• vom 02.06.2018, 14:00 Uhr

Vermessungen


Astronautik

Die Väter der Raumfahrt




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Von Christian Pinter

  • Von der "Rackette" zur "V2" - es war der Krieg, der die Tür ins Weltall öffnete. Davor aber hatten bereits Science-Fiction-Romane die Fantasie der Theoretiker und Vordenker beflügelt.



Befasste sich mit den theoretisch-technischen Grundlagen der Rakete: Hermann Oberth.

Befasste sich mit den theoretisch-technischen Grundlagen der Rakete: Hermann Oberth.© Pinter Befasste sich mit den theoretisch-technischen Grundlagen der Rakete: Hermann Oberth.© Pinter

Spätestens im 13. Jahrhundert tauchen Berichte über Raketen in China und Europa auf. Die Flugkörper dienen aber nicht bloß für Feuerwerke, sondern vor allem dazu, den Gegner unter Feuer zu nehmen. Mit Schwarzpulver gefüllt, tragen sie Schwertklingen, Brandsätze oder Bomben ins feindliche Lager.

Ein früher Pionier der Kriegsraketentechnik ist der 1509 bei Wien geborene Conrad Haas. Der Zeugmeister in Hermannstadt, Siebenbürgen, bindet mehrere seiner "Racketten" zusammen oder setzt drei davon hintereinander - eine frühe Form des später in der Raumfahrt genutzten Bündelungs- bzw. Mehrstufenprinzips. Haas ersinnt außerdem glockenförmige Düsen oder deltaförmige Stabilisierungsflossen. Allerdings fallen die einschlägigen Arbeiten des Dornbachers bis in die 1960er Jahre der Vergessenheit anheim.

Im 2. Jh. hatte der Satiriker Lukian von Samosata noch einen Wirbelwind gebraucht, um die Helden seiner "Wahren Geschichten" auf den Mond zu tragen. Johannes Kepler bemühte im Roman "Der Traum" weise Geister, sein Zeitgenosse Francis Godwin in "Der Mann im Mond" hingegen abgerichtete Vögel. 1865 schießt Jules Verne seine Mondreisenden mit Hilfe einer von Artillerie-Experten entwickelten Riesenkanone ins All. Auch das widerspricht den Naturgesetzen. Dennoch werden gerade Vernes Romane "Von der Erde zum Mond" und "Reise um den Mond" die Fantasie etlicher Raumfahrtpioniere beflügeln - darunter Konstantin Ziolkowski, Hermann Oberth oder Wernher von Braun.

Information

Christian Pinter, geboren 1959 in Wien, schreibt im "extra" seit 1991 über Astronomie und Raumfahrt.
www.himmelszelt.at

Der 1856 geborene deutsche Erfinder Hermann Ganswindt verlegt die Kanone ins Raumschiff selbst. Sie soll dort in rascher Folge Stahlkapseln abfeuern und das Gefährt mit dem Rückstoß tausender Dynamitpatronen vorantreiben. Noch sind es kreative Fantasten wie Ganswindt, die sich mit dem Raumflug befassen. Skeptiker zweifeln an der Machbarkeit. Das utopisch anmutende Thema bleibt somit die Domäne wissenschaftlich gebildeter Amateure.

Rückstoßprinzip

Konstantin Ziolkowski unterrichtet Mathematik im russischen Gouvernement Kaluga. Zunächst schreibt der fast taube Autodidakt die Erzählung "Auf dem Mond". Dann liest er den 1896 verfassten Artikel des russischen Erfinders Alexander Petrowitsch Fjodorow. Der schlägt Raketen als Antriebsmittel für den Raumflug vor. 1903 reicht Ziolkowski die dazu nötigen Berechnungen nach, unter dem Titel: "Die Erforschung des Weltraums mittels Rückstoßapparaten". Raketen arbeiten nach dem Rückstoßprinzip: Verbrennungsgase treten mit möglichst hohem Tempo aus und stoßen den Flugkörper mit der gleichen Kraft in die entgegengesetzte Richtung.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-30 16:52:07
Letzte Änderung am 2018-05-30 17:05:22


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