• vom 02.06.2018, 14:00 Uhr

Vermessungen


Astronautik

Die Väter der Raumfahrt




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Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski, Schöpfer der Raketengrundgleichung.

Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski, Schöpfer der Raketengrundgleichung.© Pinter Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski, Schöpfer der Raketengrundgleichung.© Pinter

1897 leitet Ziolkowski jene grundlegende Formel ab, die man "Raketengrundgleichung" nennt. Er weiß bereits: Feststoffraketen - andere gibt es damals noch nicht - werden niemals den nötigen Schub für den Aufstieg in die Erdumlaufbahn liefern.

Doch selbst mit flüssigen Treibstoffen bliebe eine einfache Rakete zu schwer. 1929 nennt er die Lösung: "Kosmische Raketenzüge". Bei solchen Mehrstufensystemen wird die jeweils ausgebrannte Stufe beim Zünden der nächstfolgenden abgeworfen - zur Gewichtsreduktion. Außerdem will Ziolkowski mehrere Raketen bündeln und gleichzeitig zünden, um den Schub zu erhöhen. Seine Ideen werden später tatsächlich mit Erfolg umgesetzt. Zunächst nimmt man außerhalb Russlands aber wenig Notiz davon.

Die 1920er Jahre geraten zum "Wunderjahrzehnt" der Raumfahrt - zumindest, was die Entwicklung ihrer theoretischen Grundlagen betrifft. Besonders einflussreich sind die Arbeiten Hermann Oberths, der ab 1894 im schon erwähnten Hermannstadt aufgewachsen ist. An der Universität Heidelberg lehnt man 1922 seine Doktorarbeit über Fragen der Weltraumfahrt noch ab. Oberth veröffentlicht sie ein Jahr später unter dem Titel "Die Rakete zu den Planetenräumen". Der Raumflug, so das Fazit des mit Formeln gespickten Werks, ist technisch durchaus machbar!

Oberth befasst sich mit den theoretisch-technischen Grundlagen der Rakete. Auch er propagiert flüssige Treibstoffe und das Mehrstufenprinzip. Er denkt aber auch intensiv über Weltraumteleskope, Raumanzüge, die Folgen der Schwerelosigkeit und vieles mehr nach. Sein Werk ist so umfassend, dass man ihn später "Vater der Raumfahrt" nennen wird - ebenso wie den Russen Ziolkowski.

Beim Aufstieg in die Erdumlaufbahn sind nur ein paar hundert Kilometer zu überwinden. Dennoch wird das der mühsamste Teil der ganzen Reise sein. Für den Weiterflug zum Mond oder zu den Planeten bräuchte man anschließend nur vergleichsweise wenig Energie. Auf dieses "kosmonautische Paradoxon" weist Guido von Pirquet hin, geboren 1880 in Hirschstetten bei Wien. Um wirklich große Raumschiffe zusammenzubauen, müssten laut Pirquet daher zunächst ein bis drei Raumstationen im Erdorbit errichtet werden. Im eiligen Wettlauf zum Mond werden die USA und die UdSSR später allerdings auf diesen Zwischenschritt verzichten.

In Formeln gegossen

Der aus Bozen stammende Max Valier studiert Astronomie, Mathematik und Physik in Innsbruck. In München liest er Oberths Erstlingswerk. Dann konstruiert er einen Rennwagen mit Pulverraketen, finanziert von Juniorchef Fritz von Opel. Das Gefährt rast im Jahr 1928 mit gut 200 km/h über die Berliner Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße, kurz AVUS. Eine vortreffliche Reklame für die Opel-Werke. Erst danach experimentiert Valier mit Flüssigkeitsraketen. Beim Test im Laboratorium explodiert allerdings eine Brennkammer und reißt ihn 1930 in den Tod.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-30 16:52:07
Letzte Änderung am 2018-05-30 17:05:22


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