• vom 22.07.2018, 11:30 Uhr

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Medizin

Nachwuchs aus dem Reagenzglas




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Von Ingeborg Hirsch

  • Am 25. Juli 2018 feiern Louise Joy Brown wie auch die In-Vitro-Fertilisation ihren 40. Geburtstag. Louise Joy kam als weltweit erstes Retortenbaby in England zur Welt.



Das Londoner Science Museum präsentiert aktuell die Geschichte der künstlichen Befruchtung.

Das Londoner Science Museum präsentiert aktuell die Geschichte der künstlichen Befruchtung.© Science Museum London Das Londoner Science Museum präsentiert aktuell die Geschichte der künstlichen Befruchtung.© Science Museum London

"Meine Eltern trafen Vorsorge, dass ich ganz normal aufwachsen konnte", sagt sie. "Abgesehen vom großen Medieninteresse an meiner Person ist mein Leben so verlaufen, als hätten mich meine Eltern auf natürlichem Weg empfangen. Ich arbeite fünf Tage in der Woche als Angestellte und habe einen Ehemann und zwei Buben." Seit dem Tod ihres Vaters im Jahr 2007 werden alle Medienanfragen über eine Agentur abgewickelt. Dazu kommen Einladungen von Fruchtbarkeitskliniken und Interessensvertretungen und Anfragen von Autoren, Filmemachern und Autogrammjägern. Manchmal schickt auch jemand ein Gedicht. Die Frage, die Louise Joy Brown am häufigsten gestellt wird, ist, wie sie von ihrer Retortenzeugung erfahren hat.

Das Science Museum in London widmet der Geschichte der In-Vitro-Fertilisation derzeit eine eigene Ausstellung, die noch bis November 2018 gezeigt wird und deren Titel "IVF: 6 Millionen Babys später" bereits auf den Erfolg der künstlichen Befruchtung anspielt. Heute ist die Reproduktionsmedizin eine weltumspannende Milliardenindustrie. Der Weg dorthin war ein schwieriger, und selten hat eine neue Methode derartig kontroverse Diskussionen in Gesellschaft, Kirche und der Wissenschaftsgemeinde ausgelöst.

Information

Ingeborg Hirsch, geboren 1966, ist Biologin und arbeitet als freie Autorin und Lektorin in Wien.

Erst mit der Geburt des ersten Retortenbabys begann sich die öffentliche Stimmung zu drehen, denn beim Anblick des herzigen und gesunden Babys, das von vielen Fotos lachte, wirkte die vorherige Argumentationslinie, dass solche Kinder im Widerspruch zu Schöpfung und naturgewolltem Fortpflanzungsgeschehen stünden, nicht angebracht.

Reifung der Eizellen

Begonnen hat alles mit dem 1925 geborenen englischen Biologen und Physiologen Robert Geoffrey Edwards, der sich anhand von Mäuseeizellen mit Fruchtbarkeitszyklen und künstlicher Besamung auseinandersetzte. Nach einem Studienaufenthalt in den USA nahm er seine Tätigkeit am National Institute for Medical Research in London auf, wo er an der Entwicklung einer empfängnisverhütenden Impfung für Frauen forschte. Nebenbei beschäftigte er sich weiterhin mit Eizellen, ihren Reifungsschritten und den Möglichkeiten einer künstlichen Befruchtung.

In den frühen 1960er Jahren wurde Edwards die weitere Forschung an der künstlichen Befruchtung untersagt und er wechselte an die Universität von Cambridge, wo er erstmals sein Konzept der Befruchtung im Reagenzglas publizierte. Nun begann die Zusammenarbeit mit Patrick Steptoe, Gynäkologe am Oldham General Hospital, der eine Methode entwickelt hatte, weibliche Eizellen durch einen kleinen Eingriff durch die Bauchdecke (Laparoskopie) entnehmen zu können, und der genauso wie Edwards die Vi-sion hatte, die Unfruchtbarkeit zu überwinden. Die dritte im Bunde war die Krankenschwester und Labortechnikerin Jean Purdy, die heute in vielen Publikationen vergessen wird.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-20 10:14:09
Letzte Änderung am 2018-07-20 10:29:33


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