• vom 21.07.2018, 09:00 Uhr

Vermessungen


Astronomie

Finstere Vollmondnächte




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  • Am 27. Juli hüllt sich der Mond in düsteres Rot: Ein Anlass, um an Keplers Beobachtungen und sein Wirken in Linz zu erinnern.

Mondfinsternisse spielten im Leben des Johannes Kepler – hier seine Statue im Linzer Schlosspark – eine besondere Rolle. - © Foto(-Montage): Christian Pinter

Mondfinsternisse spielten im Leben des Johannes Kepler – hier seine Statue im Linzer Schlosspark – eine besondere Rolle. © Foto(-Montage): Christian Pinter

Der Mond ist links unten bereits "angeknabbert", wenn er sich am Freitag, den 27. Juli 2018, gegen 20.30 Uhr über den Wiener Horizont hebt. Danach dringt er immer tiefer in den Schatten der Erde ein. Ab 21.30 Uhr ist er komplett darin verschwunden. In der fortschreitenden Abenddämmerung erspäht man ihn trotzdem - aber nur ganz matt und in düstersten Rottönen: Totale Mondfinsternisse ereignen sich 85 Mal in diesem Jahrhundert. Allerdings sind bei weitem nicht alle von Österreich aus sichtbar.

Information

Christian Pinter, geboren 1959 in Wien, schreibt seit 1991 über Astronomie und Raumfahrt im "extra". Dies ist sein 325. Artikel. Internet: www.himmelszelt.at

Einst dachten Menschen, ein himmlischer Drache oder Dämon hätte die Mondscheibe verschlungen. Diese schimmere nun verwundet und blutig aus dem Bauch des Unholds. Johannes Kepler wusste hingegen: Es ist unsere Atmosphäre, die ein paar Sonnenstrahlen in den eigentlich stockdunklen Erdschatten bricht. Der lange Flug durch die Luft schwächt und rötet das Licht, noch bevor es auf den Mond fällt.

Seine erste Mondfinsternis sieht Johannes Kepler am 31. Jänner 1580 im Alter von acht Jahren. Später studiert er in Tübingen, wird von der Universität aber bald nach Graz entsandt. Die Gegenreformation vertreibt den Protestanten nach knapp sechs Jahren. Der in Prag residierende, sterngläubige Kaiser Rudolf II., ein Mystiker und Kunstmäzen, zeigt sich tolerant: Er ernennt Kepler zum Hofmathematiker.

Doch dann greift Rudolfs Bruder Matthias nach der Macht und entscheidet den Bruderzwist im Hause Habsburg für sich. Zwar bestätigt auch er Kepler in seinem Amt; dieser sieht aber das baldige Ende jener Freiheiten kommen, die man Andersgläubigen wie ihm bisher gewährt hat.

Umzug nach Linz

Der Schwabe kennt etliche oberösterreichische Adelige, da er mit deren Söhnen einst in Tübingen studiert hat. Das kommt ihm nun zugute. 1612 übersiedelt er von der Weltstadt Prag ins damals nur 3000 Einwohner zählende, protestantische Linz. Er wird hier bis 1626 wirken, länger als an jedem anderen Ort. Im heutigen Landhaus, damals "Ständehaus" genannt, unterrichtet er die Söhne adeliger Herrschaften in Mathematik, Philosophie und Geschichte.

Erst vor Kurzem wurde das Haus Nr. 7 als Keplers Wohnort in der Linzer Hofgasse identifiziert.

Erst vor Kurzem wurde das Haus Nr. 7 als Keplers Wohnort in der Linzer Hofgasse identifiziert.© Pinter Erst vor Kurzem wurde das Haus Nr. 7 als Keplers Wohnort in der Linzer Hofgasse identifiziert.© Pinter

Kepler wohnt zunächst in einem heute nicht mehr existierenden Haus in der Hirschgasse, später in der Rathausgasse Nr. 5. Dazwischen - und damit die längste Zeit - bezieht er in der Hofgasse Quartier. Sie zieht vom Hauptplatz zum Schloss hinauf. Wie erst seit kurzem bekannt, logiert er im Haus Nr. 7; es gehört dem Adeligen Polheim. Die genaue Adresse hat Erich Meyer herausgefunden, ein Vorstandsmitglied der Linzer Astronomischen Gemeinschaft. Er studierte dazu zahlreiche historische Quellen, darunter das Steuerbuch von 1620, Keplers Briefe und letztlich auch seinen Bericht über die Mondfinsternis in der Nacht vom 26. zum 27. August 1616.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-19 16:17:12
Letzte Änderung am 2018-07-19 17:05:29


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