• vom 26.08.2018, 17:00 Uhr

Vermessungen


Stadtplanung

Die Organisation von Widersprüchen




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Von Martin Heintel

  • Partizipation spielt in der Stadtplanung eine wichtige Rolle. Über das Management räumlicher Verhältnisse - oder wie man verschiedene Interessen möglichst gleichzeitig unter einen Hut bringt.

Partizipation in Wien Neubau: Veranstaltung zum (Aus-)Bau von U2 und U5. - © BV7

Partizipation in Wien Neubau: Veranstaltung zum (Aus-)Bau von U2 und U5. © BV7

Wenn von Partizipation oder Beteiligung gesprochen wird, sind wir als Gesellschaft immer öfter damit konfrontiert - gewollt oder auch ungewollt -, Widersprüche zu organisieren. Eignet sich Partizipation somit als Tool zur Organisation von Widersprüchen, was sind Widersprüche überhaupt und welche Voraussetzungen für partizipative Verfahren werden in der Regel als notwendig erachtet?

Der Begriff Widerspruch wird aus der Hegelschen Dialektik abgeleitet. Gemeint sind dabei Gegensätze, beispielsweise Vorstellungen oder Ideen, die sich gegenüberstehen, vielfach auch in Konkurrenz zueinander, oder die unterschiedliche Diskurse beeinflussen. Geleitet sind die jeweiligen Diskurse mitunter durch Geschichte und Geschichten, und sie sind motiviert und moderiert durch Lobbys, (Interessens-)Vertretungen, unterschiedliche (politische) Parteien und Bürger in ihrer Vielfalt.

Information

Martin Heintel, Professor am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: Stadt- und Regionalforschung sowie Angewandte Geographie.

Die jeweiligen Diskursstränge sind häufig normativ bestimmt und bisweilen emotional aufgeladen. Die gesamtgesellschaftlichen Voraussetzungen zur Partizipation gestalten sich unterschiedlich, ausdifferenziert allein schon aufgrund vorherrschender politischer Regime, Gesetzeslagen oder zivilgesellschaftlicher Prägung.

Beteiligungskulturen

Stadtplanung in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in China, vielfach am Reißbrett entworfen, organisiert sich anders als Stadtplanung in Berlin oder Wien, wo selbst im dichtverbauten innerstädtischen Gebiet große Flächen lange Zeit über zur Disposition stehen, wie das Beispiel Berlin Tempelhof zeigt. Totalitäre Regime haben für Bürgerinteressen und Mitgestaltung selten Gefäße (und noch seltener Verständnis), auch werden diese Möglichkeits- und Teilhabeformen vielfach als Bedrohung, Kritik und Widerstand gegenüber den regimekonformen Vorstellungen verstanden.

In Demokratien hingegen verselbstständigen sich mitunter partizipative Verfahren, die wiederum schon manch lange geplantes Projekt städtischer Entwicklung verzögert oder gar zu Fall gebracht haben, wie aktuell die Debatte um die Gestaltungsmöglichkeiten am Heumarkt in Wien verdeutlicht. Gleichwohl sind hier in städtischen Verwaltungen partizipative Verfahren, zum Teil sogar standardisiert, vorgesehen und fixer Baustein einer kommunalen Planungskultur.

Demnach unterscheiden sich auch die Beteiligungskulturen und die Möglichkeiten zur Beteiligung im globalen Vergleich. Zivilgesellschaftliche Organisation sowie Partizipation gestaltet sich in den USA anders als in den postsozialistischen Ländern. Die Teilhabefähigkeit an Gestaltungsprozessen, Formen und auch das Verständnis von Freiwilligkeit, hier wiederum in einer historischen Prägung, lassen Partizipation unterschiedlich aussehen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-23 14:47:44
Letzte Änderung am 2018-08-23 15:53:11


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