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Update: 05.01.2018, 19:02 Uhr

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Keine Angst vor Robotern!




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Von Matthias Punz

  • Vernichtet die Digitalisierung Arbeitsplätze? Die Geschichte zeigt, solche Befürchtungen sind übertrieben.



Das Konzept von "Smart Cities" sieht vor, dass Städte mittels Vernetzung ihre Infrastrukturen zukünftig selbstständig steuern können.

Das Konzept von "Smart Cities" sieht vor, dass Städte mittels Vernetzung ihre Infrastrukturen zukünftig selbstständig steuern können.© Wenjie Dong/Getty Images Das Konzept von "Smart Cities" sieht vor, dass Städte mittels Vernetzung ihre Infrastrukturen zukünftig selbstständig steuern können.© Wenjie Dong/Getty Images

"Wir stehen heute vor einer Situation, die so dramatische Veränderungen hervorrufen wird wie einst die Erfindung des Rades. Bald wird es überall automatische Fabriken - menschenleere Betriebe - geben", verkündete der britische Handelsminister Peter Thorneycroft.

Seine Warnung stammt nicht aus der Gegenwart. Der Politiker rief sie im Jahr 1955 in der Londoner Guildhall hunderten Wissenschaftern und Ingenieuren der Elektroindustrie auf einer Konferenz in London zu. Die Teilnehmer diskutierten "ein weltbewegendes Thema", schrieb das deutsche Magazin "Der Spiegel" damals, das "stärker als alle politischen Resolutionen den Lauf der Welt bestimmt: den Vormarsch der Roboter".

Heute, über 60 Jahre später, wird über die Digitalisierung unserer Wirtschaft und der Gesellschaft nicht anders gesprochen. Pessimisten warnen, dass uns die Arbeit "ausgeht" und Millionen Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut stürzen. Optimisten versuchen, die Vorteile einer Gesellschaft mit mehr Freizeit aufzuzeigen. Jede Generation scheint dazu zu neigen, das vor ihr Liegende als qualitativen Sprung zu deuten, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.

"Maschinenstürmer"

Tatsächlich haben neue Techniken immer das Potential, ganze Branchen auszuradieren. Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Wird es noch Jobs für alle geben? Unsere Generation ist nicht die erste, die solche Fragen stellt. Mit einem Blick in die Geschichte ließe sich der Fortschritt jedoch auch als Chance begreifen - und nicht bloß als Gefahr

Das Gefühl, in einer Zeit besonderer, alles verändernder technischer Innovationen zu leben, ist nicht neu. Als Beispiele dafür zählt der Technikjournalist Evgeny Morozov auf: "Das Telegrafenzeitalter, das Radiozeitalter, das Plastikzeitalter, das Atomzeitalter oder das Fernsehzeitalter." Die Idee, dass zu wenig Arbeit für zu viele Menschen übrigbleibt, ist ebenfalls nicht neu. Es ging sogar so weit, dass vor rund 200 Jahren Arbeiter ihre Fabriken stürmten und mechanische Webstühle zerstörten, um gegen die sozialen Folgeerscheinungen der Mechanisierung während der Industriellen Revolution zu protestieren. Sie gingen als "Maschinenstürmer" in die Geschichte ein..

Information

Matthias Punz, geboren 1991, studierte Volkswirtschaftslehre und ist freier Journalist und Forschungspraktikant an der Universität Wien.


Langfristig hat sich die Furcht vor kollektivem Arbeitsplatzverlust jedoch fast nie bewahrheitet. Ein Beispiel: Der Großteil der amerikanischen Bevölkerung war Anfang des 19. Jahrhunderts noch in der Landwirtschaft tätig, heute ist es ein verschwindend geringer Prozentsatz. Seither wurden also praktisch alle damals existierenden Jobs in den Vereinigten Staaten vernichtet. Trotzdem ist heute nicht jeder Amerikaner arbeitslos.




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Dokument erstellt am 2018-01-04 16:35:14
Letzte ─nderung am 2018-01-05 19:02:41



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