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Big Brother’s smarte Söldner




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Social-Media-Experte Niklas Wiesauer.

Social-Media-Experte Niklas Wiesauer.© Mindshareworld Social-Media-Experte Niklas Wiesauer.© Mindshareworld

Laut Facebook nahm der Konzern im Jahr 2017 insgesamt 9,3 Milliarden Dollar ein. Der Großteil davon stammt durch Einnahmen aus Werbeanzeigen. Von den fast zwei Milliarden Menschen, die das Netzwerk weltweit nutzen, loggen sich die meisten über Smartphones oder Tablets ein. Facebook bezieht mittlerweile den Hauptanteil der Werbeerlöse (87 Prozent) über die mobilen Geräte. Auch der soziale Fotodienst Instagram ist ein starker Umsatzbringer. Und Messenger hat heute bereits mehr als 1,2 Milliarden aktive Nutzer pro Monat. Ein Leben ohne Smartphone, Internet oder soziale Netzwerke ist für immer mehr Menschen unvorstellbar - schon bei Kindern unter zehn Jahren gehört das Chatten zum Alltag.

Sammeln & Filtern

Dozent Bela Mutschler, Professor an der Hochschule Weingarten, erklärt seinen Studentinnen und Studenten, wie Zuckerberg und Konsorten Gewinne machen: "Facebook sammelt Daten. Alter, Familienstand, Geschlecht und Beruf sind zumeist noch Informationen, die man im Profil selbst angibt. Durch das Liken und Teilen werden die Vorlieben jedes einzelnen Users konkreter und für Firmen interessanter. Zum Zeitpunkt des Einloggens werden bereits Filter gesetzt, mit denen versucht wird, Werbung zielgenau zu platzieren. Selbst anhand der Tipp-Geschwindigkeit analysieren spezielle Computerprogramme, ob der Nutzer entspannt ist oder nicht, und sie passen die Werbung dementsprechend an. Diese Kommerzialisierung ist die Lizenz zum Gelddrucken."

Mit den Daten seiner Nutzer verdient Facebook Unsummen, weil die Werbung kostengünstig, zielgruppengerecht und passgenau platziert wird. Facebook hat so viele Daten gesammelt, dass es seine Mitglieder in soziale Klassen einteilen kann und so ziemlich alles über Freizeitverhalten und Lifestyle weiß.

Kreative Methoden

Um seinen Usern auf die Schliche zu kommen, nutzt Facebook kreative Methoden. Zum Beispiel Fotos, die bei Facebook hochgeladen werden. Der Tech-Blog "Gizmodo" behauptet, dass Facebook kleinste Kratzer auf der Fotolinse eines Smartphones erkennen kann. Dazu würden selbst ein paar Staubkörnchen ausreichen. Die sind dann in den Fotos sichtbar. Dadurch kann Facebook erkennen, welche Fotos mit welcher Handykamera gemacht worden sind.

Sind also zwei Personen mit derselben Kamera fotografiert worden, egal wo und wann, so ist anzunehmen, dass sich die beiden Personen kennen - und mit dem Fotografen bekannt sind. Außerdem checkt Facebook, ob sich zwei Menschen gleichzeitig am selben Ort aufhalten, ob sie dieselbe Bar oder dasselbe Hotelzimmer besuchen. Haben sie unter Umständen eine Affäre? Sogar, ob sich zwei Leute gegenübersitzen oder nebeneinander gehen, lässt sich durch die Sensoren im Smartphone erkennen. Der "gläserne Mensch" ist also längst Realität.

Facebook ist aber bei weitem nicht der einzige eifrige Datensammler. Auch Amazon und Google bunkern jede Menge Wissen über die Nutzer ihrer Dienste und wandeln das in bare Münze um, wenn sie die Daten beispielsweise verkaufen. Informiert man sich zum Beispiel bei Google über Reiseziele, Autos oder Filme, Bücher oder CDs, so wird man schnell feststellen, dass zu den interessanten Suchbegriffen zielgerichtete Werbeeinschaltungen auf den Screens auftauchen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-02 13:20:44
Letzte Änderung am 2018-03-03 10:59:20


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