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Zeitgeschichte

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Im Dezember 1894 wurde dort ein jüdischer Hauptmann des französischen Generalstabes, Alfred Dreyfus, von einem Militärgericht der Spionage für das Deutsche Reich für schuldig befunden und zu lebenslänglicher Deportation auf die Teufelsinsel in Französisch-Guyana verurteilt. Dreyfus wurde öffentlich degradiert: sein Degen zerbrochen, seine Rangabzeichen entfernt, er selbst in Ketten abgeführt. Währenddessen schrie der anwesende Mob: "Tod. Tod den Juden."

Herzl war über diese antisemitischen Ausbrüche entsetzt; seine Antwort auf den Antisemitismus war eine kleine, 71 Seiten umfassende Broschüre: "Der Judenstaat - Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage". Es war eine programmatische Schrift, mit der der moderne politische Zionismus und damit die Umwälzung in der Geschichte des jüdischen Volkes begann. Der erste Satz macht deutlich, worum es Herzl ging: "Der Gedanke, den ich in dieser Schrift ausführe, ist ein uralter, es ist die Herstellung des Judenstaates."

Von nun an arbeitet Herzl rastlos für die Verwirklichung dieser Idee. Es begann mit der Einberufung des ersten Zionistenkongresses in Basel Ende August 1897, auf dem 204 Delegierte die Errichtung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, d. h. einen Judenstaat forderten.

Das Palästina der Briten

In sein Tagebuch notierte Herzl am 3. September 1897 jene Sätze, die später immer wieder zitiert wurden: "Fasse ich den Basler Kongress in ein Wort zusammen - das ich mich hüten werde, öffentlich auszusprechen -, so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es jeder einsehen." 50 Jahre und neun Monate später gab es diesen Staat: Israel.

Es war ein harter und beschwerlicher Weg gewesen. Die wichtigsten Stationen seien hier noch einmal aufgezählt: 1917 die Balfour-Deklaration - jener berühmte Brief des britischen Außenministers Balfour, in dem die britische Regierung den Zionisten ihre Unterstützung beim Aufbau einer nationalen Heimstätte in Palästina zusicherte. Mit der Machtübernahme der Nazis in Deutschland kamen die erste große Einwanderungswelle deutscher Juden, die gewaltsame Reaktion der Araber und 1936 der arabische Aufstand; 1937 der Vorschlag der Briten, das Land zu teilen, in einen arabischen und einen jüdischen Staat, 1939 dann das britische Weißbuch: es würde keinen Judenstaat geben.

Die Briten wollten jetzt einen Staat Palästina innerhalb von zehn Jahren errichten, in dem Araber und Juden gemeinsam leben sollten, die jüdische Einwanderung aber in jedem Fall beenden. Für die nächsten fünf Jahre sollten nur noch insgesamt 75.000 Juden zugelassen werden. Danach würde es keine jüdische Einwanderung mehr geben. Auch nach 1945 blieben die Briten bei ihrer Politik: keine illegale Einwanderung von Juden. Dagegen kämpften die Juden in Palästina - auch mit Terroraktionen.




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Dokument erstellt am 2018-04-13 10:21:17
Letzte Änderung am 2018-04-13 11:12:58


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