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Update: 29.01.2018, 17:32 Uhr

Astronomie

Besuch aus einer anderen Welt




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Von Christian Pinter

  • Kleinplanet, Komet oder Kometenkern? - Der im letzten Herbst entdeckte Exzentriker ’Oumuamua stammt nicht aus unserem Sonnensystem.

So wie in dieser künstlerischen Darstellung könnte der interstellare Gast mit dem exotischen Namen ‘Oumuamua tatsächlich aussehen.

So wie in dieser künstlerischen Darstellung könnte der interstellare Gast mit dem exotischen Namen ‘Oumuamua tatsächlich aussehen.© ESO/M. Kornmesser So wie in dieser künstlerischen Darstellung könnte der interstellare Gast mit dem exotischen Namen ‘Oumuamua tatsächlich aussehen.© ESO/M. Kornmesser

Hawaii, Insel Maui: Auf dem 3050 Meter hohen Gipfel des erloschenen Vulkans Haleakala sucht ein Großteleskop den Himmel unter anderem nach potenziell gefährlichen Objekten ab. Das unter dem Kürzel "Pan-STARRS" bekannte Überwachungssystem fahndet nach Kleinplaneten oder Kometen, die der Erde nahe kommen. Immer wieder gehen der 1400 Megapixel-Kamera solche "Near-Earth Objects" (NEOs) ins Netz. Die zarten Lichtpunkte verraten sich durch ihre Bewegung vor dem Sternenhintergrund. Auch am 19. Oktober 2017 wurde der NASA-finanzierte Himmelsspäher wieder fündig, diesmal nahe der südlichen Grenze des Sternbilds der Fische.

Das neue, äußerst lichtschwache Objekt musste nur fünf Tage zuvor die Erde passiert haben, in 62-facher Monddistanz. Es schoss mit einer Rekordgeschwindigkeit dahin, die eine keplersche Ellipsenbahn völlig ausschloss. Damit unterschied sich der neue Fund von allen Mitgliedern unseres Sonnen-
systems.


Himmlische Geometrie
Rücken die beiden Brennpunkte einer Ellipse ganz zusammen, gerät sie zum Kreis. Ziehen die zwei voneinander fort, wird sie hingegen immer langgestreckter. Die sogenannte "Exzentrizität" wächst dabei von 0 (Kreis) bis 1 (Parabel). Bei Exzentrizitäten über 1 reißt die Ellipse auf und wird zur Hyperbel: Deren Enden treffen einander nie mehr.

Himmelskörper auf Hyperbelbahnen kämen von irgendwo her und flögen irgendwo hin. Sie wären nicht an die Sonne gebunden und kehrten daher auch nie mehr zurück. Das neu entdeckte Objekt (Exzentrizität: 1,99) folgte ganz klar einer solchen offenen Hyperbel, einer Bahn ohne Wiederkehr. So etwas hatte man bis dato noch nie gesehen!

Auch der US-Amerikaner Bill Gray, bekannt durch seine Astronomie-Software "Guide", berechnete die Flugbahn: Das rätselhafte Objekt kam scheinbar aus dem Sternbild Leier. Es sauste mit 95.000 km/h und unter steilem Winkel auf unser Planetensystem zu. Die Anziehungskraft der Sonne beschleunigte es noch weiter. Am 9. September flitzte es mit 316.000 km/h an der Sonne vorbei, in einer Distanz von 24 Millionen Kilometern. Seither hetzt es wieder davon, in Richtung des Sternbilds Pegasus.

Rasch visierten Astronomen den kosmischen "Exzentriker" mit ihren mächtigsten Teleskopen an - auf Hawaii und den Kanaren, in Chile, Arizona und Kalifornien. Sie wollten dem davoneilenden Besucher noch so viele Geheimnisse wie möglich entlocken.

Zunächst hielt man ihn für einen Kometen. In Sonnennähe war er auf über 300 Grad Celsius erhitzt worden. Dennoch traten weder Gas noch Staub aus; somit fehlten Koma und Schweif, die klassischen Erkennungszeichen eines Kometen. Also sprach man von einem Kleinplaneten. Dieser war allerdings aus dem Abgrund zwischen den Sternen eingetroffen, dem interstellaren Raum. Das erstentdeckte interstellare Objekt wurde offiziell "1I/2017 U1" getauft. Das Pan-STARRS-Team verbeugte sich vor seinen Gastgebern und wählte den hawaiischen Namen ‘Oumuamua - frei übersetzt: "Der Allererste, der uns erreicht".

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-19 10:17:05
Letzte Änderung am 2018-01-29 17:32:08


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