• vom 24.03.2018, 10:00 Uhr

Vermessungen


Mensch und Tier

Das Tier als Subjekt




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Jeannette Villachica

  • Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier wird in Wissenschaft, Literatur und Ausstellungswesen neu ausgelotet. - Eine andere Perspektive auf die Welt.

Was lehren uns Affen über das Menschsein? - © Tambako the Jaguar/Getty Images

Was lehren uns Affen über das Menschsein? © Tambako the Jaguar/Getty Images

Noch bis 2. April können Besucher des Naturhistorischen Museums in Wien die Welt mit den Sinnen von "Hund & Katz", so der Titel der entsprechenden Sonderausstellung, erleben. Spiele und Computeranimationen, bei denen der Mensch auch in die Haut der Vierbeiner schlüpfen kann, sollen einen Vergleich der körperlichen Fähigkeiten ermöglichen, Informationen über Körpersprache und Lautäußerungen vermitteln und so zu einem besseren Verständnis des Verhaltens der mindestens 600.000 Hunde und 1,5 Millionen Katzen in Österreich beitragen.

Zeitweilig scheint die Grenze zwischen Mensch und Tier aufgehoben . . .

Zeitweilig scheint die Grenze zwischen Mensch und Tier aufgehoben . . .© Francesco Carta/Getty Images Zeitweilig scheint die Grenze zwischen Mensch und Tier aufgehoben . . .© Francesco Carta/Getty Images

Die Erkundung von Tierwelten liegt im Trend, nicht nur im Ausstellungswesen. Im deutschsprachigen Raum entstehen seit einigen Jahren immer mehr Projekte im interdisziplinären Forschungsfeld "Human-Animal-Studies", das sich mit dem Verhältnis von Mensch und Tier auseinandersetzt. Neu dabei ist, dass "das Tier als Subjekt, Akteur und Indivi- duum in den Mittelpunkt des Interesses gerückt und nicht nur als kultureller Gegenstand oder Symbol menschlicher Gesellschaften betrachtet wird", wie es in "Human-Animal-Studies", einer bei UTB erschienenen Einführung für Studierende und Lehrende, heißt.

Information

Literatur:

Kompatscher/Spannring/ Schachinger: Human-Animal-Studies. Eine Einführung für Studierende und Lehrende. UTB, Waxmann Verlag, Münster/New York 2017, 264 Seiten, 24,99 Euro.

Jonathan Balcombe: Was Fische wissen. Aus dem Englischen von Tobias Rothenbücher. Mareverlag, Hamburg 2018, 336 Seiten, 28,- Euro.

Jürgen Teipel: Unsere unbekannte Familie. Suhrkamp Verlag, Berlin 2018, 286 Seiten, 18,50 Euro.

Alexandra Tischel: Affen wie wir. Was die Literatur über uns und unsere nächsten Verwandten erzählt. J. B. Metzler, Stuttgart 2018, 218 Seiten, 12 Abbildungen, 19,99 Euro.

Jeannette Villachica, geboren 1970, lebt als Kultur- und Reisejournalistin in Hamburg.

In Wien befasst man sich unter anderem an der Veterinärmedizinischen Universität und am Institut für Philosophie der Universität mit der Erforschung von tierethischen Fragen und von Schnittpunkten und Wechselwirkungen zwischen tierischen und menschlichen Gesellschaften.

Das gestiegene Bewusstsein, dass Tiere unabhängig vom Menschen ihre eigenen Existenzen und Lebensweisen haben und es nicht nur eine Welt aus Menschenperspektive, sondern viele Welten aus Tierperspektiven gibt, hängt auch mit Veränderungen in Gesellschaft und Wissenschaft zusammen. Ökologische Fragen rund um Massentierhaltung, Insektensterben, gesunde Ernährung und ethische Fragen wie die rund um Tierrechte, die Vermenschlichung von Haustieren, die Ausbeutung von Nutztieren und die Bekämpfung sogenannter Schädlinge bewegen größere Bevölkerungsschichten als früher.

In den Human- und Sozialwissenschaften geraten nicht mehr nur Formen der Hochkultur, sondern auch zunehmend Alltagskultur und populäre Kulturformen in den Fokus, was zu neuen Blickwinkeln und kritischer Hinterfragung bisheriger Ansätze führt. Die ebenfalls recht jungen "Science and Technology Studies" stellen den herkömmlichen Natur-Kultur-Dualismus in Frage und zeigen über die Verflechtungen technologischer, biologischer und menschlich-sozialer Systeme auf, dass der Mensch in diesem System nicht allein Handelnder ist.




weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-23 14:05:55
Letzte Änderung am 2018-03-23 15:33:59


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Traktat eines Unorthodoxen
  2. Dacapo für einen Tiefgang
  3. Turmbau zu Babel auf Wasser
  4. "Man ist ja selber wie eine Melodie"
  5. Der Seelen-Sezierer
Meistkommentiert
  1. Traktat eines Unorthodoxen
  2. Dacapo für einen Tiefgang
  3. Krieg der Knopfdrücke
  4. "Man ist ja selber wie eine Melodie"

Werbung




Werbung