• vom 14.01.2018, 09:00 Uhr

Vermessungen

Update: 14.01.2018, 18:33 Uhr

Ideengeschichte

Was bleibt?




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (21)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Peter Rosner

  • 200 Jahre nach der Geburt von Karl Marx sind manche seiner Analysen der kapitalistischen Gesellschaft bis heute gültig.

Viele der apokalyptischen Prophezeiungen von Karl Marx sind glücklicherweise nicht in Stein gemeißelt... - © Lonely Planet Image/Getty Images

Viele der apokalyptischen Prophezeiungen von Karl Marx sind glücklicherweise nicht in Stein gemeißelt... © Lonely Planet Image/Getty Images

Wird von Krisen im Kapitalismus gesprochen, wird oft Karl Marx bemüht. Bis heute. Meist ist dabei eine Krise des Kapitalismus gemeint. Dieser soll durch eine andere, bessere Wirtschaftsordnung abgelöst werden. Der Rekurs auf Marx ist verständlich. War es doch sein Bemühen, mit ökonomischer Theorie zu zeigen, dass die Probleme kapitalistischer Entwicklungen nicht unter Beibehaltung der Strukturen dieser Gesellschaftsordnung gelöst werden können. Es bedarf einer fundamental anderen Ordnung.

In der kommunistischen Interpretation der Theorie von Marx sollte die Ablösung des Kapitalismus durch eine von dessen Übeln befreite Gesellschaft im Wege einer Revolution erfolgen. Dieser Wandel würde getragen von der Arbeiterklasse, die allen Reichtum produziert, aber im Kapitalismus im Elend lebt. Eine Apokalypse muss durchlebt werden, damit der Weg zu einer guten Gesellschaft frei wird. Diese Vorstellung war eine Prophezeiung.

Information

Peter Rosner, geboren 1948, ist Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien. Publikationen zur Sozialpolitik und Geschichte ökonomischer Theorie.

Aber Marx, dessen Geburtstag sich heuer am 5. Mai zum 200. Mal jährt, war ein systematisch argumentierender Theoretiker. Nach seiner Übersiedlung nach London im Gefolge der Niederlage der Aufstände 1848 arbeitete er an einer Theorie der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten kapitalistischer Wirtschaften. Auf viele Bände war das Werk angelegt. Einer wurde von ihm selbst veröffentlicht - "Das Kapital" Band 1 im Jahr 1867. Zwei weitere wurden von seinem Freund Friedrich Engels nach seinem Tod publiziert. Insgesamt bietet das Werk viele Einsichten, hat aber auch große innere Widersprüche.

Keine geschlossene Theorie

Wie sollte es auch einer allein arbeitenden Person möglich sein, die umfassende Theorie der modernen Wirtschaft zu entwickeln - Wirtschaftswachstum, Krisen, Geld, Konkurrenz und Monopol, technische Entwicklung, die Verteilung der Einkommen? Zu allen Fragen gibt es interessante Ansätze im Werk von Marx, aber eine alles erklärende Theorie gibt es bis heute nicht. Es gibt auch nicht eine geschlossene Theorie, die alle Phänomene der physischen Welt erklären kann.

Ankündigung von Charlie Chaplins Film "Modern Times" in China, in welchem der Komiker Marx’ Vision der Ausbeutung der Arbeiter durch Maschinen treffend in Bilder umgesetzt hat.

Ankündigung von Charlie Chaplins Film "Modern Times" in China, in welchem der Komiker Marx’ Vision der Ausbeutung der Arbeiter durch Maschinen treffend in Bilder umgesetzt hat.© Bettmann/Getty Images Ankündigung von Charlie Chaplins Film "Modern Times" in China, in welchem der Komiker Marx’ Vision der Ausbeutung der Arbeiter durch Maschinen treffend in Bilder umgesetzt hat.© Bettmann/Getty Images

Dennoch gibt es Gründe, die Theorie von Marx nicht nur als ein Objekt für historische Forschungen zu sehen. Dieser Theorie lag eine Vision der kapitalistischen Gesellschaft zugrunde, die in manchen Aspekten bis heute gültig ist. Sie ist nicht nur für bekennende Marxisten von Interesse, sondern auch für ein Verständnis der heutigen Gesellschaft und der Diskussionen über sie auch außerhalb dieses mittlerweile klein gewordenen Kreises.

Die Entwicklungen sozialer Strukturen, der Technologien und des wirtschaftlichen Reichtums sollten in einer aus nur wenigen Grundprinzipien heraus entwickelten Theorie erfasst werden. Der wechselseitige Zusammenhang dieser Entwicklungen ergibt die Dynamik des Kapitalismus.




weiterlesen auf Seite 2 von 5




4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-12 15:59:20
Letzte Änderung am 2018-01-14 18:33:58


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Sexualität ist wie eine Vergrößerunglinse"
  2. Republik für ein paar Stunden
  3. "Ich bin doch nur ein Depp"
  4. Kennedys sorgsam gepflegter Mythos
  5. Vom Outlaw zum Mörder
Meistkommentiert
  1. "Sexualität ist wie eine Vergrößerunglinse"
  2. Kennedys sorgsam gepflegter Mythos
  3. Republik für ein paar Stunden

Werbung




Werbung