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Update: 10.09.2018, 13:59 Uhr

Klimawandel

Waldhüter und Korallengärtner




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Der Vorsitzende des Fidschi-Dorfes Drawa zeigt das geschützte Regenwald-Gebiet.

Der Vorsitzende des Fidschi-Dorfes Drawa zeigt das geschützte Regenwald-Gebiet.© Doris Neubauer Der Vorsitzende des Fidschi-Dorfes Drawa zeigt das geschützte Regenwald-Gebiet.© Doris Neubauer

Um die 6000 ha bisher unberührten Regenwalds im Besitz der indigenen Mataquali vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren, hatte schon in den späten 1990er Jahren die "Deutsche Gesellschaft für Entwicklungszusammenarbeit" den Wald erforscht, katalogisiert und die Familien der Region von nachhaltiger Forstwirtschaft überzeugt. Das Konzept brachte zwar den gewünschten Schutz der wertvollen Biosphäre, doch für die Dorfbevölkerung blieb die Frage offen, wie sie - ohne das Abholzen zu intensivieren - Geld verdienen sollte.

30 Jahre Projektdauer

Eine Frage, auf die die australische Organisation "Live and
Learn Environmental Education Fiji" eine Antwort wusste: 2012 trat sie an die Mataquali der fünf Dörfer heran und stellte ihnen die Möglichkeit vor, den Wald nicht durch Abholzung zu Geld zu machen, sondern sich vielmehr für dessen Erhaltung im Rahmen eines weltweiten "REDD+ Projekts" (REDD = reducing emissions from deforestation and forest degradation) entlohnen zu lassen.

Schließlich sind die weltweit vier Billionen Hektar Wald nicht nur reich an Biodiversität und stellen die Lebensgrundlage für geschätzt rund 500 Millionen Menschen. Sie absorbieren und speichern darüber hinaus gefährliche Treibhausgase. Diese wichtige Funktion wird im weltweiten Emissionshandel, der seit dem Pariser Abkommen COP21 offiziell als wichtige Maßnahme im Klimaschutz anerkannt ist, finanziell abzugelten versucht.

"Wenn wir unsere Bäume fällen, bekommen wir nur einmal das Geld", kam für Timoci Ratusaki das Angebot wie eine Antwort auf seine Gebete, "und so bewahren wir nicht nur unsere natürliche Ressource, sondern erhalten darüber hinaus monatlich Geld aus der Klimakompensation. Es ist ein sauberer Verdienst." Mit diesem sollen seine Nachkommen nicht nur weiterhin vom Land und dem Wald leben können, sondern sich während der Projektdauer von 30 Jahren auch Bildung, fließendes Wasser und andere Annehmlichkeiten ermöglichen können. Doch bis er und die anderen Mataquali, die seinem Vorbild folgten, dieses Geld erstmals in Händen halten konnten, sollte es noch eine Zeitlang dauern. Erst nach sieben Jahren erhielt Ratusaki die ersten Zahlungen in der Höhe von umgerechnet rund 856 Euro ausbezahlt.

Keine Wald-Beziehung

Es waren nervenaufreibende und doch wichtige Jahre: Im ersten Schritt musste nämlich das Projekt, das zwischen 2012 und 2015 von der Europäischen Union gefördert wurde, innerhalb der Dorfgemeinschaft auf eine breite Basis gestellt werden. Dafür wurde eben die Community-NGO Drawa Block Forest Community Cooperative gegründet, die sich mittlerweile um sämtliche Belange der nach "Pan Vivo Standards" zertifizierten Klimakompensation kümmert.

Außerdem wurden alle Mitglieder der Dörfer in die Planung eingebunden und zu zahlreichen Workshops eingeladen, in denen sie mit der Organisation "Live and Learn" gemeinsam die Wichtigkeit ihrer natürlichen Ressourcen erarbeiten konnten. "Wir hatten keine Beziehung mehr zu unserem Wald", ist der fünfzigjährigen Waita im Nachhinein die Entfremdung bewusst. Ihr Dorf Batiri liegt an der Straße und profitiert infolgedessen nicht mehr so stark vom Pflanzen- wie Tierreichtum Drawas. "Wir hatten Glück, dass das Projekt zu uns gekommen ist und uns die Bedeutung des Waldes wieder ins Bewusstsein gebracht hat."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 15:18:14
Letzte Änderung am 2018-09-10 13:59:15


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