• vom 09.06.2018, 18:11 Uhr

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Update: 09.06.2018, 18:14 Uhr

Arbeitswelt

Kollege Roboter




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Von Franz Zauner

  • Stachanows, Robys und Blitzgneißer erobern die Büros und Fabrikshallen. Und Automatisierung heißt der Weltgeist, der sie hervorbringt.

- © Getty Images

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Dieser Text ist ein Auszug aus dem soeben erschienenen Buch "Working pur. Reportagen aus der Arbeitswelt" (ÖGB Verlag) von Uwe Mauch, Wolfgang Freitag und Franz Zauner, in dem die Autoren die moderne Arbeitswelt - Stichwort "Arbeiten 4.0" - in bester Reportermanier erkunden: Sie beschreiben konkret geleistete Arbeit, aber auch die Hoffnungen und Sorgen, die damit verbunden sind. Und sie zeigen, wie das duale System von Arbeit-Geben und Arbeit-Nehmen zunehmend aufweicht.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem soeben erschienenen Buch "Working pur. Reportagen aus der Arbeitswelt" (ÖGB Verlag) von Uwe Mauch, Wolfgang Freitag und Franz Zauner, in dem die Autoren die moderne Arbeitswelt - Stichwort "Arbeiten 4.0" - in bester Reportermanier erkunden: Sie beschreiben konkret geleistete Arbeit, aber auch die Hoffnungen und Sorgen, die damit verbunden sind. Und sie zeigen, wie das duale System von Arbeit-Geben und Arbeit-Nehmen zunehmend aufweicht. Dieser Text ist ein Auszug aus dem soeben erschienenen Buch "Working pur. Reportagen aus der Arbeitswelt" (ÖGB Verlag) von Uwe Mauch, Wolfgang Freitag und Franz Zauner, in dem die Autoren die moderne Arbeitswelt - Stichwort "Arbeiten 4.0" - in bester Reportermanier erkunden: Sie beschreiben konkret geleistete Arbeit, aber auch die Hoffnungen und Sorgen, die damit verbunden sind. Und sie zeigen, wie das duale System von Arbeit-Geben und Arbeit-Nehmen zunehmend aufweicht.

Nennen wir ihn Stachanow. Er packt zu, hebt, schweißt, fräst, hobelt. Und lässt wieder los. Er packt zu, hebt, schweißt, fräst, hobelt. Und lässt wieder los. Er packt zu, hebt, schweißt, fräst, hobelt. Und lässt wieder los. Er ist ein starker Arm, und keine Räder stehen still, denn es ist nie der Fall, dass er nicht mehr will.

Das ist der gute, alte Roboter, wie wir ihn schon lange kennen. Mehr als drei Millionen solcher semi- bis vollautomatischer Wesen arbeiten in der Industrie, vermeldet die International Federa-
tion of Robotics
(IFR). Bis 2020 sollen noch einmal 1,7 Millionen Stück dazukommen. Eine Faustformel besagt, dass mit jedem Roboter zwischen drei bis sechs Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Solche Prognosen passen gut zu dem Dramolett, das sich Nerds in Googles Firmenzentrale in Mountain View ausgedacht hatten: Dort wurde dem britischen Wissenschafter Guy Standing ein Roboter gezeigt, der tanzen und sprechen konnte. Die wundersame Maschine verstand sich nicht nur auf Tai Chi, sondern auch auf Provokationen. "Ich werde dem Prekariat die Jobs wegnehmen", sagte sie zu dem als kritischer Geist bekannten Standing. Er antwortete: "Das werden wir noch sehen."

Modell Stachanow: ein guter, alter Roboter, wie wir und die Industrie ihn schon länger kennen.

Modell Stachanow: ein guter, alter Roboter, wie wir und die Industrie ihn schon länger kennen.© Zauner Modell Stachanow: ein guter, alter Roboter, wie wir und die Industrie ihn schon länger kennen.© Zauner

Meist sind Roboter charmant, wenn sie öffentlich in Erscheinung treten. Die avanciertesten Modelle machen freundliche Gesichter, erfreuen mit Mienenspielen und strahlen aus blauen Augen. Das ist der humanoide Roboter neuester Bauart, nennen wir ihn Roby. Roby arbeitet als Con-cierge in Hotels. Er, sie oder vielleicht besser es erteilt Auskünfte in Kaufhäusern. Es mixt Drinks in Bars. Es gibt auch schon Interviews, man kann es auf Youtube verfolgen. Es spricht formelhaft, redet aber nie schlecht von uns Menschen. Es wirkt seriös und gut integriert wie alle Wesen mit sicheren Arbeitsplätzen und Aufstiegschancen.

Weich und gelenkig

Der freundliche Eindruck verbessert sich laufend, da die Kon-
strukteure das Schema des starken Arms zunehmend hinter sich lassen und die Modellpalette zügig erweitern. Roby wird mit jeder Iteration weicher. Es soll so weich, gelenkig und überraschend werden wie das Wunder Mensch. Diese Entwicklung wird auch von der Pornoindustrie mit regem Interesse begleitet.

Doch auch Insekten, Reptilien und Fische sind brauchbare Role-Models für Automaten. Sie breiten sich aus, egal ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft. Sie dringen ins Private und Öffentliche vor, sie werden alltäglich. Immer öfter stolpert man in Wohnungen über autonome Staubsauger.

Im Frühtau der Vorstadtgärten konkurriert das Gesurre des Mähroboters mit dem Gezwitscher von Lerche und Nachtigall. Und in den Kinderzimmern tuten und fiepen die Spaßroboter. Die Automaten verlassen die Fabriken und mischen sich unter uns. Sie arbeiten im Service, steuern Autos und Flugzeuge. Auch beim Militär treten sie an. Nur tragen sie dort keine niedlichen Namen mehr, sondern heißen SGR-A1 oder Me-thod-2. Sie sind nicht so beliebt wie Roby oder Stachanow. Über 1000 internationale Wissenschafter und Unternehmer forderten 2015 in einem offenen Brief ein Verbot von Killerrobotern.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-07 18:43:21
Letzte Änderung am 2018-06-09 18:14:25


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