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Update: 10.09.2018, 13:59 Uhr

Klimawandel

Waldhüter und Korallengärtner




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Von Doris Neubauer

  • Niemand spürt die Auswirkungen des Klimawandels so sehr wie die Bewohner der Pazifikinseln. Doch statt aufs Ende der Welt zu warten, setzen sie sich zur Wehr, wie Beispiele auf Fidschi und Vanuatu zeigen.

Mittels bestimmter Vorrichtungen schützen die Bewohner Vanuatus gefährdete Korallen. - © Neubauer

Mittels bestimmter Vorrichtungen schützen die Bewohner Vanuatus gefährdete Korallen. © Neubauer

Die dünnen, dunklen Locken sind zerzaust, seine Nase trieft und auf dem T-Shirt zeigen sich die Spuren vom letzten Mittagessen. Der Dreijährige, der an der Hand seiner Großmutter Waita Curuvale hängt, wirkt wie ein ganz typischer Junge. Und doch liegt die Hoffnung von rund 450 Menschen auf seinen schmalen Schultern.

"Achtung, die künftigen Hüter des Drawa-Waldes sind unterwegs", schallt es uns entgegen, als wir mit ihm und seinem Freund durchs Dorf Batiri auf Fidschis zweitgrößter Insel Vanua Levu spazieren. "Stimmt", lacht Waita und fügt nachdenklicher hinzu: "Vorausgesetzt, wir überleben die nächsten 30 Jahre . . ."

Lebensader Regenwald

Information

Doris Neubauer, geboren 1978, ist freie Journalistin und schreibt gerne über inspirierende, Mut machende Initiativen aus aller Welt.

Die Weichen dafür sind gestellt. Vertreten durch die Drawa Block Forest Community Cooperative (DBFCC), in deren Vorstand Waita sitzt, haben acht indigene Chiefs der Region vor sieben Jahren beschlossen, 1548 ha ihres 4210 ha großen tropischen Regenwalds zu schützen und für CO2-Emissionshandel freizugeben. Auf Fidschi ist es das erste Projekt dieser Art.

"Der Wald ist unsere Lebensader", begründet Timoci Ratusaki, einer der Mataquali, wie die Chiefs auf Fidschi traditionellerweise genannt werden, die Entscheidung. Der bedächtige 87-Jährige mit dem verschmitzt-zahnlosen Lächeln hat sein ganzes Leben im Dorf Drawa direkt neben dem gleichnamigen Regenwald verbracht. Für ihn und seine Großfamilie, welche die Zehn-Häuser-Gemeinde bildet, ist der Regenwald seit Jahrhunderten Supermarkt und Erholungszentrum zugleich.

Drawa ist der Nährboden für endemische Pflanzen wie die Farnart Uto, deren grüne Blätter wir später als Suppe serviert bekommen. Er bietet fruchtbares Land, um Yams, Taro, Cassava und vor allem Yangona, aus dem später das Nationalgetränk Kava hergestellt wird, anzubauen.

Er ist Lebensraum für Wildschweine und Ursprung des Flusses, in dem Aale sowie andere Fische hausen und der den Menschen klares Trinkwasser spendet. Er sorgt für frische Luft zum Atmen und bietet Schutz vor Stürmen, Überschwemmungen sowie Dürreperioden, die in Zeiten des Klimawandels immer häufiger über Fidschi hereinbrechen.

"Unser Land und der Wald sind das Wichtigste für uns", betont der 35-fache Großvater nicht nur uns gegenüber, sondern jeden Montag in der Dorfversammlung, "Geld kommt erst an zweiter Stelle."

Diese Wertehierarchie scheint vielerorts in Vergessenheit geraten zu sein. Wie die meisten Regionen des Südpazifiks ist Drawa stark von Abholzung betroffen. Die einheimischen Bäume sind zu einem Großteil der wirtschaftlichen Notwendigkeit, etwa Schulgeld für die Kinder zu beschaffen, zum Opfer gefallen. Mit ihnen seien auch die Farne verschwunden, die nur unter diesen hohen, alten Bäumen wachsen, erzählt eine Sitznachbarin auf der Busfahrt nach Drawa, außerdem würden die Flüsse verschmutzt. Die kahlen Stellen am vorbeiziehenden Wald sind stille Zeugen ihrer Geschichte.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 15:18:14
Letzte Änderung am 2018-09-10 13:59:15


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