten wir vom Strafrecht? Kaum passiert ein Verbrechen, heißt es schon: Ja, da werden wir jetzt einmal die Strafen erhöhen, und dann wird alles besser. Obwohl die Wissenschaft weiß, dass diejenigen, die lange im Gefängnis sitzen, am häufigsten zu Rückfallstätern werden.

Kehren wir zu Ihrer Tätigkeit für die Sozialdemokratische Partei zurück. Sie haben Politiker wie Dr. Arnold Eisler in juristischen Belangen beraten. Außerdem hätten Sie 1936 beinahe den jungen Bruno Kreisky verteidigt. Sperber: Wie heißt der Mann?

Bruno Kreisky. Er war später SPÖ-Vorsitzender und von 1970 bis 1983 Bundeskanzler.

Sperber: Das muss einer der Jungsozialisten gewesen sein, die 1936 im sogenannten Sozialistenprozess angeklagt waren. Die Parteiführung, die nach Brünn geflüchtet war, hat gemeint, dass mein gewohnter Verhandlungsstil in diesem Fall ungeeignet wäre. Die wollten einen politischen Schauprozess, der auch im Ausland wahrgenommen wird.

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Dokument erstellt am 2013-12-05 17:32:06
Letzte Änderung am 2013-12-06 16:22:03


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