• vom 09.09.2018, 17:00 Uhr

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Denkmäler

Alte Helden, neue Plätze




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Gott sei Dank ist alles gut gegangen, lediglich auf der Ringstraße musste die Oberleitung der Tramway gekappt werden, um der Statue Platz zu machen. Hier folgte die nunmehr zweite Enthüllung. Doch für die Zierde des architektonisch martialischen Kriegsministeriums mit den zahlreichen Soldatenköpfen über den Fenstern gab es auch andere Pläne. So präferierte Oberbaurat Ludwig Baumann (1853-1936), der Erbauer des Ministeriums, den von Fernkorn geschaffenen Löwen von Aspern hierher zu transferieren. Nachzulesen im "Neuen Wiener Tagblatt" vom 8. Mai 1912 unter dem Titel "Der Löwe von Aspern auf der Ringstraße".

Tatsächlich sollte es in diesem Grätzel nicht an Löwen als Symbole der Macht mangeln. So konnte man auch die Aspernbrücke bei der Urania damals im Grunde als Löwenbrücke bezeichnen. Bei der ersten, 1864 eröffneten Brücke befanden sich beiderseits der Brückenköpfe neben den allegorischen Figuren Krieg, Friede, Ruhm und Wohlstand des aus Böhmen stammenden Bildhauers Franz Melnitzky vier liegende Löwen.

Für mehr Wirkung

Auch die zweite Aspernbrücke (Eröffnung am 1. Dezember 1919) wurde noch von den vier Löwen Melnitzkys bewacht. Nach der Zerstörung des Bauwerks im Jahr 1945 folgte 1951 die dritte (und heutige) Aspernbrücke - allerdings ohne Löwen. Diese fanden in Niederösterreich ein würdiges Ausgedinge: zwei vor dem Schloss Hoyos in Horn, zwei weitere vor Schloss Gobelsburg. Die beiden Letzteren waren ursprünglich bei Schloss Haindorf bei Langenlois und kamen erst später nach Gobelsburg. Interessante Details enthüllte die Rathauskorrespondenz vom 3. März 1953. Demnach erbrachten 10.000 Kilo Weintrauben ein Löwenpärchen. Der Hintergrund dazu: Im Herbst 1945 hatte die Gemeinde Langenlois für Wiener Kinder Trauben gespendet, nun hatte sich die Stadt Wien ihrerseits mit zwei Löwen erkenntlich gezeigt.

Das Mozartdenkmal aktuell ...

Das Mozartdenkmal aktuell ...© Thomas Hofmann Das Mozartdenkmal aktuell ...© Thomas Hofmann

Eine andere Denkmalverrückung befindet sich im Burggarten. Das Mozartdenkmal an dieser noblen Adresse korreliert mit der großen Bedeutung des Komponisten, und so würde man meinen, dass "Wolferl" schon immer hier stand. Von wegen! Die ersten Dekaden des Denkmaldaseins verbrachte der Komponist bei der Albertina, vor dem heutigen Café Mozart. Der Architekt des einst hier befindlichen Philipphofs, Karl König, entwarf auch das 7,5 Meter hohe Mozartdenkmal.

Die Figur Mozarts allerdings meißelte kein Geringerer als der bekannte Steinbildhauer Victor Tilgner aus weißem Marmor. Tilgner, 1844 in Wien geboren, schuf unzählige Bauplastiken, die heute alle wichtigen Gebäude der Ringstraße zieren. Darunter sind Naturforscher wie Alexander von Humboldt, Isaac Newton oder Carl von Linné am Naturhistorischen Museum ebenso wie William Shakespeare am Burgtheater oder Homer vor dem Parlament. Doch leider war dem großen Bildhauer die Eröffnung des Mozartdenkmals nicht mehr vergönnt. Er starb am 21. April 1896, wenige Tage vor der Enthüllung. Und kaum war die Hülle gefallen, gab es Stimmen für einen anderen Standort. Man plädierte für einen grünen Hintergrund mit Bäumen, um dem Denkmal mehr Wirkung zu verschaffen.

Wie so oft in Wien gab es Kritik, stellvertretend dafür sei die "Montags-Zeitung" vom 27. April 1896 zitiert, die einen gar nicht lobenden Artikel wie folgt schloss: "Aber vielleicht war es für den Meister ein Glück, daß er die Augen schloß, ehe er gewahr wurde, wie sehr man sein Werk durch die unglückliche Platzwahl geschädigt, und wie verhältnißmäßig wenig wahre Anerkennung er mit demselben bei seinem Volke gefunden hat." Der Standort sollte sich freilich ändern.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 16:33:16
Letzte Änderung am 2018-09-06 16:50:31


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