• vom 07.07.2018, 10:00 Uhr

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Landesporträt

Ski-Resort und Schlepperwesen




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Von Günter Spreitzhofer

  • Lesotho, das "Königreich im Himmel" inmitten von Südafrika, ist das höchstgelegene Land der Welt. Doch soziale Probleme überschatten die Enklave.

Steile Passstraßen, hohe Wasserfälle und Kunst-Winter auf dem Berg: die Enklave Lesotho.

Steile Passstraßen, hohe Wasserfälle und Kunst-Winter auf dem Berg: die Enklave Lesotho.© Spreitzhofer Steile Passstraßen, hohe Wasserfälle und Kunst-Winter auf dem Berg: die Enklave Lesotho.© Spreitzhofer

Können Sie sich die österreichische Flagge mit einem grünen Tiroler Filzhut in der Mitte vorstellen, wahlweise mit Feder oder Kordel? Heimatliebe kann weit gehen, und so kamen gar keine Modediskussionen auf, als Lesotho seine blau-weiß-grüne Trikolore mit dem Mokorotlo, einem kegelförmigen Strohhut, einführte. Dieser praktische Regen- und Sonnenschutz ersetzt seit 2006 ein Ensemble aus Speer, Streitkeule und Schild, die manchen auf der Fahne überholt schienen und auch in den Malls von Maseru, der Hauptstadt, selten geworden sind. 300 Sonnentage ohne viel Schatten, dazu zahlreiche Gewittertage im Sommer - so ein Hut ist praktisch, vor allem auf einer subtropischen Breitenlage wie jener von Rio oder Brisbane.

Das Königreich Lesotho, 1868 bis 1966 Basutoland genannt, ist eine parlamentarische Monarchie im südlichen Afrika. Es ist ein ethnisch homogenes Land mit einer gemeinsamen Kultur, Identität und Tradition, anders als überall sonst in Afrika: 99 Prozent der zwei Millionen Einwohner des Landes sind Basotho. König Letsie III. regiert seit 1990 eine gebirgige Enklave inmitten der Republik Südafrika, etwa so groß wie Belgien, doch deutlich höher gelegen. Als einziges unabhängiges Land der Erde liegt das gesamte Staatsgebiet auf einer Höhe von über 1390 Metern (mit Gipfeln von fast 3500 Metern).

Information

Günter Spreitzhofer, geboren 1966, ist Lektor am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien; Arbeitschwerpunkte: (Südost-)Asien; Tourismus, Urbanisierung & soziokulturelle Transformation, Umwelt & Ressourcen.

Und so ist das westliche Tiefland eigentlich selbst schon ein Hochplateau, das sogenannte High-veld, voller fruchtbarer Flusstäler und karger Tafelberge aus Sandstein, die fast ein wenig an das Monument Valley in Utah erinnern. Der Qiloane-Berg bei Thaba Bosiu etwa, zwanzig Kilometer außerhalb von Maseru gelegen, gilt als Vorbild für den Mokorotlo.

Hohe Arbeitslosigkeit

Die Besteigung des Plateaus hinter dem Thaba Bosiu Cultural Village, das erst 2016 eröffnet wurde, dauert gerade einmal zwanzig Minuten, die Steintreppe hinauf ist nicht zu verfehlen. Doch ohne Führer geht gar nichts, denn dort oben finden sich die Überreste der Behausungen und Grabstätten von König Moshoeshoe I., der als Gründungsvater der Basotho-Nation gilt. Und unten tut sich wenig, die runden Bungalows der Hotelanlage des Schaudorfes sind so leer wie die brandneuen Parkbuchten.

Der Herr im Wintermantel an der Kasse wirkt gestört, spielt er doch gerade FIFA auf seinem Tablet. "Sorry, no change", sagt er. Das Retourgeld haben wir im Souvenirshop gut, wo es - nicht ganz unerwartet - Rundhütten in Aschenbecherform, Strohhüte und winzige Moshoeshoes zu erstehen gibt. Bezahlt wird in Loti oder in gleichwertigen südafrikanischen Rand: Rund 93 Prozent aller Touristen kommen aus Südafrika.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-05 16:29:00
Letzte Änderung am 2018-07-05 16:41:49


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